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«Keine Bilder von Sterbenden – egal, um wen es sich handelt»
Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 25.10.2011 69 Kommentare
Peter Holenstein über Gewalt in den Medien
Herr Holenstein, die Aufnahmen, wie ein wütender Mob Muammar al-Ghadhafi lyncht, sind überall in den Medien zu finden. Ging die Berichterstattung nicht zu weit?
Es lässt sich nicht verhindern. Im Zeitalter des Internets verbreiten sich solche Inhalte rasend schnell. Der Mensch hat grundsätzlich eine Faszination für extreme Todesarten. Das macht nicht allein Ghadhafi offensichtlich, sondern auch die Unfallbilder des in Malaysia gestürzten Rennfahrers Marco Simoncelli vor ein paar Tagen. Solche Inhalte haben nichts Verwerfliches.
Aus ethischer Sicht schon.
Der Mensch hat eine archaische Veranlagung. Hinrichtungen, Gewalt und Horrorbilder haben Menschen schon immer fasziniert. Ich gebe Ihnen recht, dass eine kurze Nachricht über Ghadhafis Tod gereicht hätte. Der Anspruch an die Ethik wird allerdings selten erfüllt.
Werden wir in Zukunft vermehrt makabre Bilder in den Medien sehen?
Die Schamgrenze ist heute eindeutig tiefer. Gegenüber Despoten wie Saddam Hussein oder Muammar al-Ghadhafi zeigt der Mensch kein Mitleid. Es ist meiner Ansicht nach ein Irrtum, wenn man glaubt, der Mensch entwickle sich zum Guten.
Sind Sie über die Gewalt in Libyen nicht entsetzt?
Als ich die Bilder sah, war ich erschüttert. Dieser abgrundtiefe Hass hatte etwas von Dantes Inferno. Nachdenklich stimmte mich das Verhalten der Täter allemal. Ich fragte mich, ob die Leute fähig sind, eine Demokratie aufzubauen. Da habe ich Vorbehalte.
Peter Holenstein ist Journalist und Sachbuchautor. Er beschäftigt sich mit Gewalt, Kriminalität und Strafjustiz.
Warum baz.ch/Newsnet die Bilder veröffentlichte
In der Regel ist man zurecht zurückhaltend bei der Publikation von Bildern von gewaltsam zu Tode gekommenen Menschen. Mit einer Ausnahme: Handelt es sich beim Toten um eine international geächtete Person, um einen Usurpator und Unterdrücker, fallen diese Schranken. Wir erinnern uns an die Bilder des toten Ceausescu, der am 25. Dezember 1989 hingerichtet wurde. Die Bilderreihe liesse sich endlos fortsetzen: Goebbels verkohlte Leiche, der an den Füssen aufgehängte Mussolini, Saddams Söhne, ja, sogar der aufgebahrte Che Guevara.
Wenn ein kollektives Interesse der Gesellschaft am Tod einer Person existiert und überwiegt, scheint die Veröffentlichung des Totenbildes gerechtfertigt. Das Totenbild des Volksfeinds tritt so quasi an die Stelle der öffentlichen Exekution – postum. Es ist der Beweis für die Verbrechen des Toten und demonstriert die Macht der Gerechtigkeit. Solche Bilder erhalten in aller Regel ikonografischen Charakter und tauchen Jahre später in Geschichtsbüchern auf. Deshalb haben wir das Bild des toten Muammar al-Ghadhafi publiziert. Wir wollten den Lesern ein historisches Dokument nicht vorenthalten. Trotzdem aber muss ich im Nachhinein eingestehen, dass man vor allem am Folgetag auch zurückhaltender mit dem Bildmaterial hätte umgehen können.
Peter Wälty, Chefredaktor baz.ch/Newsnet
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Die wackligen Handyvideos der libyschen Rebellen gingen um die Welt. Die Kämpfer dokumentierten die letzten Minuten im Leben von Muammar al-Ghadhafi. Es sind brutale Szenen. Sie zeigen einen Lynchmob und einen blutverschmierten Tyrannen in Nahaufnahme.
