Panorama

Bodyguards müssen Duisburger Bürgermeister schützen

Aktualisiert am 26.07.2010

Als sich Adolf Sauerland nach der tödlichen Loveparade-Panik am Sonntagabend der Unglückstelle nähern will, kommt es zum Eklat.

Aufgebrachte Menge geht auf Politiker los: Bürgermeister Adolf Sauerland muss beschützt werden.

Aufgebrachte Menge geht auf Politiker los: Bürgermeister Adolf Sauerland muss beschützt werden.
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Tragödie an der Loveparade

Tragödie an der Loveparade
Die Loveparade 2010 ist von einer beispiellosen Tragödie überschattet worden: Bei einer Massenpanik rund um das Veranstaltungsgelände gab es am späten Samstagnachmittag 21 Tote und über 300 Verletzte.

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Massenpaniken in Europa

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Eine Massenpanik wie am Rande der Loveparade in Duisburg sind bei Veranstaltungen in Europa relativ selten, kommt aber immer wieder vor.

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Bei der Unglücksstelle in und um den Tunnel, der als zentraler Zugang zu dem Partygelände am alten Duisburger Güterbahnhof diente, trauern am Sonntagabend laut «Bild»-Zeitung rund 120 Personen. Sie diskutieren leise und legen Blumen nieder für die 19 Todesopfer, die in der Massenpanik am Samstag ums Leben gekommen sind.

Auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (55) will sich zu ihnen gesellen. Doch davon sind die anwesenden Personen alles andere als begeistert. Denn der Politiker steht im Verdacht, in Sachen Sicherheit Konzessionen gemacht zu haben, damit der Event mit über einer Million Teilnehmern überhaupt durchgeführt werden konnte.

«Altar der Spassgesellschaft»

Rainer Wendt, der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, kritisierte Sauerland heftig. Bei ihm liege die eigentliche Schuld, ist er überzeugt. «Offenbar wollte Sauerland nicht als Spassbremse verschrien werden», vermutet der Polizist. Andere in den deutschen Medien zitierte Experten teilen die Meinung, dass die Sicherheit «auf dem Altar der Spassgesellschaft geopfert worden» sei.

Zurück zu Sauerlands Besuch im Tunnel bei den Trauernden. Diese werfen ihm heftige Beschimpfungen an den Kopf. «Dir gings es ja nur um die Kohle», wird gerufen. Oder: «Du geldgeiler Idiot, du hast gewusst, dass das passiert.» Ein Mann wirft laut «Bild» Müll auf den Mann.

Schmährufe begleiten seinen Abgang

Fünf Bodyguards müssen den Bürgermeister vor den aufgebrachten Menschen schützen. Zerren ihn in Richtung Dienst-Mercedes. Ein Medienpulk stürzt hinterher. Rückwärts fährt der Politiker davon. Schmährufe begleiten seinen Abgang.

Adolf Sauerland (CDU) schliesst denn auch seinen Rücktritt nicht aus, wie am Montag bekannt wurde. «Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen, das steht ausser Frage», sagte er im Radiosender WDR2. Doch zunächst müsse es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten. «Und wenn wir wissen, was da passiert ist, dann werden wir auch diese Frage beantworten. Das verspreche ich», sagte Sauerland zu den an ihn gerichteten Rücktrittsforderungen.

Offenbar «alles gegeben»

Sauerland sagte, er sei nach wie vor zutiefst betroffen und bestürzt. Gleichzeitig zeigte er Verständnis dafür, dass er bei einem Besuch des Unglücksorts am Sonntag von Trauernden körperlich attackiert wurde. «Da waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben. Das verstehe ich.» Dennoch verteidigte Sauerland auch die Verantwortlichen der Stadt Duisburg. «Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort zu sein, dafür haben wir gearbeitet, dafür haben wir gekämpft.»

Der Oberbürgermeister kündigte an, dass noch im Laufe des Montags ein Kondolenzbuch ausgelegt werden soll. Ausserdem stehe die Stadt in Verbindung zu den Duisburger Kirchen, um eine Trauerfeier vorzubereiten.

Erstellt: 26.07.2010, 08:39 Uhr

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