Panorama

Das kosovarische Chamäleon

Von Enver Robelli, Pristina. Aktualisiert am 15.12.2010 2 Kommentare

Behgjet Pacolli, Bauunternehmer mit Schweizer Vergangenheit, gerät in Kosovo ins Zwielicht.

Seine Geschäftsbeziehungen in Russland und Kasachstan könnten ihm zum Nachteil werden: Der kosovarische Parlamentarier Behgjet Pacolli.

Seine Geschäftsbeziehungen in Russland und Kasachstan könnten ihm zum Nachteil werden: Der kosovarische Parlamentarier Behgjet Pacolli.
Bild: Keystone

«Meine Brüder und Schwestern, ich will euch nur helfen.» Mit diesen Worten hat Behgjet Pacolli vor drei Jahren die politische Bühne Kosovos betreten. Damals verliess der Bauunternehmer und Multimillionär seine Tessiner Wahlheimat, um die Allianz Neues Kosovo zu gründen. Den Einzug ins Parlament schaffte die Partei spielend und gewann 13 Sitze. Für viele Kosovaren, die in Armut leben, galt Pacolli als reicher Onkel mit guten Absichten. Bei der Wahlkommission deklarierte er ein Vermögen von umgerechnet etwa 600 Millionen Franken.

Dennoch gelang es ihm nicht, an die Macht zu kommen. Und bei den Wahlen am Sonntag verlor Pacollis Allianz fast die Hälfte der Stimmen. Seine Versprechen, er wolle neue Arbeitsplätze schaffen, Krankenhäuser bauen und Kosovo «nach Europa bringen», verfangen nicht mehr. In der Opposition ist Pacolli in den letzten drei Jahren kaum aufgefallen. Vielmehr war er Steigbügelhalter von Ministerpräsident Hashim Thaci. Im Gegenzug durfte der umstrittene Baulöwe das abbruchfällige Pressehaus im Zentrum der Hauptstadt Pristina sanieren – für knapp 20 Millionen Franken.

Der Kosmopolit

Seine Kritiker sehen sich bestätigt: Der Kosovo-Albaner mit Schweizer Pass sei aus eigennützigen Gründen in die Politik eingestiegen, er wolle bei der Privatisierung der Staatsbetriebe mitmischen und Bauaufträge holen. Dafür braucht er Macht. Schon jetzt wird Pacolli, der vom Amt des Staatspräsidenten träumt, als künftiger Koalitionspartner von Thaci gesehen.

Im jüngsten Wahlkampf schloss er ein Bündnis mit mehreren kleinen Parteien, auch mit einer islamistischen Vereinigung. Gleichzeitig gibt sich Pacolli als Kosmopolit. Er spricht mehrere Sprachen und ist mit einer Russin verheiratet. Für die kosovarische Innenpolitik zeigt er wenig Interesse. Als selbst ernannter Nebenaussenminister reiste er in Länder wie Tuvalu, Honduras, Malediven und Libyen, um diplomatische Anerkennungen für Kosovo einzuholen. Oft ist es unklar, ob Pacolli für den Staat oder für seine Baufirma lobbyiert.

Vorwürfe von Del Ponte

Wie viele Kosovo-Albaner emigrierte Pacolli vor über drei Jahrzehnten nach Westeuropa. In Hamburg schlug er sich zuerst als Tellerwäscher durch und besuchte eine Handelsschule. Danach arbeitete er in Österreich und in der Schweiz als Verkaufsleiter. 1991 gründete er in Lugano die Baufirma Mabetex und schaffte einen kometenhaften Aufstieg in Russland: Er baute Fabriken, Kliniken, Hotels, Verwaltungsgebäude. Berühmt wurde er aber mit der Renovierung des Kremls. Das Geschäftsvolumen seiner Mabetex-Gruppe erreichte in den besten Zeiten etwa 1 Milliarde Franken pro Jahr.

Doch im Januar 1999 wurde Carla Del Ponte am Firmensitz in Lugano-Paradiso vorstellig. Die damalige Schweizer Bundesanwältin verhörte Pacolli und warf ihm vor, über ein Konto in Ungarn 1 Million Dollar an Boris Jelzin überwiesen zu haben. Zudem soll er Kreditkarten für Jelzin und dessen Töchter ausgestellt haben. Pacolli habe sich erkenntlich zeigen wollen für die Bauaufträge, die ihm aus Moskau zugespielt worden seien, hiess es. Später klagte die Genfer Justiz ihn wegen Geldwäsche an. Weiter kam sie nicht, weil die russische Justiz nichts Strafbares sehen wollte und die Ermittlungen blockierte. Seine Geschäftsbeziehungen in Russland und Kasachstan könnten für Pacollis politische Karriere in Kosovo nachteilig sein. Beide Staaten lehnen die Anerkennung der kosovarischen Unabhängigkeit ab. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.12.2010, 22:34 Uhr

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2 Kommentare

Peter Koller

15.12.2010, 15:26 Uhr
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Leute mit Blut an den Händen haben in Staatsämtern nichts verloren. Antworten


Fritz Müller

15.12.2010, 16:28 Uhr
Melden

@ Peter Koller: Wieso Blut? Hat Blocher Blut an den Händen, nur weil er Milliardär ist? Antworten



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