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Hildebrand hat die Öffentlichkeit getäuscht
Von Beni Gafner, Daniel Schindler und Markus Somm. Aktualisiert am 11.01.2012 48 Kommentare
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Zurückgetreten: Der ehemalige SNB-Präsident Philipp Hildebrand. (Bild: Keystone )
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Der ehemalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, erntete für seinen Rücktritt weitherum viel Verständnis – und es wurde viel Bedauern laut. Blickt man aber genauer hin, ist Hildebrand keineswegs das Opfer einer Medien- oder Politkampagne, wie viele seiner Freunde monieren. Vielmehr hat Hildebrand in wesentlichen Punkten nicht die Wahrheit gesagt. Darum war er untragbar geworden.
Die Dokumente, welche die SNB (SNBN 1089 2.06%) veröffentlicht hat, belegen ohne jeden Zweifel: Hildebrand hat mit Aktien und Devisen spekuliert – und zwar persönlich. Er wusste, dass seine Frau unbedingt vom tiefen Kurs profitieren wollte und Dollars kaufte – und gab dazu explizit sein Einverständnis. Den Rat seines Kundenberaters, eine unabhängige Vermögensverwaltung einzusetzen, schlug er aus – er zog es vor, selbst zu spekulieren.
Prüfer hatten wenig Daten
Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PWC) waren bei der Erstellung ihres Berichts, der Hildebrand zunächst entlastet hatte, nicht im Besitz dieser jetzt öffentlich gemachten Dokumente. Auch die SNB und die Eidgenössische Finanzkontrolle hatten davon keine Kenntnisse. Dass sie sich trotz mangelhafter Faktenkenntnis vor den ehemaligen SNB-Präsidenten gestellt haben, dürfte noch zu Fragen führen. Zunehmend in die Kritik gerät vor diesem Hintergrund auch Hansueli Raggenbass, der Präsident des Bankrats der Nationalbank. Dem Thurgauer Anwalt und früheren CVP-Nationalrat wird intern zur Last gelegt, er habe den Prüfauftrag an PricewaterhouseCoopers viel zu eng gefasst, indem nur wenige Positionen auf dem Privatkonto Hildebrands zu überprüfen seien.
Raggenbass hat für die zweite, nun anberaumte Untersuchung durch eine externe Prüfungsgesellschaft die Federführung nicht mehr inne. Dasselbe gilt für die konkrete Organisation eines tragfähigen neuen Reglements für das Verhalten der Nationalbankspitze mit Insiderkenntnissen. Übernommen hat für Raggenbass Fritz Studer, der ebenfalls im Bankrat der SNB sitzt und ehemaliger Verwaltungsratspräsident der Luzerner Kantonalbank ist. Zu klären ist auch, welchen Anforderungen die Mitglieder eines zukunftstauglichen Bankrats genügen müssen.
Bankräte haben dem Bundesrat gedroht
Zwei Widersprüche haben Hildebrand am Ende wohl den Kopf gekostet. Erstens behauptete Hildebrand noch am vergangenen Donnerstag vor den Medien der Weltöffentlichkeit, seine Frau habe «ohne sein Wissen» am 15. August 2011 rund 500 000 Dollar gekauft. Erst hinterher, so beteuerte er, am 16. August, habe er von dieser Transaktion erfahren. Aufgrund des Besuchberichts (Client Contact Report), den Felix Scheuber, sein Kundenberater bei der Zürcher Filiale der Bank Sarasin, noch am gleichen 15. August angefertigt hatte, stimmt das nicht. Hildebrand hatte schon am Morgen des 15. Augusts persönlich mit Scheuber über diese Idee gesprochen. Erst danach hat seine Frau per E-Mail den Auftrag erteilt. Mit anderen Worten, Hildebrand hat am Donnerstag ohne jeden Zweifel nicht die Wahrheit gesagt.
Zweitens hat der Nationalbankpräsident immer darauf bestanden, seine Frau habe den Auftrag in eigener Regie ausgeführt, ohne sein Einverständnis. Scheubers Bericht zeigt dagegen unmissverständlich: Hildebrand hat explizit seine Frau dazu autorisiert. Auch über diesen Punkt hat Hildebrand die Schweizer Öffentlichkeit hinters Licht geführt. Was am Ende den Ausschlag gegeben hat, dass Hildebrand sich zurückgezogen hat, ist offen. Vieles deutet darauf hin, dass der Druck im Bankrat zu gross geworden war, nachdem der volle Inhalt des E-Mail-Verkehrs am Samstag allen bekannt geworden war. Laut zuverlässigen Quellen sollen sämtliche elf Bankräte dem Bundesrat gedroht haben, ihr Amt zur Verfügung zu stellen, falls Hildebrand nicht die Konsequenzen zieht. Dieser sträubte sich lange. Vielleicht hat er auch im Gespräch mit seinem Anwalt Peter Nobel erkannt, dass er mit diesen Dokumenten nie durchkommt, weil sich zu eklatante Widersprüche zu seinen bisherigen Versionen offenbarten.
Die Dokumente, die wir hier präsentieren, können hier eingesehen werden. Sie stammen von der Zürcher Anwaltskanzlei Nobel & Hug, die Hildebrand vertritt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 11.01.2012, 14:20 Uhr
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48 Kommentare
Liebe BAZ, diese Belege belegen überhaupt keine Lüge von Hildebrand. Hildebrand war als Nationalbankpräsident kompetent und hat viel Gutes für die Schweiz getan. Er hat aber auch Sachen getan, die zwar richtig waren, aber gewissen Menschen nicht gefallen haben! Und diese Menschen haben mit illegalen Mitteln einen Weg gefunden, Hildebrand zu diffamieren! Antworten
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