Panorama

Aufgeflogener Hanfbauer protzte im Dorf mit Geld

Von Benno Gasser, Raperswilen TG. Aktualisiert am 31.01.2009

Eine grosszügige Spende und ein schickes Auto: Der verhaftete Thurgauer Hanfbauer hat sein Vermögen nicht verborgen.

Google Earth hat es verraten: Hanffeld in Raperswilen.

Google Earth hat es verraten: Hanffeld in Raperswilen.

Nur das Läuten von Kuhglocken und Vogelgezwitscher sind im kleinen Dorf Raperswilen nahe Frauenfeld zu hören. Ein Pferd trabt mit seiner Reiterin durch die leeren Strassen. Nichts trübt die ländliche Idylle. Kaum zu glauben, dass in diesem verschlafenen Ort ein Cannabis-Produzent wohnt, der mindestens 1,5 Tonnen Hanf produziert haben soll. Die Kantonspolizei Zürich, die sich mit dem Fall beschäftigt, spricht von einer aussergewöhnlichen Menge.

Auf die Hanfplantage des Bauern H. G. wurde die Polizei dank Satellitenbildern von Google Earth aufmerksam. Auf den Luftaufnahmen waren die 1600 Cannabis-Pflanzen deutlich zu sehen. Für Passanten blieben sie allerdings verborgen, da sie von einem Maisfeld umgeben waren. Von den Pflanzen ist nun nichts mehr zu sehen. Das Feld wurde umgepflügt.

Der Hof des 42-jährigen Hanfbauern liegt ein paar Hundert Meter vom Dorfkern entfernt. Das grosse Haus mit seiner Holz-Stein-Fassade steht direkt an der Strasse. Hinter einem Rüschenvorhang späht jemand argwöhnisch durchs Fenster. Nur eine Heuschleuder steht in der Einfahrt; Autos sind keine zu sehen. Seit die Polizei H. G. aus der Untersuchungshaft entlassen hat, lebt er wieder auf seinem Hof. Äussern will er sich gegenüber dem TA nicht.

Handelsbetrieb als Tarnung

Dafür sind seine Nachbarn gesprächiger. Ihn erstaune weder der Fall noch dessen Dimension, sagt ein Heizungsmonteur, der H. G. persönlich kennt: «Ich habe mich immer gewundert, wie er sein schönes Auto und sein Leben finanziert, obwohl er praktisch keine Landwirtschaft betreibt», sagt der Monteur. Das Geschäft mit Landwirtschaftsmaschinen, das der Hanfbauer nebenbei führte, habe wohl nur als Tarnung gedient. Im Haus von H. G. will der Monteur auch eine Indoor-Marihuana-Plantage gesehen haben. In Raperswilen wissen die meisten der rund 300 Einwohner, dass H. G. Ende 2008 nach einer USA-Reise direkt am Flughafen verhaftet worden war.

Eine Wirtin, die die Beschlagnahmung des Hanfs in Raperswilen miterlebte, will wissen, dass der Hanfbauer auch mit Kokain handelte. Sie sei verblüfft gewesen, als er 100 000 Franken für eine geplante Traktoren-Ausstellung spenden wollte.

Familie lebte zurückgezogen

«Mir tut vor allem die Familie dieses Mannes leid. Seine Frau und seine Kinder müssen seinetwegen viel Negatives durchmachen. Ich bin vehement gegen solche Drogen», sagt eine Bäuerin, die 10 Gehminuten vom Haus des Hanfbauern entfernt wohnt. Die Familie sei im Dorf nie negativ aufgefallen und habe immer etwas zurückgezogen gelebt. Allfällige Hanftransporte wären der Bäuerin auch nicht aufgefallen, da in der Region viel Industriehanf angepflanzt wird.

Hansjörg Walter (SVP), Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, hat gar keine Freude an diesem neuen Hanfbauern-Fall seines Heimkantons. «Das ist schlecht für das Image des Thurgaus.» Marihuana sei aber ein gesamtschweizerisches Problem. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.01.2009, 08:19 Uhr

Panorama

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Welche Eigenschaft macht am ehesten einen guten Lehrer aus?






Umfrage

Was halten Sie von der Audioqualität der digitalen Musik?




Umfrage

Wie stehen Sie zu Schönheitsoperationen?




Agenda