Den Auftakt machte die französische Nachrichtenagentur AFP. Sie schickte die erste exklusive Aufnahme des toten Despoten um die Welt. Sofort zeigten die Blattmacher der führenden Nachrichtenportale das Bild (Anmerkung der Redaktion: Warum baz.ch/Newsnet die Aufnahme zeigte, lesen Sie im linken Kasten unten). Danach folgte, man kann es nicht anders beschreiben, eine regelrechte Bilderorgie, die nur so von Blut triefte.
Innert weniger Stunden wusste die Weltbevölkerung Details über Ghadhafis letzte Sterbeminuten. Schockierendes Material. Die Frage daher: Dürfen Journalisten aus dem Tod eines Tyrannen ein solch bildgewaltiges Medienereignis machen? Sollen Medien einen Tyrannen zeigen, der blutverschmiert am Boden liegt und auf den brutal eingeschlagen wird?
Ikonografisches Bildmaterial
«Jein», findet Medienjurist und Publizist Peter Studer. Er fand die Veröffentlichung des AFP-Fotos gerechtfertigt. Das Bild sei von dokumentarischem Wert und belegt den Tod Ghadhafis. Die Menschenrechte und die Würde des Toten seien dadurch nicht verletzt worden. Studer bezeichnet das Bild als «Ikone der Zeitgeschichte». Die Aufnahmen hätten den gleichen Stellenwert wie die Bilder von der Erschiessung des rumänischen Diktators Ceausescu oder der Erhängung von Saddam Hussein.
Was jedoch danach alles publiziert wurde, sei eindeutig zu viel gewesen, resümiert Studer. Er kritisiert die Gratis- und Boulevardmedien, die die Grenzen mit ihrer Berichterstattung eindeutig überschritten hätten. Mit «Bildgeilheit» beschreibt Studer mit einem Wort die Berichterstattung. Die publizierten Auszüge seien von voyeuristischem und zudringlichem Charakter gewesen. Aus Pietätsgründen hätten einzelne Medien auf die Veröffentlichung verzichten müssen.
Bilder auf der Titelseite: «Ethisch nicht vertretbar»
Elke Grittmann, Forscherin mit Schwerpunkt Bildjournalismus an der Universität Münster, sagte in einem Interview mit dem deutschen Branchendienst Meedia: «Die unterschiedliche Verwendung der Bilder in den Zeitungen läuft eindeutig entlang der Trennlinie zwischen Boulevardjournalismus und Qualitätsjournalismus.» Sie halte es für ethisch nicht vertretbar, wie die Boulevardpresse mit den Bildern auf den Titeln umgegangen sei, obwohl das öffentliche Interesse am Tod Ghadhafis vorrangig war.
Grittmann lobt die meisten Zeitungen (u. a. die NZZ), die überwiegend auf Schockeffekte verzichtet hätten. «Das ist eine ethische Entscheidung, denn die Bilder sind an den Kiosken für alle, auch Kinder, sichtbar», meint die Forscherin. Dass im Internet auch Qualitätsmedien die Leiche oder Aufnahmen der Festnahme zeigten, sieht Grittmann – im Gegensatz zu Studer – keinesfalls als problematisch. Die Bilder seien eingebettet und nicht sofort sichtbar. Im Kontext sei die dokumentarische Funktion auch glaubwürdig.
Keine Bilder von Sterbenden
Für Medienwissenschafter Vinzenz Wyss haben die Medien mit den Totenaufnahmen Ghadhafis generell versagt: «Es ist gemäss international abgestimmten Richtlinien der Presseräte klar, dass keine Bilder von Sterbenden gezeigt werden. Schon gar nicht in Nahaufnahme. Presseräte sind auch nicht auf den Kopf gefallen und haben sich dazu schon was überlegt. Egal, um was für Menschen es sich dabei handelt.»
Wyss weist darauf hin, dass die Bilder in journalistischer Hinsicht auch nichts zum Verständnis beitragen würden, denn sie befriedigten bloss eine Archaik. Weil die Bilder ohnehin für jedermann online zugänglich seien, brauche es keine Zusatzleistung der Medien.
