Castor-Protest eskaliert

Aktualisiert am 24.11.2011 10 Kommentare

Der Atommülltransport stösst in Norddeutschland auf erbitterten Widerstand. Die Polizei geht unzimperlich gegen die Aktivisten vor. Mehrere wurden verletzt.

1/14 Trotz heftiger Proteste erreichte der Transport sein Ziel in Gorleben: Polizei setzten Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. (28. November 2011)
Bild: AFP

   

Heikler und umstrittener Transport: Der Castor unterwegs nach Gorleben. (Video: Reuters)

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Die Strecke des Castortransports bis zum Atommüll-Zwischenlager Gorleben. (Bild: Keystone )

Der Castorbehälter

Der Castor ist ein Spezialcontainer für Transport und Aufbewahrung von Atommüll. Der bei dem aktuellen Transport verwendete rote Castor HAW 28M kann im Vergleich zu älteren Typen stärker Wärme entwickelnde Abfälle aufnehmen. In beladenem Zustand wiegt der Behälter aus Gusseisen und Stahl laut GNS rund 120 Tonnen. Ein Castor fasst 28 Glaskokillen – Stahlzylinder, die in Glas eingeschmolzene hoch radioaktive Stoffe aus der Wiederaufbereitung enthalten.

Die im Innern bis zu 400 Grad heissen Castoren leiten Wärme über Kühlrippen nach aussen. Kunststoffstäbe in den Wänden schirmen Strahlung ab. Sie müssen einen Sturz aus neun Metern Höhe und einen Brand mit 1200 Grad Hitze überstehen können. Im Zwischenlager Gorleben stehen 89 Castoren und 13 Atommüllbehälter anderer Hersteller. Durch den aktuellen Transport von 11 weiteren Castoren erhöht sich die Zahl der Behälter mit hoch radioaktivem Müll auf 113. (DAPD)

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Gegen Castortransporte: Anti-AKW-Aktivisten sind bereits seit Dienstagabend in Valognes. (Bild: Keystone )

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Die Proteste gegen den Castor-Transport sind heute Abend erstmals eskaliert. Die Polizei setzte gegen mehrere hundert Umweltschützer im Wendland Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Mehrere Demonstranten wurden dabei verletzt. Das berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dapd vom Ort des Geschehens. Demnach hätten die Castor-Gegner wiederum Knallkörper eingesetzt.

Die Polizei bestätigte zunächst nur den Einsatz von Wasserwerfern. Ein Sprecher des Polizei-Presseteams «Castor» in Lüneburg sagte auf dapd-Anfrage, die Beamten seien auf einer Kreuzung der B 216 bei Metzingen nach einer Kundgebung mit Feuerwerkskörpern und Farbbeuteln attackiert worden.

Zu der Kundgebung hatte die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg aufgerufen. Nach Polizeiangaben hätten zuletzt bis zu 600 Demonstranten die Kreuzung bei Metzingen blockiert.

«Die französische Bevölkerung ist endlich aufgewacht»

Bereits am Mittwochabend konnte der Castor-Transport nach heftigen Protesten erst mit gut zweistündiger Verspätung seine Reise vom französischen La Hague nach Gorleben antreten. Kurz nach dem Start des Konvois musste der Zug wenige hundert Meter vom Abfahrtsbahnhof entfernt vorübergehend stoppen.

Etwa fünfhundert Personen hatten seit den frühen Morgenstunden versucht, die Abfahrt des Zuges zu verhindern. Am Morgen entfernten sie die Steine rund um die Schienen und verbogen ein Gleis. Ein Polizeiwagen ging in Flammen auf. Die Sicherheitskräfte versuchten, mit Tränengas und Schockgranaten die Demonstranten zurückzudrängen.

Der Anti-Atom-Organisation «Sortir du nucléaire» zufolge wurden zwei Personen von Gummigeschossen der Polizei verletzt, eine weitere musste mit einer Verletzung an der Augenbraue in ein Krankenhaus gebracht werden. Insgesamt seien zwölf Aktivisten fest genommen worden.

«Wir wollen eine Debatte über die Gefahren der Atomkraft anregen», sagte Laura Hameaux von «Sortir du nucléaire». Auch wenn dieser Castor-Transport der letzte von La Hague nach Deutschland ist – Frankreich bleibt weltweit das Land mit der höchsten AKW-Dichte. Nach der nuklearen Katastrophe im japanischen Fukushima wächst allerdings auch hier der Widerstand. «Die französische Bevölkerung ist endlich aufgewacht», sagte Laura Hameaux. Die Aktivisten kündigten weitere Störungen entlang der Strecke an.

«Tschernobyl auf Reisen»

Auch die Mitarbeiter der französischen Bahn SNCF wehren sich zunehmend «gegen den gefährlichen Job beim Tschernobyl auf Reisen», so Philippe Guiter, Generalsekretär der Gewerkschaft Sud Rail. So hätten sich dieses Mal wie schon bei vergangenen Transporten Fahrer geweigert, die Castor-Züge zu steuern, daraufhin seien Führungskräfte eingesprungen.

Der Transport hätte niemals los fahren dürfen«, sagte Guiter der Nachrichtenagentur dapd. Es seien noch viel zu viele Demonstranten auf den Schienen unterwegs. »Wenn es nun zu Verletzten kommt, muss sich der Bahn-Konzern SNCF dafür verantworten.«

Französische Aktivisten wollten den Zug auf seiner weiteren Route bis zur deutschen Grenze begleiten. In verschiedenen Städten fanden noch am Mittwochabend kleinere Demonstrationen statt. Mit der bisherigen Verspätung von rund zwei Stunden wird der Zug nun je nach Streckenführung Deutschland nach dem bisherigen Plan der SNCF gegen 12.45 Uhr in Forbach, um 14.30 Uhr in Kehl oder um 15.10 Uhr in Lauterburg erreichen. (jak/bru/mrs/dapd)

Erstellt: 24.11.2011, 20:42 Uhr

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10 Kommentare

Peter Sager

23.11.2011, 17:53 Uhr
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Atomkraftwerke teilen schon lange die Gesellschaft. Frankreich hat die Chance falls sie Grün und Sozialistisch wählen geht Fessenheim sofort vom Netz und weitere 25 Werke gehen bis 2020 vom Netz.
Atom wird die Gesellschaft immer teilen da die Mächtigen Atom wollen und die Anderen keine Alternativen dazu haben.
Antworten


Patrick Le Cloarec

23.11.2011, 20:38 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Herr Sager, zur 95% ist Frankreich von Atomenergie abhängig. Wieso will ein SP-Narr wie Hollande, Franzosen in die Irre führen? Bloss um eigenen Machtgier wie Mitterand zu pflegen? ...Es stünden schweren Zeiten für Frankreich. ...Deutschland und England folgen. ...Ist die Schweiz, bzw Basel nicht von Atomstrom und Fessenheim abhängig? ... Dies wäre mich aber neu! Antworten



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