Einrollen vor malerischer Kulisse: Fabian Cancellara führt die Equipe von Saxo-Bank beim Training in Monaco an.
Doch nicht deswegen wird Cancellara so hart bedrängt. Der Olympiasieger ist der hohe Favorit für den Sieg im Zeitfahren von Monaco, mit dem die Tour de France morgen Samstag beginnt. Ein besonderes Zeitfahren über 15 Kilometer mit Start und Ziel beim Port Hercule, dort wo im Mai die Formel-1-Boliden durch die Strassen dröhnen. Gestartet wird bei den Boxenstrassen, doch schon beim Casino verlässt die Strecke den Formel-1-Kurs zum Umweg über die mittlere Corniche, die Strasse mit der atemberaubenden Aussicht. Erst kurz vor dem Tunnel biegt der Parcours für die letzten 2 Kilometer wieder in jene des Grand-Prix ein.
Cancellara hat keine Mühe mit der Favoritenrolle. «Wenn ich einen guten Tag habe, dann wird es schwierig, mich zu schlagen», sagt er auf Italienisch. Auf Französisch tönt es so: «Dank der Tour de Suisse habe ich mein Selbstvertrauen um 30 Prozent gesteigert. Jetzt bin ich bei 100 Prozent. Wenn mir ein gutes Rennen gelingt, werden sich die Freunde warm anziehen müssen, um eine Chance zu haben.» Und schliesslich auf Deutsch, als er nach seinen gefährlichsten Gegnern gefragt wird und lange zögert: «Millar, Contador, Evans sind im Dauphiné-Zeitfahren gut gefahren. Aber sonst . . . ? Mein Problem ist, dass mir keine Namen in den Sinn kommen, weil ich der Einzige bin, der mich schlagen kann. Es ist ein sehr technischer Parcours, und da darf ich mir keinen Fehler erlauben.»
Es ist bezeichnend: Nicht der fast 7 Kilometer lange Aufstieg gleich nach dem Start, bei dem 200 Höhenmeter überwunden werden, macht ihm Angst, sondern die ultraschnelle Abfahrt, bei der Tempi von über 100 km/h möglich sein sollen. Hier lauern die Gefahren. Steigungen hat er seit der Tour de Suisse im Griff.
Nach der Tour de Suisse hat Cancellara wenig trainiert. Erholung stand im Vordergrund, unterbrochen vom Härtetest der Schweizer Meisterschaft in Nyon. Dass daraus ein harter Renneinsatz wurde, sei Zufall gewesen. Das rote Trikot mit dem weissen Kreuz bezeichnet er als zusätzliche Motivation. Auch wenn er es noch möglichst lange nicht tragen möchte. Er hofft, ein paar Tage in Gelb durch Frankreich und warum nicht auch durch Spanien (wo die Tour am Donnerstag hinführt) fahren zu können. Er kennt das Gefühl. Schon 2004 und 2007 trug er das «Maillot jaune». Zusammengezählt an sieben Tagen. Vor drei Jahren gewann er in Gelb sogar eine Etappe.
(Tages-Anzeiger)