Schneller und schwerer: die SBB schaffen neue Doppelstöcker an.
Akzentuiert hat sich die Problematik 2004 mit der Inbetriebnahme der ersten Etappe der Bahn 2000 und der massiven Zunahme des Schienenverkehrs. Allein im Personenverkehr nahm das Zugangebot bis heute um 26 Prozent zu. Prognosen sagen für die kommenden Jahre ein Nachfragewachstum von 50 Prozent voraus. In urbanen Räumen um Zürich oder Bern sowie entlang des Genfersees wird sogar mit einem Zuwachs der Passagierzahlen von über 100 Prozent gerechnet.
90 Züge pro Tag
Inzwischen verkehren pro Kilometer Schiene und Tag rund 90 Züge. Mit insgesamt 158,7 Millionen Trassenkilometern (siehe Grafik) wurde das SBB-Netz im zurückliegenden Jahr so intensiv genutzt wie noch nie in der Geschichte der SBB. Mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Unterhalt. 2008 wurden 415'000 Tonnen Schotter eingebaut, 225'000 Schwellen ausgewechselt und rund 250 Kilometer neues Gleis verlegt.
«Das fehlende Geld für den Unterhalt der Schieneninfrastruktur ist ein Kernproblem der stetig wachsenden SBB», ist Peter Moor von der Verkehrsgewerkschaft SEV überzeugt. Die SBB mache schon länger darauf aufmerksam, dass mehr, schnellere und schwerere Züge die Infrastruktur zusätzlich belasten würden, kontert Binz. Mit der geplanten Inbetriebnahme von 59 Doppelstockzügen im Jahre 2013 wird sich der Unterhaltsbedarf weiter erhöhen. Kein Teuerungsausgleich
Der Mehrbedarf für Unterhalt und Substanzerhaltung lasse sich nicht mit den Beiträgen aus den Trassenerlösen, Effizienzsteigerungen und den Beiträgen aus der Leistungsvereinbarung mit dem Bund kompensieren, erläutert Binz. So war die Leistungsvereinbarung mit dem Bund in den letzten acht Jahren teuerungsbereinigt konstant. Ein Hoffnungsschimmer für die SBB sind die Massnahmen des Konjunkturprogramms. Ausführungsbereite Erneuerungsprojekte im Umfang von 150 Millionen Franken können vorgezogen werden.
Moor von der SEV will nicht von einem Sicherheitsproblem sprechen, mahnt aber: «Früher war das oberste Gebot, Störungen zu verhindern. Heute lässt man diese oft zu und reagiert erst dann.» Binz wehrt sich: «Die Zahl der Störungen hat nicht zugenommen. Jedoch sind deren Auswirkungen oft grösser, weil mehr Züge verkehren.» Nach wie vor sei jede Störung eine Störung zu viel und für die Kunden ärgerlich. Binz muss aber einräumen, dass Schäden auf hoch frequentierten Strecken bei der Reihenfolge der vorzunehmenden Arbeiten höhere Priorität geniessen als eine schwach frequentierte Nebenlinie.
Diagnosezug fährt das ganze Netz ab
Der SBB-Sprecher verweist darauf, dass alle zwei Wochen das über 3000 Kilometer lange SBB-Netz von Streckenwärtern abgelaufen und geprüft werde: «Zudem fährt ein Diagnosefahrzeug zweimal pro Jahr das gesamte Netz ab und überprüft es auf optisch nicht sichtbare Mängel. Das beweise, dass die Sicherheit bei der SBB höchste Priorität habe, ist Binz überzeugt.
(Berner Zeitung)