Panorama
Berner Pinkel-Touristen in Basel?
Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 02.05.2011 14 Kommentare
Jede Benutzung des Pissoirs wird mit 1.75 Franken verrechnet: Öffentliches WC am Bahnhof Basel. (Bild: PD)
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Jeder Hobby-Biertrinker weiss: Was oben reinkommt, muss unten wieder raus. Irgendwann. Während der Gang auf die Toilette den Hobby-Biertrinker nur temporär vor Herausforderungen zu stellen mag, wird die Suche nach geeigneten Orten fürs Wasserlassen für diejenigen, die das Hobby zum Beruf gemacht haben – gemeinhin als Randständige bezeichnet – schnell zur Lebensaufgabe. Insbesondere für diejenigen, die sich zur Ausübung ihrer Trinktätigkeit aus Gewohnheit und weil sie die Geschäftigkeit der anderen mögen, vor Bahnhöfen wie in Basel oder Bern niederlassen.
Dort sind seit längerer Zeit keine öffentlichen Toiletten mehr vorhanden, diejenigen der umliegenden Geschäfte oder Restaurants dürfen sie ohne teure Konsumation nicht benutzen, und wegen der Bahnhofplatzsanierungen sind auch keine Büsche oder dergleichen mehr vorhanden, wo sich bequem Wasser abschlagen liesse.
Das Pinkel-GA
Aus diesem Grund wird den vor dem Basler Bahnhof ansässigen Randständigen vom Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter nach vorgängiger Überprüfung der Trageberechtigung ein sogenannter Pisspass ausgestellt. Dieser, versehen mit Namen und Foto des Inhabers, laminiert und nicht übertragbar, berechtigt zum unbeschränkten und kostenlosen Gebrauch der ansonsten kostenpflichtigen Toiletten von McClean. Bei jeder Benutzung des Pissoirs durch einen Passträger verrechnet McClean dem Verein Schwarzer Peter 1.75 Franken, in der Summe zahlbar jeweils zu Jahresende.
Das Angebot, das die Randständigen seit fünf Jahren in Anspruch nehmen können, hat sich bewährt. Offenbar zu gut bewährt. Beliefen sich die Rechnungen von McClean an Schwarzer Peter bis 2008 jährlich auf stabile 500 bis 600 Franken, erhöhte sich dieser Betrag 2009 bereits auf 1000 Franken. Im Jahr 2010 verdreifachte sich der Pisszoll gar auf 3100 Franken. Ein Betrag, den Schwarzer Peter nicht mehr aufbringen kann.
Die Gründe für diese Zunahme liegen im Dunkeln. Gemäss dem Pisspass-Verantwortlichen bei Schwarzer Peter, Michel Steiner, seien 2010 nicht signifikant mehr Pisspässe ausgestellt worden. Mittlerweile seien es insgesamt 150. Regelmässig benutzt würden seines Wissens 20 bis 30 Stück. Das sei indes schon immer so gewesen. Die Anzahl der WC-Gänger habe also nicht zugenommen.
Auch die These, dass mehr oder aggressiveres Bier getrunken wird, fällt nach Konsultation der Verkaufsstatistiken der vis-à-vis dem Randständigentreffpunkt gelegenen Coop-Filiale in sich zusammen. Die Bierabsätze aller Marken seien 2010 stabil gewesen, auch temporäre Ausreisser nach oben oder nach unten habe es nicht gegeben, teilt die Coop-Pressestelle auf Anfrage freundlicherweise mit.
Die unbekannten WC-Benutzer
Bleibt der schlimme Verdacht, dass Fremdpinkler aus Bern ihre WC-Ausweise in Basel benutzen. In Bern stellt die Fachstelle Pinto den Randständigen ein Pendant zum Basler Pisspass aus. Reisen am Ende Berner Pissoirtouristen mit ihren WC-Ausweisen nach Basel, um die dortige Filiale von McClean zu beschauen? Nicht möglich, meint ein Basler Pisspass-Besitzer. Auch wenn sie am Ende für die Pissoirkosten nicht direkt geradestehen müssten, duldeten sie aus prinzipiell-lokalpatriotischen Gründen keinen Berner Brunz in ihrem baslerischen Pissparadies. Was man den Berner Brünzlern via einen vertrauenswürdigen Pendler zwischen Basel und Bern sicherheitshalber regelmässig ausrichten lasse.
Da weder die Nachforschungen des Vereins Schwarzer Peter noch diejenigen des TA etwas ergeben haben, bleiben die Gründe für die steigenden Pisskosten der Berufstrinker weiterhin im Dunkeln – und eine Kostenreduktion somit unmöglich.
Der Verein Schwarzer Peter ersucht nun die Nicht- und Hobbytrinker, mit ihren fortgeschrittenen Kollegen solidarisch zu sein und für den Pisspass zu spenden. Ein solcher kostet 50 Franken. Spenden sind erbeten an BKB, Kontonummer 16 545.784.06, Vermerk: Pisspass. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.05.2011, 08:23 Uhr
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14 Kommentare
1.75 zum 1x pissen - soviel Kosten kann das gar nicht verursachen.
McClean hat ja Wucherpreise.
0.50 stehen, 1.- sitzen wäre wohl so das vernünftige Limit.
Und wenn McClean anständig wäre, würden sie den Randständigen SELBST einen Pass geben.
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