Wyss sieht im Quotenkampf den Grund, warum Onlinemedien das Recht der Totenwürde verletzt haben: «Die Art und Weise, wie bestimmte Medien mit den Bildern umgehen, sagt vor allem etwas darüber aus, von welchem Publikumsbild man dort ausgeht. Der heuchlerische Verweis auf Klicks ist charakteristisch für eine fadenscheinige Argumentation, die es zu entlarven gilt.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.10.2011, 12:27 Uhr
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69 Kommentare
Natürlich dürfen sie, sie müssen sogar (die Fotos vom toten Gaddafi veröffentlicht werden). Sonst heisst es nachher wieder jahrzehntelang er lebe noch irgendwo und es entstehen Mythen. Das sollte dank Transparenz hier nicht mehr sein und das ist gut. Antworten
Es ist bei solch heiklen Entscheiden vor allem wichtig, dass die verantwortlichen Journalisten ihren Entscheid metakommunikativ begründen. Das hat Peter Wälti hier in der Box m.E. gut gemacht. Das gibt dem Publikum die Möglichkeit die begründete Haltung - auch gegenüber der Leserschaft - nachzuvollziehen. Die Selbstreflexion gehört zum Artikel dazu im Sinne "lesen Sie auch die Packungsbeilage!" Antworten
Dann dürften die ganzen Hilfswerke auch nicht mehr Werbung mit verhungernden oder kranken Kindern machen, auch das sind Sterbende. Berichterstattung aus Katastrophengebieten wie Haiti zur schlimmsten Zeit wäre quasi unmöglich. Oder Hirntote die künstlich am Leben gehalten werden, darf man die noch zeigen? Es sind ja auch Sterbende (oder bereits Gestorbene, je nach Definition). Antworten
Von der Ethik her sollte man diese Bilder nicht unbedingt zeigen. Aber mit dem Zeigen der Bilder und Filme wird es für zukünftige Verschwörungstheoretiker schwierig werden später zu behaupten, dass alles nur Inszeniert und Ghadhafi untergetaucht sei. Antworten
Wer jahrelang Menschen brutal ermordet hat, hat weder Ethik noch sonst was verdient. Wer sich darüber aufregt, sollte im TV oder Internet die Finger weg lassen, wo weitaus viel brutalere Szenen gezeigt werden. Ghadhafi hat seine Richter gefunden und wer nicht hinschauen will, sollte derartige Nachrichtenerstattung nicht anschauen.
Auch keine Filme mit brutalen Szenen, statt Pressefreiheit einengen
Antworten
ICH will diese Bilder nicht sehen. Das ist doch der Punkt. Ich möchte einfach die Wahl haben, ob ich mir etwas ansehe oder nicht. Am Morgen beim Gipfelikaufen im Supermarkt hängt der blutverschmierte Gadaffi auf Augenhöhe, online beim Newslesen ist es das Erste, was einem auf der Einstiegseite anspringt. Am Abend im TV dann nochmals in Grossaufnahme. So schnell kann ich gar nicht wegzappen. Antworten
Was regt ihr alle euch so auf?? Im Internet kann man ungehemmt tausende solcher Bilder oder Videos ansehen! Und im übrigens.. ich habe absolut kein Verständnis für Menschen, welche Mitleid mit Gadhafi haben! Er hat über 40 Jahre brutal regiert und x-Menschenleben zerstört! Er hat seine gerechte Strafe erhalten! Antworten
Herr Zumbühl, "Auge um Auge, Zahn um Zahn" ist eine uralte Regel, sie erlaubt nur, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Damit wird in "primitiven" Gesellschaft die Eskalation vermieden. Leider müssen wir immer öfters in der Zeitung lesen, dass dies bei uns immer weniger der Fall ist.
Sollten wir nicht im 21sten Jahrhundert über das Kapital "Auge um Auge, Zahn um Zahn hinweg sein." Wenn wir menschenwürdiges Verhalten plädieren, sollten wir es auch leben.
und wenn wir schon davon reden: auch keine Videos (You Tube) von Mord und Totschlag, keine Video Games die nur aus Morden bestehen-
es wiedert mich täglich an in Zeitungen oder Tv , scheint alle News gehen nur darum wer wen umgebracht hat-und wenn man Verwundete und Tote zeigen kann - noch besser.
Menschen sind zu Ware geworden um Geld zu machen.
Antworten
Bis auf die NZZ zeigten dies meisten Schweizer Tageszeitungen die blutigen Gadaffi Bilder. Womit sich die grosse Zürcher Wirtschaftszeitung einmal mehr als top seriöses, auch ethischen Grundsätzen verflichtetetes Blatt manifestierte und einenen sympathischen Kontrapunkt zum reisserischen, Kassen füllenden Boulevardjournalismus setzte. Antworten
Diese Bilder zeigen uns, dass sich beide Seiten in Brutalitaet ebenbuertig sind.
