Panorama
Ein «normales Mädchen» namens Ruby
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«Meine Damen und Herren, kommen Sie näher, denn in wenigen Minuten wird sie hier erscheinen!» Wie auf dem Rummelplatz kündigt der grauhaarige Moderator in einem Wiener Einkaufszentrum den Stargast an: «Sie ist sehr hübsch und sehr nett, gar nicht so wie in den Zeitungen beschrieben. Und hier ist sie schon: Ruby Rubacuori!» Umringt von Leibwächtern und Kameras, tritt die 18-Jährige auf die Bühne, an ihrer Seite ihr Gastgeber, der 78-jährige Einkaufszentrumsbesitzer Richard Lugner, genannt «Mörtel». Lugner hat Ruby zum heutigen Opernball in seine Loge geladen, was ihn zumindest einen fünfstelligen Eurobetrag kostete. Und für den muss Ruby vor der Ballnacht noch Fragen der Presse beantworten und in Lugners Shoppingmall Autogramme geben.
Sie tanzt nicht Walzer
Zuerst aber bekommen die Autogrammjäger von Lugner «Rubygate» in Kurzfassung serviert: «Es gibt einen Prozess, der wird ein Jahr dauern, und es wird herauskommen, dass Ruby bei Silvio Berlusconi nur zum Essen war, nix Bunga-Bunga. Dann wird sie nach Mexiko auswandern, vorher aber noch heiraten.» Besonders viele Zuschauer sind nicht gekommen, deutlich weniger als bei Paris Hilton. Aber warum sollte man auch die Unterschrift von Ruby wollen? Sie sei jetzt halt berühmt, sagen zwei junge Männer. Das Autogramm «hängen wir aufs Klo».
Dienstagnachmittag holte Lugner die gebürtige Marokkanerin mit seinem Privatjet in Genua ab. Mittwochmittag muss sie in Wien vor der Autogrammstunde in einem Kinosaal Fragen der Presse beantworten und schlägt sich dabei wacker. Sie könne keinen Walzer tanzen, wolle sich aber trotzdem auf dem Opernball amüsieren. Sie appelliert an die Journalisten, ihr keinen Stempel aufzudrücken. Fragen zum «Bunga-Bunga»-Abend in der Villa Berlusconis werden von Lugners Aufpassern abgeblockt. Ruby antwortet trotzdem: «Ich bin kein Opfer.» Sie habe an einem Abendessen teilgenommen und von Berlusconi «nur Gutes erfahren». Die Gerüchte über 180 000 Euro von Berlusconi? Ruby lächelt: «Ich wünschte, ich hätte so viel Geld.» Nur einmal schimmert die Tragik ihrer Jugend durch, als sie auf die Frage nach ihrer Familie antwortet: «Ich bin mit 12 Jahren von zu Hause weg und habe sie nie mehr gesehen. Sie wissen nicht, dass ich auf den Opernball gehe. Das tut mir leid.»
Der Ball als «Faschingsfest»
Lugner kann mit seinem Logengast jedenfalls wieder jenen Skandal provozieren, der in den vergangenen Jahren dem Opernball fehlte. Die feine Gesellschaft ist empört, das österreichische Fernsehen weiss nicht, ob es Ruby interviewen oder ignorieren soll. Nicht ganz zu Unrecht empört sich Lugner über die «verlogene Scheinheiligkeit» und erklärt den pompösen Staatsball zum «Faschingsfest» – was ihm sicher neue Schelte einbringen wird. Ruby sagt, sie wolle den anderen Ballbesuchern Gelegenheit geben, sie besser kennen zu lernen – als «ganz normales Mädchen, das nicht das Glück hatte, behütet in einer Familie aufzuwachsen, und deshalb schneller reif werden musste». Und die Zukunft? Ruby möchte: heiraten, Familie gründen «und einfach Hausfrau sein». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.03.2011, 08:08 Uhr
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