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Blutregen am Nachthimmel
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Transatlantikrouten
Wegen der Aschewolken wird am Freitag nach Einschätzung der europäischen Flugsicherung nur jeder zweite Transatlantikflug stattfinden können. Eine Sprecherin von Eurocontrol in Brüssel, Kyla Evans, sagte am Donnerstagabend: «Wir erwarten, dass wegen der Aschewolke 50 Prozent der Transatlantikflüge abgesagt werden». Die Lage im europäischen Luftverkehr selbst werde «nicht besser sein als am Donnerstag.»
Grossbritannien, Deutschland und Nordeuropa sind besonders betroffen von den Folgen des Vulkanausbruchs. Für Fluggäste in diesem Raum geht praktisch gar nichts mehr. Staunen dürfen dafür die Fans von Wetterphänomenen. In Deutschland fiel bereits der Begriff «Blutregen». Was so spektakulär tönt, ist ganz einfach eine Staubwolke, welche die Sonnenuntergänge tiefrot zu färben vermag. Rostfarbene Staubpartikel schweben herab. «Im Norden dürfte der Himmel in den nächsten Tagen milchig schimmern», schreibt «Spiegel»-Online. Später schimmern die Partikel dann auf Autodächern. Ein Stück Island also, angekommen in Zentraleuropa.
«Wir kennen den Begriff des Blutregens auch vom Saharastaub», sagt Felix Baum von Meteonews auf Anfrage. Das könne eine rötliche Farbe am Abendhimmel verursachen. Kommt nun der Blutregen auch in der Schweiz? Dass der isländische Staub auch unsere Region erreichen wird, sei klar, so Baum. Das werde aber in stark verdünnter Form der Fall sein.
Zwischenfälle mit Boeing 747
Für die Flugzeuge sind die Staubpartikel in konzentrierter Form gefährlich. Die Partikel können die Triebwerke und die Aussenhaut der Flugzeuge beschädigen. Ausserdem behindern sie die Sicht der Piloten. In den 80er Jahren flog eine 747 der British Airways in eine Staubwolke und die feinen Körner wirkten wie Schleifpapier auf die Cockpitscheiben und machten sie blind. Der Pilot musste aus einem Seitenfenster schauen, um sicher zu landen.
Zudem kann die Asche nach Einschätzung von Handwerg in den Turbinen zu Verbrennungsstörungen und somit zu Triebwerkausfällen führen. So geschehen 1989. Als eine Boeing 747 der KLM Royal Dutch Airlines in eine Aschewolke des Vulkans Redoubt in Alaska flog, fielen alle Triebwerke aus. Die Maschine sank von 7500 Metern Höhe auf 3600 Meter, bis die Crew die Motoren endlich wieder starten konnte. Das Flugzeug konnte sicher gelandet werden.
Gesundheitsrisiko
Doch nicht nur für den Luftverkehr stellt die Vulkanasche eine Gefährdung dar. Die britische Gesundheitsbehörde mahnte am Donnerstagabend insbesondere Menschen mit Atemwegserkrankungen zur Vorsicht. Schwere Schädigungen seien nicht zu erwarten. Die Aschepartikel könnten bei entsprechender Vorbelastung aber zu Irritationen führen, hiess es. Auch in Schottland wurde die Bevölkerung zur Vorsicht gemahnt.
Die gewaltige Aschewolke aus dem Vulkan Eyjafjallajökull hat den Luftverkehr im gesamten nördlichen Europa am Donnerstag ausgebremst wie kein Ereignis seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Der Luftraum Grossbritanniens, Irlands, Belgiens, Dänemarks, Schwedens und Norwegens wurde gesperrt. Der grösste europäische Flughafen, London-Heathrow, machte komplett dicht, ebenso Airports in Frankreich sowie in Brüssel und Kopenhagen. Zehntausende Passagiere sassen fest. (cpm)
Erstellt: 16.04.2010, 07:54 Uhr
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