Panorama
Chaos und Verzweiflung in Chile
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Nach dem verheerenden Erdbeben in Chile mit mehreren hundert Toten haben Rettungsteams am Sonntag nach Verschütteten und Überlebenden gesucht. Zwei Millionen Menschen seien von der Katastrophe betroffen, sagte Chiles Präsidentin Michelle Bachelet in einer Fernsehansprache.
Bachelet rief für sechs der 15 Regionen des Landes den Katastrophenzustand aus. Angesichts sich ausweitender Plünderungen von Geschäften erklärte sie zudem für 30 Tage den Ausnahmezustand in den besonders betroffenen Regionen Maule und Bío Bío. Für die Stadt Concepción wurde bis auf weiteres eine nächtliche Ausgangssperre angeordnet. Verteidigungsminister Francisco Vidal kündigte die Entsendung von 10'000 Soldaten an, um die öffentliche Sicherheit zu gewähren.
Über das wahre Ausmass der Katastrophe seien zunächst noch keine genauen Angaben möglich, hiess es weiter. Nach amtlichen Informationen kamen durch das Erdbeben der Stärke 8,8 mindestens 708 Menschen ums Leben. Doch war am Sonntag bereits absehbar, dass die Zahl der Todesopfer noch drastisch steigen wird.
Verwüstungen im ganzen Land
In manchen Orten in der Nähe des Epizentrums wurden bis zu 95 Prozent der Häuser zerstört. Im gesamten Land brachen Wasser-, Strom- und Telefonleitungen zusammen. Auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt Santiago entstanden erhebliche Sachschäden. Am Sonntag landete erstmals seit dem Erdbeben wieder eine Passagiermaschine.
Das Beben, dem zahlreiche schwere Nachbeben folgten, ereignete sich am Samstagmorgen um 3.34 Ortszeit (7.34 Uhr MEZ). Das Epizentrum lag etwa 325 Kilometer südwestlich von Santiago im Pazifik. Die Verbindung zu der am schwer getroffenen, etwa 100 Kilometer vom Epizentrum entfernten Küstenregion rings um die 400'000-Einwohner-Stadt Concepción gestaltete sich schwierig.
Ein Wettlauf mit der Zeit
Dort lieferten sich die Rettungsmannschaften einen Wettlauf mit der Zeit. Bei dem Beben war ein Wohnhaus mit 14 Stockwerken in zwei Teile zerbrochen. Nach einem Bericht der Zeitung «La Tercera» wurden bis zum späten Abend etwa 30 Menschen lebend aus den Trümmern befreit, 60 Menschen seien noch im Komplex gefangen, der jederzeit einstürzen könnte.
Tsunami-Alarm im Pazifik
Das gewaltige Erdbeben löste zudem im Pazifik eine Flutwelle aus: Für nahezu die gesamte Pazifik-Region wurde Tsunami-Alarm gegeben. In Hawaii, Japan und Russland blieben die befürchteten Riesenwellen aber aus. In Chile verschlimmerten die Wassermassen das Elend jedoch noch weiter.
Schlimm traf es vor allem die südwestlich gelegenen Küstengebiete der Region Maule: Nach dem Erdbeben brach am Samstagmorgen eine 2,3 Meter hohe Flutwelle über die 250 Kilometer von Curicó entfernte Hafenstadt Talcahuano herein.
Im näher an Curicó gelegenen Badeort Yloca richtete die Flutwelle verheerende Schäden an. «Der Ozean flutete die Häuser. Die Menschen rannten um ihr Leben in höher gelegene Gebiete», beschreibt Sergio Figueroa vom örtlichen Zivilschutz die Katastrophe. Auf der Pazifik- Insel Robinson Crusoe rissen die Wassermassen mehrere Menschen fort und richteten schwere Zerstörungen an.
Hilfe aus der ganzen Welt
Die Europäische Union, die Vereinten Nationen, die USA und mehrere Nachbarländer boten dem südamerikanischen Land Unterstützung an. «Die Uno, insbesondere der Nothilfekoordinator, stehen bereit», sagte Generalsekretär Ban Ki-moon in New York.
Auch die Schweiz hilft: Die Humanitäre Hilfe des Bundes schickte Experten in das Katastrophengebiet. Das Erkundungsteam bestehe aus Leuten, die bereits in Südamerika stationiert seien, sagte EDA-Sprecher Erik Reumann am Samstag. (raa/ddp)
Erstellt: 01.03.2010, 08:18 Uhr
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