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AF 447: Fund der Flugschreiber käme einer Sensation gleich

Aktualisiert am 17.12.2009

Heute präsentieren die französischen Ermittler ihren zweiten Bericht zum Absturz einer Maschine der Air France am Pfingstmontag. Klar ist, dass eine zweite Suche nach den Black-Boxes gestartet wird.

1/29 Das Seitenruder ist geborgen. Es soll den Ermittlern wertvolle Hinweise auf die Absturzursache liefern.
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Die französische Flugunfall-Untersuchungsbehörde (BEA) wird in ihrem Bericht zum Flug AF 447 kaum sensationelle Erkenntnisse liefern. Vielmehr wird sich der Eindruck verstärken, dass die Ermittler bei der Suche nach der Ursache für die Flugzeugtragödie, bei der vor einem halben Jahr 228 Menschen ums Leben kamen, in wesentlichen Punkten noch immer im Dunkeln tappen. Dies berichten französische Medien unter Berufung auf Personen aus dem Umfeld der BEA.

Die Ermittlungen bestätigen, dass defekte Geschwindigkeitsmesser des Airbus A330 beigetragen haben. Zwei oder drei Messsonden sollen nicht genau funktioniert oder sogar vollständig versagt haben. Die Absturzstelle im Atlantik konnte rasch recht genau geortet werden. Den Suchtruppen gelang es, etliche Wrackteile des Flugzeugs zu bergen. Jedoch wurden die Black-Boxes mit den Aufzeichnungen der Flugdaten und des Funkverkehrs nicht ausfindig gemacht. Ohne die Flugschreiber kann die Ursache des Unglücks vom 1. Juni möglicherweise nie geklärt werden.

Neue Sucharbeiten ab Februar 2010

Gemäss den Medienberichten unternehmen nun die Ermittler einen neuen Anlauf, um die Black-Boxes zu finden. Gleichzeitig wollen sie nach weiteren Wrackteilen der Air-France-Maschine suchen. Für die Sucharbeiten mit Spezialschiffen und einem U-Boot sind drei Monaten veranschlagt. Die Arbeiten sollen im Februar 2010 beginnen. Für die neue Unterwassersuche im kommenden Jahr wurden die bislang vorliegenden Funde ausgewertet und zusätzliche Berechnungen zu den Meeresströmungen und zur Topographie am Meeresgrund angestellt. Bei den kommenden Bergungsarbeiten können die Franzosen auf die Hilfe der USA - sowohl der Flugunfall-Untersuchungsbehörde als auch der Marine - zählen. Dazu kommen Experten mehrerer Länder.

Der Fund der Flugschreiber käme einer Sensation gleich. Einerseits ist das Gebiet, wo diese möglicherweise liegen, mehrere Quadratkilometer gross. Andererseits senden die Geräte längst keine Signale mehr (dies war nur etwa 30 Tage lang der Fall). Dazu kommt, dass das Meer an der Absturzstelle 3000 bis 5000 Meter tief ist.

Simulation der originalen Flugzeugelektronik

Ein deutscher Experte äussert sich skeptisch: «Auch wenn man die Flugschreiber finden sollte, wird man jedoch immer noch kein genaues Bild darüber erhalten, wie das Unglück passiert ist. Denn der Rekorder zeichnet nur den Wert einer Messsonde auf», sagt Gerhard Hüttig, Professor für Flugführung an der TU Berlin, in einem Interview mit der deutschen Zeitschrift «Stern». Eine notwenige Untersuchung wäre laut Hütting eine Simulation der originalen Flugzeugelektronik. Damit könnten verschiedene Ausfallszenarien durchgespielt werden: Was passiert, wenn ein, zwei oder drei Geschwindigkeitssensoren unterschiedliche Werte liefern? Wie verhält sich dann der Bordcomputer, was macht der Luftdatenrechner, wie sind die Anzeigen im Cockpit? Ob die französische Flugunfall-Untersuchungsbehörde solche Analysen machte, ist noch unbekannt.

Der französische Airbus A330 stürzte in der Nacht zum 1. Juni nach dem Start in Rio de Janeiro mit Ziel Paris vor der Nordostküste von Brasilien ins Meer. Dabei kamen alle 228 Menschen an Bord ums Leben. Unter den Opfern waren drei Schweizer. (vin)

Erstellt: 17.12.2009, 12:29 Uhr

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