Ich glaube nicht, dass in Lybien die Lage besser werden kann, wenn diese
Menschen nicht im Stande sind, sich menschlich zu benehmen, und auch nicht gleich gesinnte
respektieren und menschlich behandeln. Ich sage nicht, Ghadaffi habe das nicht verdient,
aber diese Bilder, recht oder nicht, machen alles klar.
Antworten
Die Bilder des toten Diktators sind mir noch Stunden auf dem Magen gelegen. Ob man das publizieren darf oder nicht kann wohl von niemandem im Alleingang beantwortet werden. Dies kann wohl nur im Pressekodex in mühsamen Diskussionen gelöst werden, den alle Zeitschriften einhalten müssen. Es ist dabei zu berücksichtigen dass euch auch Minderjährige zusehen was ihr da abbildet. Antworten
Danke, Herr Wälty, für die nachdenklichen Schlussworte.
Davor winden Sie sich aber unnötig: Sprechen wir doch einfach von Kriegspropaganda. Gaddhafi war erst international geächtet, NACHDEM unsere Medien so mit ihm umgegangen sind. Der Tod war da nur der Tiefpunkt.
Um das zu sehen, muss man kein Anhänger von Gaddhafi sein (die es in Libyen in grosser Zahl gab)
Antworten
Ich weiss gar nicht, hat SF das Logo auch mit einem roten Balken unterlegt, wie es sonst gemacht wird, sobald ein Fluchwort in einer Sendung auftaucht? Auch wenn nicht, es gab genügend andere Sender, wo Kleinkinder am heiterhellen Tag draufzappen konnten und den blutverschmierten Ghadhafi sehen. Das Video, wo das chinesische Mädchen überfahren wird, ist ja auch ganz leicht zugänglich... Antworten
Es gibt keine Situation, welche von elektronischen- oder Print-Medien nicht ausgenützt wird, sofern sie publizistischen Erfolg verspricht. Anschliessend werden dann in gehobener Sprache Bedenken abgehandelt.
... bis zur nächsten Gelegenheit.
Antworten
Bilder dokumentieren ein Geschehen, sie sind nicht das Geschehen selbst. Bilder bilden die Realität ab (wenn sie nicht gephotoshopt sind), sie sind deshalb wertvolle Zeugnisse. Im Falle Ghadafis zeugen sie von einer Hinrichtung. Davon hätte ohne diese Bilder niemand erfahren. Es war aber wichtig, davon zu erfahren. Es hilft diejenigen einzuschätzen, welche nun in Libyen die Macht übernommen haben. Antworten
Davon hätte ohne diese Bilder niemand erfahren ??? Echt ? Ohne Bilder erfahren wir Tatsachen nicht ? Seit wann ? Wir kennen millionenfach Fakten, ohne "die Bilder dazu gesehen zu haben". Es befriedigt einfach eine gewisse Leere, die von extremen Stimuli gerettet werden muss.
Das wertvollste Kapital unserer Gesellschaft ist die Zurückhaltung, die vom Aussterben bedroht ist. Dafür nimmt die unmittelbar Triebbefriedigung immer mehr zu. Es geht nicht um Ghadafis Würde, sondern um unsere und jener der Medien, um welche es ganz schlecht steht. Wir haben keine Wahl mehr, unseren "archaischen" Voyeurismus zu zügeln. Seit wann brauchen wir für Gelesenes visuelle Beweise? Antworten
Es zeigt doch sehr schön die Scheinheiligkeit und den absurden Versuch, die Wirkung von Bildern einzuschätzen. Im Fernsehen werden Sendungen mit Balken gekennzeichnet: Die Simpsons etwa sind nicht geeignet für Kinder unter 12 Jahren. Gleichzeitig strahlen Medien aber jede Brutalität aus: Ghaddafis Schlachtung, 9/11, usw. Es ist ein Geschäft. Nötige Bilder sind es nicht. Antworten
Der Unterschied ist, Die Fotos von Bin Laden waren nachweislich alle gefälscht. Die Leiche wurde nie gezeigt... Bin Laden, Ghadaffi und Hussein sind sowieso nicht vergleichbar bis auf die Gemeinsamkeit, erst erwünscht und vom Westen aufgebaut und im richtigen Moment entledigt zu werden.
