Charleston-Attentäter für schuldig erklärt

Dem 22-jährigen Schützen droht die Todesstrafe, weil er vor eineinhalb Jahren ein Attentat auf eine afroamerikanische Kirchgemeinde im US-Staat South Carolina verübte.

Der Angeklagte ist in allen 33 Punkten schuldig: Die Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston. (20. Juni 2015)

Der Angeklagte ist in allen 33 Punkten schuldig: Die Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston. (20. Juni 2015) Bild: Brendan Smialowski/AFP

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Anderthalb Jahre nach dem Attentat auf eine afroamerikanische US-Kirchengemeinde mit neun Toten ist der rassistisch motivierte Attentäter schuldig gesprochen worden. Die Jury eines Bundesgerichts in Charleston im Bundesstaat South Carolina befand den 22-Jährigen in allen 33 Anklagepunkten für schuldig. Das Strafmass soll Anfang Januar verkündet werden. Ihm droht die Todesstrafe.

Das Attentat am 17. Juni 2015 in der Emanuel African Methodist Episcopal Church, einer der ältesten Schwarzen-Kirchen des Landes, war der schlimmste rassistische Gewaltakt in der jüngeren Geschichte des Landes. Der junge Mann hatte sich still unter die Teilnehmer einer Bibelstunde gemischt und dann plötzlich um sich gefeuert. Er tötete den Pastor und acht Gemeindemitglieder. Der Täter wurde wenig später gefasst.

Der Schütze hielt die Menschen «für Tiere»

Die Jury brauchte nur zwei Stunden, um zu ihrem Schuldspruch zu gelangen. Der Angeklagte verfolgte die Urteilsverkündung ohne äusserliche Regung. Zuvor hatte Staatsanwalt Nathan Williams in seinem Schlussplädoyer gesagt, der Angeklagte habe die Menschen in der Kirche «exekutiert, weil er sie für nicht mehr als Tiere gehalten» habe. Seine Tat spiegele «die ungeheure Weite seines Hasses» wider.

Verteidiger David Bruck deutete hingegen an, dass sein Mandant psychisch krank sein könnte. Seine rassistischen Überzeugungen habe dieser «direkt aus dem Internet in sein Gehirn heruntergeladen». Alle seine Taten seien «blosse Nachahmung».

Während des Prozesses waren seine Anwälte mit ihrem Vorstoss gescheitert, zwei Experten zum psychischen Zustand ihres Mandaten aussagen zu lassen. In der Schlussphase des Verfahrens, in der es um seine Strafe gehen wird, will sich der Angeklagte selbst verteidigen.

Geständnis auf Video

In der vergangenen Woche war im Gerichtssaal eine Videoaufzeichnung von einer Vernehmung des Schützen vorgespielt worden, in der er die Tat gesteht. Er habe damit Verbrechen von Schwarzen an Weissen rächen wollen, sagte er.

Der junge Mann hatte der Staatsanwaltschaft vorgeschlagen, ein formales Schuldeingeständnis abzuliefern, wenn er im Gegenzug mit einer lebenslangen Haftstrafe davonkomme. Nachdem dieses Angebot ausgeschlagen wurde, plädierte er auf nicht schuldig.

Nach Aussagen eines Polizisten hatte der Sohn geschiedener Eltern und Schulabbrecher das Attentat gründlich vorbereitet. Er habe die Kirche in den Monaten vor der Tat rund ein halbes Dutzend Mal aufgesucht.

Rassistische Tagebücher gefunden

Nach Angaben der Ermittler wurden beim Verurteilten ein Pulli mit dem Aufdruck «88» als Code für «Heil Hitler» und Tagebücher mit antisemitischen und homophoben Eintragungen gefunden. Der junge Mann posierte auf Fotos auch mit der Südstaaten-Flagge, dem Symbol der für den Erhalt der Sklaverei kämpfenden Konföderierten im Bürgerkrieg (1861 bis 1865).

Ihm steht noch ein zweiter Prozess bevor. Er ist auch vor einem Gericht des Staats South Carolina wegen des Attentats angeklagt. Dieser Prozess soll am 17. Januar beginnen. Auch in diesem Verfahren fordern die Ankläger die Todesstrafe. (chk/AFP)

Erstellt: 16.12.2016, 05:16 Uhr

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