Beim Backpacken getötet

Zwei junge Frauen wollen mit dem Rucksack die Welt entdecken und bezahlen mit dem Leben. Der tragische Fall hat eine Debatte über die Grenzen weiblicher Selbstbestimmung losgetreten.

Wollten Südamerika entdecken: Marina Menegazzo und María Coni. (Bild: www.buzzfeed.com/Facebook)

Wollten Südamerika entdecken: Marina Menegazzo und María Coni. (Bild: www.buzzfeed.com/Facebook)

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Soll eine junge Frau alleine die Welt entdecken dürfen? Wenn ihr etwas zustösst, ist sie dann selbst schuld? Braucht sie einen Mann als schützenden Begleiter? Fragen, die der Fall zweier Rucksacktouristinnen aus Argentinien aufwirft, die ihre Abenteuerlust und ihren Wunsch nach Unabhängigkeit mit dem Leben bezahlten. María Coni (22) und Marina Menegazzo (21) waren im Januar aus dem argentinischen Mendoza zu einer Reise durch Südamerika aufgebrochen.

Am 22. Februar wurden sie als vermisst gemeldet, zwei Tage später tot am Strand gefunden; in einem Plastiksack, erstochen. Offenbar war den beiden im ecuadorianischen Surferspot Montañita, berühmt-berüchtigt als Party-Provinznest, das Geld ausgegangen, wie BBC schreibt. Unter dem Vorwand, ihnen eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten, hätten zwei Männer die beiden zu sich nach Hause gelockt und noch in derselben Nacht getötet. Zwei Verdächtige sollen die Tat bereits gestanden haben.

«Wie warst du angezogen?»

Ein erschütternder Vorfall, der wohl dennoch keine Schlagzeilen gemacht hätte ohne die paraguayische Studentin Guadalupe Acosta. Vor rund zwei Wochen postete diese auf Facebook einen Brief aus der Perspektive der beiden Opfer. «Ayer me mataron», beginnt sie, «gestern wurde ich umgebracht. [...] Aber schlimmer als der Tod war die Demütigung danach.» Anstatt zu fragen, wer der «Hurensohn» gewesen sei, der ihrem Leben ein Ende gesetzt habe, hätten alle das Verhalten der beiden ermordeten jungen Frauen hinterfragt. «Wie warst du angezogen?», «Warum warst du allein unterwegs?», «Weshalb geht eine Frau alleine auf Reisen?», «Du hast dich in ein gefährliches Viertel gewagt, was hast du erwartet?»

Ayer me mataron.Me negué a que me tocaran y con un palo me reventaron el cráneo. Me metieron una cuchillada y dejaron...

Posted by Guadalupe Acosta on Dienstag, 1. März 2016

(Hier gehts zur englischen Übersetzung)

Acosta prangert die Ungleichbehandlung zwischen Mann und Frau an: Wären zwei junge Männer umgebracht worden, schreibt sie, so hätte das Mitgefühl keine Grenzen gehabt. Doch seien zwei Frauen die Opfer, suche man den Fehler bei ihnen, weil sie das Verbrechen selbst provoziert hätten in ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit. Der Facebook-Beitrag löste eine Debatte aus, südamerikanische Journalisten pflichteten Acosta bei, beklagten die «unsichtbaren Barrieren», mit denen sich Frauen konfrontiert sähen in der unausgesprochenen Aufforderung, dass sie gewisse Dinge zu unterlassen hätten, die für Männer selbstverständlich seien. Zum Buhmann wurde ein prominenter argentinischer Psychiater, der die Frage aufwarf, weshalb die beiden Frauen ein derart hohes Risiko auf sich genommen hätten.

Acostas Post wurde bis heute über 700'000-mal geteilt, die Debatte geht in den sozialen Netzwerken weiter. Unter dem Hashtag #viajosola («Ich reise allein») twittern Dutzende Frauen, weshalb sie ihr Recht, alleine zu reisen, nicht aufgeben wollen.

(thu)

Erstellt: 14.03.2016, 20:13 Uhr

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