Ist unsere Gesellschaft heutzutage so verweichlicht, dass wir wirklich mit dem Tod nicht mehr umgehen wollen oder können. Mit dem Mäntelchen von Würde und Anstand verbergen wir den Fakt, dass es uns graust Tote anzuschauen. Besser nur etwas davon lesen. So kann man sich den unangenehmen Seiten des Lebens entziehen. Vor nur 50 Jahren war es üblich eine Totenwache zu halten am offenen Sarg. Heute??? Antworten
@Szabo Ja, ich habe schon mit 10 Jahren solche Bilder am Fernseher gesehen. die Geschichte hiess Vietnamkrieg. Um genau zu sein meine ganze Kindheit (Vietnamkrieg 1958-75).
@Mohr lesen Sie einmal die NZZ aus den 50er und 60er Jahren Rubrik Unfälle und Verbrechen und Sie werden feststellen, dass die Beschreibungen und die Fotos deftiger waren.
Kann sein, dass wir verweichlichen. Aber auch vor 50 Jahren wurden Tote nicht einfach durch Strassen geschleift, damit möglichst viele gaffen konnten. Sondern man ging zur Totenwach H I N. Nicht die Toten wurden einem per Medien allzeitig ins Gesicht geschleudert.
@Tschemmer 1. Hat jede Online-Zeitung einen Link dazu publiziert, sonst hätte das die grosse Masse nicht gefunden. 2. Gehört m.E. auch Bildmaterial zur freien Meinungsäusserung 3. Sind es mehrere Personen gewesen, die Viedeos gedreht haben (was ist das für ein Punkt?) 4. natürlich nicht, ich lese keine kuriosen Gedanken von Mördern, sowas deprimiert nur und bringt Nachahmer auf gefärliche Gedanken
Erstens hat der Killer es selber publiziert, zweitens ist eine Schrift wohl absolut unter freier Meinungsaeusserung fallend und unabhaengig von den anderen Taten des Verfassers, drittens ist es eher ein Kompendium verschiedener Schreiber, die ebenfalls mit dem Taeter in diesem Fall nichts zu tun haben, und viertens, haben Sie es mal gelesen...also wissen Sie, wogegen Sie eigentlich sind?
"..scheint die Veröffentlichung des Totenbildes gerechtfertigt.." Für mich ist es immer noch ein grosser Unterschied ob ein Totenbild veröffentlicht wird, oder ob man gleich ein Video online stellt, in dem zu sehen ist wie jemand gelyncht/ermordet wird. Genauso wie ein Video in dem ein Mädchen überfahren wird oder ein Töfffahrer der übefahren wird! Dies ist nur Quotenkampf und zu verachten!! Antworten
Informationspflicht und Informationsrecht sollten um der unter Umständen wichtigen Information willen nicht eingeschränkt werden, jedoch liegt es in der Verantwortung eines Journalisten und / oder Redaktion, die in diesen Breitengraden geltenden und allgemein anerkannten ethischen "Schmerzgrenzen" nicht unnötig zu übertreten - um der vermeintlichen "Sensation" willen. Antworten
Mir ist in letzter Zeit wiederholt aufgefallen, dass auf DerBund.ch Bilder von Toten und Schwerverletzen gezeigt werden, häufig auch direkt auf der Einstiegsseite, so dass man sie gleich beim Aufschalten der Seite sieht. Zwei Beispiele von vielen sind die Bilder von Yue Yue und der an Krebs verstorbenen Albanerin. Wäre schön, wenn DerBund.ch seine eigenen Überlegungen zum Thema ernst nähme. Antworten
Man kann politische Korrektheit auch ins Absurde führen! Es ist für mich eine Genugtuung, Gadaffi tot und im Dreck zu sehen. Ich habe in Tripolis gearbeitet und sass eine Nacht im Gefängnis seiner Schergen. Er war ein Massenmörder und sozialistischer Diktator der schlimmsten Sorte. Sein Tod sollte jenen, die ihm huldigten und totalitären Gebilden nachtrauern, eine Warnung sein. Antworten
Im Grundsatz stimme ich Ihnen zu, jedoch hat meines Erachtens politische Korrektheit wenig bis nichts mit menschlichem Anstand zu tun. Dieser sollte - ebenfalls meines nicht allgemein gültigen Erachtens nach - auch einem (Un)Menschen wie Gadaffi zugesprochen werden.
