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Der Aussenseiter, der zum Staatsverräter wurde

Aktualisiert am 15.12.2011 5 Kommentare

Heute beginnt die Gerichtsanhörung von Bradley Manning – dem Obergefreiten, der hochbrisante Informationen aus dem Irak-Krieg an Wikileaks weiterleitete und so seine eigene Regierung blossstellte.

«Ein Held, ein Kämpfer für die Demokratie»: Unterstützer von Bradley Manning protestieren in London für seine Freilassung.

«Ein Held, ein Kämpfer für die Demokratie»: Unterstützer von Bradley Manning protestieren in London für seine Freilassung.
Bild: Keystone

Homosexualität trieb ihn in einen Gewissenskonflikt: Bradley Manning musste in der US-Armee eine Doppelrolle spielen. (Bild: Keystone )

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Bradley Manning war in der US-Armee nur einfacher Obergefreiter, doch als Spezialist für nachrichtendienstliche Analyse hatte er Zugang zu einer mächtigen Waffe: Informationen. Während er im Frühjahr 2010 im Irak stationiert war, so lautet der Vorwurf, soll er diese Waffe gegen sein Heimatland gerichtet haben.

Manning steht im Verdacht, die Quelle für die Geheimdokumente zu sein, mit denen die Internetplattform Wikileaks die Regierung in Washington und das US-Militär blossstellte. Am Freitag, dem Tag vor seinem 24. Geburtstag, beginnt mit einer Anhörung vor einem Militärgericht der Prozess gegen Manning. Dem jungen Mann droht ein Leben hinter Gittern.

Kämpfer oder Verräter?

Eines der bekanntesten Fotos Mannings zeigt ihn lächelnd in einer grünen Ausgehuniform, das Barett in sein knabenhaftes Gesicht gezogen. Seine Unterstützer haben T-Shirts, Poster und Anstecker mit diesem Bild bedrucken lassen. Für sie ist Manning ein Held, ein Kämpfer für transparente Demokratie. Seine Gegner sehen ihn als Verräter, der dem Ansehen der USA geschadet und das Leben seiner Kameraden in Gefahr gebracht habe.

Die US-Medien haben versucht, Mannings Weg aus der Provinz im Mittleren Westen in die Zelle eines Militärgefängnisses nachzuzeichnen. Oft erzählen sie dabei die Geschichte eines Aussenseiters, der als Computerfreak in der Schule und als Homosexueller in der Armee Zurückweisung erfahren habe.

Einen Teil seiner Kindheit verbrachte Manning im Tausend-Seelen-Dorf Crescent im Bundesstaat Oklahoma, nach der Scheidung seiner Eltern zog er mit seiner Mutter nach Grossbritannien. Nach schwierigen Schuljahren schickte diese ihn zurück in die USA. Als der Vater dort von der Homosexualität seines Sohns erfuhr, warf er ihn der «New York Times» zufolge aus dem Haus. Manning habe einige Zeit in seinem Auto gelebt. Nach einer kurzen Beschäftigung bei einer Softwarefirma und Minijobs im Einzelhandel sei er im Jahr 2007 schliesslich bei der Armee gelandet.

Der «verrückte weisshaarige Australier»

Wie die «New York Times» unter Berufung auf Mannings Freundeskreis schrieb, entwickelte der Soldat in den vergangenen Jahren ein Bewusstsein für seine Homosexualität - was ihn in einen Gewissenskonflikt trieb: Die US-Armee verlangte bis vor Kurzem, dass Soldaten ihre homosexuelle Orientierung geheimhalten. «Ich bin schon lange isoliert», schrieb Manning dem Hacker Adrian Lamo, der ihn später verraten sollte.

In den Protokollen des Internetchats, die Lamo den US-Behörden übergab und die das US-Magazin «Wired» veröffentlichte, scheint Manning zu beschreiben, wie er Geheimdaten an Wikileaks-Gründer Julian Assange weitergeleitet habe. Dem «verrückten weisshaarigen Australier» habe er die Dokumente zugespielt, damit die «Wahrheit» ans Licht komme. Die von Militärservern heruntergeladenen Daten habe er als CD der Popsängerin Lady Gaga getarnt aus dem Büro geschmuggelt.

Wikileaks veröffentlichte im April 2010 ein schockierendes Video, das den tödlichen Beschuss von Zivilisten in Bagdad durch einen US-Kampfhubschrauber zeigt. Später machte die Enthüllungsplattform mehr als 250.000 diplomatische Depeschen der USA und zehntausende Geheimunterlagen zum Afghanistan-Einsatz publik. Erst dieses Leck, für das Manning angeklagt ist, hat der im Jahr 2006 gegründeten Internetseite zu weltweiter Bekanntheit verholfen.

Vorwurf der Feindesunterstützung

Im Mai 2010 wurde Manning auf seinem Stützpunkt nahe Bagdad festgenommen. Zunächst sass er in einem Militärgefängnis in Kuwait, dann in einer Einzelzelle auf dem Stützpunkt Quantico im Bundesstaat Virginia. Nach Protesten von Menschenrechtlern gegen die harschen Haftbedingungen verlegte die Armee Manning in das Militärgefängnis Fort Leavenworth in Kansas.

Dem Obergefreiten werden eine Reihe von Straftaten zur Last gelegt, am schwersten wiegt der Vorwurf der Feindesunterstützung. Die Anhörung am Freitag vor einem Militärgericht auf dem Stützpunkt Fort Meade in Maryland gibt Mannings Anwälten die Möglichkeit, die Anschuldigungen auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen. Hält das Militär anschliessend an der Anklage fest, dürfte es noch Monate bis zur Hauptverhandlung dauern. (fko/AFP)

Erstellt: 15.12.2011, 23:51 Uhr

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5 Kommentare

Walter Krauer

16.12.2011, 01:18 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Die Verlogenheit einer Regierung ist hier deutlich geworden. Kriegsverbrechen der Amis dürfte nach amerikanischem Gesetz nicht publik werden. Nach amerikanischer Vorstellung sind das keine Verbrechen nur wer sie verrät ist ein Verbrecher und Landesverräter. Amerika begeht Kriegsverbrechen am laufenden Band. wer diese aber anprangert ist ein Schwehrverbrecher und Landesverräter. Amerika was nun ? Antworten


ralph kocher

16.12.2011, 10:31 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Der Friedensnobelpreis gebührt SOLCHEN Leuten! Antworten



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