Panorama
«Das waren serbische Faschos»
«Ein gezielter Überfall»: Café Mokka.
Es müssen wüste Szenen gewesen sein, die sich am Samstagmorgen um 3.30 Uhr in der Disco des Thuner Café Mokka abspielten; eingetrocknetes Blut und Spritzer an den Wänden zeugten gestern davon. Eine Gruppe junger Männer – «serbische Faschos», wie sie «Mokka»-Betreiber Pädu Anliker bezeichnet – prügelte mehrere Afrikaner spitalreif. «Ein gezielter Überfall», sagt Anliker, «nicht ein Raufhandel, wie die Polizei meldete.»
Die Täter kamen laut Anliker kurz vor Feierabend aus dem Raucherzelt hinter dem benachbarten «Alperösli». «Dort warteten sie, bis das Saallicht anging, und schlugen los.» Einer habe eine Flasche Bailey’s gestohlen und mit dieser auf eines der Opfer eingeprügelt, so Anliker. «Ich habe in meiner Zeit im ‹Mokka› noch nie so etwas erlebt.»
Vier Personen verhaftet
Die Polizei gab gestern keine weiteren Informationen zum Vorfall bekannt. Sie bestätigte nur, was sie am Samstag mitgeteilt hatte: Bei einer Auseinandersetzung unter Ausländern wurden mehrere Personen verletzt; ein Mann aus Eritrea schwer. Vier Männer sind in Untersuchungshaft. Dies lässt darauf schliessen, dass es keine typische Beizenschlägerei war.
«Der Vorfall ist tragisch. Fälle von roher Gewalt häufen sich», sagt der Thuner Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler (SP). Gemäss Informationen dieser Zeitung sind die Schläger stadtbekannt. «Das weiss ich nicht, so weit bin ich nicht informiert», so Siegenthaler. Auch war ihm nicht bekannt, dass gegen das «Alpenrösli»-Raucherzelt, wo sich die Schläger aufgehalten haben sollen, ein Schliessungsantrag hängig war. Letzte Woche entschied Statthalter Marc Fritschi, dass das Zelt bis am Samstagabend weg müsse. Samstag früh, nach der Schlägerei, wurde es abgebaut.
Bald eine «Black List»?
Laut Gemeinderat Siegenthaler sind Probleme in den Betrieben «Mokka» und «Alpenrösli» bekannt. Am 19.März wird Thun ein Massnahmenpaket zu den Problemen in der Innenstadt präsentieren. Als Massnahme schlug die Stadt Wirten mit Überzeitbewilligung eine ‹Black List› mit Problemgästen vor. Das hätten die Wirte aber abgelehnt, so Siegenthaler. Er schliesst nicht aus, dass das Thema nun wieder aktuell werde.Marco ZyssetJürg Spielmann
(Berner Zeitung)
Erstellt: 01.03.2010, 08:39 Uhr


