A380-Luftwirbel bringen Business-Jet ins Taumeln

3000 Meter Sturzflug, Totalschaden, Verletzte: Ein Schockerlebnis hatten die Passagiere einer Chartermaschine, die den Weg eines Riesenairbus kreuzten.

So heftig können Wirbelschleppen wirken: Flug einer Privatpilotin aus Kanada.
(Video: Youtube/FlightChops)

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Eigentlich ist es ein schöner Anblick, wenn man aus dem Flugzeugfenster ein anderes Flugzeug beobachten kann, das vorbeizieht. Das ging aber den Insassen einer Bombardier Challenger 604 der deutschen Charterfirma MHS Aviation nicht wirklich so, nachdem sie am 7. Januar rund 1000 Kilometer von Muscat entfernt einen Airbus A380 von Emirates erblickten. Der Superjumbo hatte ihren Flugpfad auf einer Höhe von 35'000 Fuss oder 10'700 Meter gequert. Er flog dabei 300 Meter über ihnen vorbei. Danach erlebten die Insassen des deutschen Businessjets etwas ziemlich Furchteinflössendes.

Eine Bombardier Challenger 604 von MHS Aviation mit Sitz in München. Foto: Aktug Ates (Wikimedia)

Die Piloten des gecharterten Jets, der von den Malediven nach Abu Dhabi unterwegs war, verloren die Kontrolle über das Flugzeug. Die Triebwerke des Flugzeugs fielen offenbar aus und der Jet taumelte innerhalb sehr kurzer Zeit rund 3000 Meter in die Tiefe. Erst dann gelang es den Piloten, die Kontrolle über die Challenger wiederzugewinnen, schreibt das Fachportal Aviation Herald. Der Jet sandte einen Notruf aus und landete dann in Muscat in Oman.

Flugzeug muss abgeschrieben werden

Bei dem Zwischenfall wurden mehrere der neun Insassen des kleineren Flugzeugs verletzt, einer von ihnen schwer. Er ereignete sich bereits im Januar und wird von der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU als Unfall eingestuft. Ausserdem stellte die Behörde fest, dass der Flieger so grosse Schäden erlitten hat, dass MHS Aviation ihn abschreiben muss. Einen Grund nennt die BFU nicht, aber: Der kleinere Flieger geriet sehr wahrscheinlich in die Wirbelschleppen des A380. Wie es dazu kommen konnte, ist noch unklar.

Grafik: Civil Aviation Authority of New Zealand

Wirbelschleppen – auf Englisch wake turbulence genannt – sind ein ganz normales Phänomen. Sie entstehen hinter jedem fliegenden Flugzeug. Es sind gegenläufig drehende Luftwirbel, die sich um Tragflächen und Flügelspitzen bilden. Ihre Stärke hängt vor allem vom Gewicht des Flugzeuges ab. Die Folgen für ein nachfolgendes Flugzeug reichen von Schlingern um die vertikale Achse und Rollen um die Längsachse.

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Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation Icao hat deshalb zwingende Abstände festgelegt, die hinter verschiedenen Gewichtsklassen von Fliegern eingehalten werden müssen. So muss beispielsweise ein einmotoriges Privatflugzeug 8 Seemeilen oder 14,8 Kilometer Abstand zu einem voraus fliegenden Airbus A380 halten, ein A380 darf sich einem anderen A380 höchstens auf 4 Seemeilen oder 7,4 Kilometer annähern. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR empfiehlt sogar einen Abstand von 6 Seemeilen. An Flughäfen werden Startintervalle festgelegt, damit die Wirbelschleppen startender Flieger für das folgende Flugzeug sicher abgeklungen sind.

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(lf/Aerotelegraph.com)

Erstellt: 20.03.2017, 11:00 Uhr

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