ich glaube entscheidend ist wie jeder für sich damit umgehen kann. ich empfand - trotz der Vortaten von Ghadbafi - Mitleid mit ihm. Ist dies nun falsch? Vom überfahrenen Mädchen gar nicht erst zu sprechen. Aber diese Bilder entfachen in mir auch Wut, Unverständnis und den Wunsch, etwas zu ändern. Sie erfüllen bei mir somit einen Zweck.Ohne Bilder ginge man eher zur Tagesordnung über. Antworten
Ich fand die Publikation des Bildes auf der Ihrer Titelseite, in einer Weise, dass man gar nicht wählen konnte ob man es sehen wollte oder nicht, in empörender Weise geschmack- und pietätlos. Die Behauptung, dieses Bild beweise die Verbrechen Ghadaffis ist logisch aburd- es dokumentiert ein Verbrechen an seiner Person. Die Publikation des Bildes war menschenverachtend und gegen die guten Sitten. Antworten
Sich, nachdem man solche Bilder publiziert hat, die Frage zu stellen, hätten wir dies jetzt zeigen dürfen, zeugt von einer miesen Charakterlosigkeit. Die Würde eines Verstorbenen, auch wenn er zu Lebzeiten der grösste Lump war, ist nach meiner eigenen Moralvorstellung unantastbar. Solche Bilder gehören definitiv nicht an die Öffentlichkeit! Egal, ob das heute üblich ist oder nicht. Antworten
Es ist grundsätzlich verwerflich, derartiges Bildmaterial zu zeigen. Und das war es schon 1989 bei Ceauescu. Diese Bilder, ich war noch recht jung, haben sich eingebrannt.
Egal was jemand getan hat und welches "öffentliche Interesse" besteht: Er oder sie haben ein Anrecht auf einen menschenwürdigen Prozess. Und auch post mortem auf ein Stück Privatsphäre. Soviel Ethik muss auch 2011 noch sein.
Antworten
oh ich bin sooooo beruehrt. Jetzt ist jedenfalls keine Frage mehr ob Ghaddaffi tot ist oder nicht. Bei Ceaucescu war ebenfalls kein Geruecht aufgetaucht. Weshalb durfte niemand, auf geheiss des "Heiligen Barrak" sehen, ob der al'Quaida Fuehrer nicht irgendwie doch durch die Lappen ging. Es ging ja nur darum die schmelzenden Umfragewert des BHO etwas anzuheben. Zweifel sind nicht unangebracht. Antworten
Print- und Internetmedien gibt es auf der ganzen Welt. In armen und reichen Ländern, in der arabischen Welt, in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika. In den meisten Medien dieser Welt werden Tote und Sterbende tagtäglich gezeigt, oft genug sogar mit Namen. Von war für Presseräten ist denn hier die Rede? Vertretung von ein paar Europäischen und US-Amerikanischen Medien ist wenig repräsentativ. Antworten
Für mich war die Art wie die Bilder präsentiert wurden ein klares Zeichen dafür, dass wir uns langsam wieder in Richtung Mittelalter zurückentwickeln. Mit den Bildern respektvoll umzugehen wäre angemessener gewesen. Denn angesichts des Todes sind wir doch alle gleich und verdienen den gleichen Respekt. Antworten
Ja, ein respektvoller Umgang - v.a. auch in den ausländischen Medien - mit den Bildern des toten Gaddafi wäre zu wünschen gewesen. Scheinbar werden Respekt und Anstand nicht nur in Politik und Wirtschaft sondern auch im Journalismus immer mehr zur Mangelware.
Es nähme mich wunder, wie die Erklärung vom Tagi, warum die Bilder gezeigt werden, passt zum Video vom chinesischen Mädchen, welches zeigt, wie das Mädchen überfahren wird. Ich sehe mir dieses Video nicht an, aber ich finde es eine Schande, dass es zu sehen ist. Antworten
Hätte man von diesem entsetzlichen Vorfall nur lesen können, bliebe ein Umdenken bei hoffentlich vielen Menschen, die möglicherweise aufgrund dieser Bilder in Zukunft menschlicher handeln werden, aus.
