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Der Held von Berlin
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«Neue Dimension von Dummheit
Auch zwei Tage nach dem spektakulären Raubüberfall auf ein Pokerturnier in Berlin tappt die Polizei noch im Dunkeln. «Es gibt noch keine heisse Spur», sagte ein Polizeisprecher am Montag. Das Landeskriminalamt gehe weiter der Flut von Hinweisen nach.
Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, kam zu dem Schluss, die Tat sei offensichtlich nicht von Profis, sondern von Dilettanten verübt worden. «Sowohl die Bewaffnung als auch das Vorgehen der Täter als auch die Berge von Spuren, die sie ganz offensichtlich hinterlassen haben, die deuten schon darauf hin, dass die Polizei diese Täter sehr schnell ermitteln wird.»
Wendt bescheinigte den Tätern «eine neue Dimension von Dummheit, vor laufenden Kameras eine solche Tat zu begehen». Er riet den Räubern, sich gleich der Polizei zu stellen und die Beute gleich mitzubringen. «Vielleicht gibt es ein paar Jahre weniger Knast.»
Wendt sagte, ein Veranstalter, der auf einem internationalen Turnier eine Million Euro in bar offen herumliegen lasse, der müsse auch Sorge dafür tragen, dass auch genügend Sicherheitspersonal da sei. «Ein einziger Wachmann und ein Hotelpraktikant reichen da wirklich nicht aus», sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. «Vielleicht ein bisschen geringere Preisgelder, dafür aber mehr Sicherheit von privaten Sicherheitsunternehmen, denn die sind dafür da, eine solche Veranstaltung zu beschützen.»
Die Tischkamera des Berliner Pokerturniers im Berliner Grand Hyatt zeigt einen Spieler, der cool seine Chips umschichtet. Im Fünfsternhotel, wo sich vor Kurzem Filmgrössen aus aller Welt zur Berlinale ein Stelldichein gaben, treffen sich Hunderte, um mit Full House oder Straight Flush das grosse Geld zu machen. Eine Million winkt dem Sieger. Auch Prominente wie Boris Becker oder Charlotte Roche, Autorin des Romans «Feuchtgebiete», nahmen am Turnier teil, schieden aber schon Mitte der Woche aus.
Die Webcam fängt die leicht unterkühlte Atmosphäre um die Pokertische am Samstagnachmittag ein – bis im Hintergrund wütende Schreie ertönen. Der Spieler dreht sich um und sieht, wie sich Hektik und Nervosität ausbreiten. Es ist genau 14.11 Uhr. Lautes Gebrüll erfüllt die Vorhalle. Es ist kein Gag, kein Dreh, was man in dieser Gegend Berlins erwarten würde. Es ist ein echter Raubüberfall.
«Ein heilloses Durcheinander, ein Riesengeschrei»
«Es war gerade Pause gewesen. Auf einmal gab es ein heilloses Durcheinander, ein Riesengeschrei. Die Leute sind panikartig weggerannt und es tauchten vier Leute auf, die mit Skimasken vermummt waren», schildert Wachmann Roman H. gegenüber «Spiegel Online» die ersten Momente des Überfalls.
Schwarz gekleidete und maskierte Männer verbreiten zwischen gläsernen Design-Wänden brüllend Angst und Schrecken, springen über Tresen, fuchteln vor Sicherheitsleuten mit einer ziemlich grossen Machete, werfen Tische um und verlangen die Herausgabe des Preisgeldes.
Pistole aus der Hand geschlagen
«Mein Kollege hat versucht die Leute aufzuhalten, was ihm verständlicherweise nicht gelungen ist», so Roman H. weiter. «Als der mit der Pistole an mir vorbeigerannt kam, habe ich versucht, ihm die Pistole aus der Hand zu schlagen, was mir auch gelungen ist.»
Inzwischen sind die Spieler längst von den Tischen geflüchtet. Die Kamera filmt panische Leute, die ihr Heil unter den Tischen oder in der Flucht suchen. Sieben Leute ziehen sich in der Hektik Verletzungen zu.
Täter im Schwitzkasten
Der Täter mit der Pistole trägt einen roten Pullover. Wachmann Roman H. reisst ihn zu Boden und nimmt ihn in den Schwitzkasten. Später sagt der dem Reporter der «Bild»-Zeitung: «Der hat kein Wort gesagt. Als zivilisierter Mitteleuropäer dreht man solchen Leuten nicht gleich den Hals um – also versuchte ich, ihn zu fixieren.»
Der Räuber lässt offenbar seine Beute fallen. Ein Hotelpraktikant schafft es, den Geldbeutel zu behändigen. Wie sich später herausstellen sollte, konnte so ein Grossteil der Beute – angeblich eine halbe Million Euro – gesichert werden.
Fingerabdrücke gefunden
Die ganz grosse Heldentat gelingt Roman H. allerdings nicht. Er kann seinen Fang nicht festhalten. Ein Kumpane des Täters im roten Pullover kehrt zurück und befreit ihn. «Meine Kollegen und ich waren ohne Waffen», so Roman H. zu «Bild».
Die Bande stürmt aus dem Hotel zum Einkaufszentrum «Potsdamer Platz Arkaden» gleich um die Ecke des Hyatt. Hier, im samstagnachmittäglichen Einkaufs- und Touristengewühl, verliert sich ihre Spur. Ob sie wirklich in einem schwarzen Mercedes geflohen sind, will erst einmal kein Polizeisprecher bestätigen. Von den Tätern fehlt vorerst jede Spur, fast jede. Einer der Gangster trug offenbar keine Handschuhe, auf einer Tüte werden Fingerabdrücke sichergestellt. Noch sind die Pokerräuber nicht dingfest. Dafür hat Deutschland einen neuen Helden: Wachmann Roman H. (cpm)
Erstellt: 08.03.2010, 12:25 Uhr
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