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«Costa Crociere macht Schettino zum Sündenbock»

Aktualisiert am 16.10.2012

Am ersten Tag der Voranhörung zum Costa-Concordia-Unglück in Italien haben Hunderte Überlebende der Havarie schwere Vorwürfe gegen die Reederei erhoben. Ein Teil davon nimmt Kapitän Schettino gar in Schutz.

1/7 Der Kapitän der verunglückten Costa Concordia, Francesco Schettino (r.), spricht mit einem nicht namentlich bekannten Schiffsoffizier vor dem zweiten Tag der Anhörungen in Grosseto. (16. Oktober 2012)
Bild: Keystone

   

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Costa Concordia – die Chronologie

Costa Concordia – die Chronologie
Am 13. Januar 2012 kenterte vor der italienischen Insel Giglio das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia gekentert. 32 Menschen starben.

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Die Reederei des vor neun Monaten verunglückten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia ist bei der Voranhörung vor einem Gericht in Italien unter Druck geraten. Hunderte Überlebende der Havarie und ihre Anwälte kamen heute zum Gericht im toskanischen Grosseto und erhoben schwere Vorwürfe gegen Europas grössten Kreuzfahrtanbieter Costa Crociere. Der Kapitän des Schiffes, Francesco Schettino, erschien ebenfalls zum ersten Verhandlungstag.

Aufgrund des grossen Andrangs hatte das Gericht den Prozess in einen Theatersaal verlegt. Hinter verschlossenen Türen will es in den kommenden Tagen darüber entscheiden, wer wegen der Havarie der Costa Concordia am 13. Januar vor der Insel Giglio angeklagt werden soll. Bei dem Unglück starben 32 Menschen, darunter zwölf Deutsche.

520 Millionen Schadenersatz

Neben Kapitän Schettino droht sechs weiteren Crew-Mitgliedern und drei Managern der Reederei, die zum US-Unternehmen Carnival gehört, eine Anklage. Der eigentliche Prozess beginnt wahrscheinlich im kommenden Jahr. In den USA haben zudem 39 Passagiere Carnival auf über 520 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt.

Die Überlebenden machten Costa Crociere für den Verlauf der Evakuierung des Schiffes und damit auch für die Toten und Verletzten verantwortlich. Eine der zentralen Fragen der Voranhörung lautet, warum die Rettungsmassnahmen erst eine Stunde nach der verheerenden Kollision des Schiffes mit einem Felsen eingeleitet wurden.

«Wie haben den Eindruck, es war der Fehler des Unternehmens», sagte der Anwalt Peter Ronai, der zehn Passagiere aus Ungarn vertritt, darunter eine getötete Violinistin. Costa Crociere mache Schettino zum «Sündenbock». Der US-Anwalt John Arthur Eaves sagte vor Reportern, die Katastrophe wäre nicht geschehen, wenn der Schiffseigner die «nötigen Standards» aufgestellt und eingehalten hätte.

Spannung auf Reaktion von Schettino

Der italienische Überlebende Ernesto Carusotti sagte, die Crew habe die Passagiere allein gelassen. Laut Bruno Neri, Experte der italienischen Verbraucherorganisation Codacons, konnte die Reederei bisher nicht erklären, warum das Notstromaggregat der Costa Concordia nicht funktioniert habe. Mehrere der Toten waren in den blockierten Fahrstühlen des Schiffes gefunden worden.

Ein deutscher Überlebender der Katastrophe sagte der Nachrichtenagentur AFP, er wolle sehen, wie der Kapitän auf die Anschuldigungen reagiere. Schettino, von der Presse «Italiens meistgehasster Mann» oder wahlweise «Kapitän Feigling» getauft, erschien in einen dunklen Anzug gekleidet vor Gericht. Ihm droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Dem inzwischen entlassenen und unter Hausarrest stehenden Schettino wird vorgeworfen, dass er bei dem Unglück von Bord ging, ohne die Rettung der mehr als 4200 Passagiere abzuwarten. (wid/AFP)

Erstellt: 15.10.2012, 18:33 Uhr

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