Merci, Herr Berger und Herr Ebneter. Ich hatte schon Angst, ich sei alleine mit meinen "Gefühlen" diesbezüglich.
Die Erklärung passt überhaupt nicht und zeigt die Skrupel- und Gedankenlosigkeit mancher Journalisten. Sie haben völlig recht, Frau Mohr: Man hätte diese Bilder, in denen das Mädchen brutal überfahren wird, nie zeigen dürfen.
Frau Mohr, genau das gleiche ist auch mir in den Sinn gekommen. Sie haben völlig recht. Auch ich hätte gerne eine Stellungsnahme des Tages-Anzeigers.
Dem kann ich nur beipflichten. So ein Video gehört nicht in eine seriöse Tageszeitung. Es passt auch nicht zur Aussage im Artikel von wegen "öffentliche Personen" oder des "kollektives Interesse"! Sowas ist nur verwerflich!
"Die Schamgrenze ist heute eindeutig tiefer. Gegenüber Despoten wie Saddam Hussein oder Muammar al-Ghadhafi zeigt der Mensch kein Mitleid"
Warum sollte man Mitleid mit dieser Art von Leuten haben? Mitleid bekommt der, der es verdient hat. Mitleid mit Tyrannen haben, ist doch grenzdebil, dafür aber politisch korrekt.
Antworten
Wir sprechen hier nicht von Mitleid sondern von Respekt. Sind wir nicht mehr fähig Respekt zu haben, und sei es von einem Tyrannen, begeben wir uns auf direktem Wege auf selbes Niveau. Wenn jemand tot ist, ist er tot und er hat das Recht auf eine anständige Behandlung sowie ein Begräbnis wie er es sich wünscht.
Herr Roduner! Wenn Ihr Nachbar seine Frau missbraucht, heisst das dann für Sie, dass Sie das gleiche Recht haben?
Wenn die Chinesen die Umwelt verschmutzen, heisst das für Sie dass sie das auch tun dürfen?
Die Liste kann ich beliebig verlängern. Möchten sie noch ein paar Beispiele mehr?
Zuerst veröffentlichen und sich dann die Frage stellen ob es korrekt war, ist dermassen verwerflich! Ich beziehe mich nicht auf Ghadhafi sondern auf einen allgemeinen Standpunkt, welcher mit ethischen Grundsätzen unvereinbar ist. Und dass es die anderen Medien ja auch machen ist grad noch verwerflicher! Antworten
Also mir ist das auch zuviel. Sogar noch z.T. mit Video Unterstützung, fehlt nur noch die entsprechende Musik "a moment like this" oder so ähnlich. Natürlich kassieren da noch einige ab für die Bilder. Der Respekt vor jeglicher Privatsphäre ist schon lange passé. Es dauert nicht mehr lange bis "the running men" oder "death race" echt wird. Antworten
Also persönlich fand ich es richtig, dass ein Bild der Leiche veröffentlicht wurde. Erstes nimmt es den Verschwörungstheoretikern etwas Wind aus den Segeln, zweitens hat so die ganze Angelegenheit auch etwas endgültiges, insbesondere für die Lybier.
Ob es deshalb unbedingt ein "Splatter-Bild" von Affi brauchte, sei dahingestellt.
Definitiv unnötig war aber die Bilderflut, die folgte.
Antworten
Bei Ghaddafi handelt es sich ganz klar um eine Person der Zeitgeschichte, der Leben und auch Ableben von öffentlichem Interesse ist. Insbesondere auch, um Spekulationen über den Tod zu vermeiden. Welche Fotos allerdings gezeigt werden und wie oft, ist eine moarlische Frage, die leider auch von den Leserzahlen abhängig gemacht wird. Der durchschnittliche Leser ist neugierig und sensationslüstern... Antworten
"Wenn ein kollektives Interesse der Gesellschaft am Tod einer Person existiert und überwiegt..." Schockierend, und das vom Chefredaktor. Einer anderen Person den Tod zu wünschen, nachdem (!) sie ihre Macht verloren hat, ist nur barbarisch. Ghaddafi war ein Tyrann, aber insbesondere nach seiner Flucht hätte man seine Menschenwürde respektieren müssen. Antworten
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