Panorama
Der Pastor, der Stricher und der junge Gläubige
Von Ralf Kaminski, New York. Aktualisiert am 28.01.2009 7 Kommentare
Ted Haggard. (Bild: Keystone)
Es war einer der saftigsten US-Skandale dieses Jahrzehnts und trug dazu bei, dass die Republikaner im Zwischenwahljahr 2006 die Macht im Parlament verloren: Der mächtige evangelikale Pastor Ted Haggard, der in seiner New Life Church in Colorado Springs bei jeder Gelegenheit gegen Schwule wetterte, wurde von einem Stricher als Kunde und Drogenkonsument enttarnt. Haggard gestand «sexuelle Unmoral», trat als Präsident der National Association of Evangelicals zurück und verliess die Kirche, die er aufgebaut hatte.
Nun hat der Skandal eine neue Wendung genommen: Der 25-jährige Grant Haas trat am Montag an die Öffentlichkeit und berichtete, dass Haggard 2006 in einem Hotelzimmer vor seinen Augen masturbiert und ihm auch Tausende expliziter Textnachrichten zugeschickt habe.
Haas war Haggard 2005 zum ersten Mal begegnet und hatte ihm gestanden, dass er aus seiner Bibelschule geworfen worden sei, weil er mit homosexuellen Gefühlen ringe. «In dem Moment leuchteten seine Augen auf, und seine ganze Haltung zu mir änderte sich», erzählte Haas in einem TV-Interview. «Ich dachte, das muss der Einfluss Gottes sein. Warum sonst sollte sich dieser grosse, wichtige Mann für mich interessieren?»
Später wurde ihm dann klar, warum. Als es kurz vor den Wahlen im November 2006 zu dem Skandal kam, meldete Haas sich bei der Kirche und erreichte eine Vereinbarung: Die New Life Church finanzierte ihm mit 179'000 Dollar eine College-Ausbildung, dafür sollte er alles für sich behalten. Laut Haas ging es der Kirche primär darum, alles unter den Tisch zu kehren. Haggards Nachfolger, Brady Boyd, widerspricht: «Wir wollten nichts verstecken, wir wollten ihm helfen.» Das Geld sei nicht aus Spenden der rund 10'000 Kirchenmitglieder gekommen, sondern von einer Versicherung. Laut dem Pastor haben sich inzwischen «eine Handvoll» weitere Kirchenmitglieder gemeldet, die mit Haggards «unangemessenem Verhalten» konfrontiert worden seien. Haggard selbst erklärte, er habe sich vor zwei Jahren mit Haas getroffen und um «Vergebung für unsere unangemessene Beziehung» gebeten.
Dass Haas nun trotz einer rechtlichen Vereinbarung mit der Kirche an die Öffentlichkeit getreten ist, dürfte mit einem Dokumentarfilm zu tun haben, der heute Donnerstag auf dem Kabelsender HBO ausgestrahlt werden soll und zeigt, wie es dem inzwischen 52-jährigen Ex-Pastor seither ergangen ist. Haggard ist mit seiner Frau und seinen fünf Kindern von Motel zu Motel gereist, hat als Versicherungsvertreter gearbeitet und nach einem Weg gesucht, seine Schuld zu tilgen.
Am besten alles aufdecken
Den Film gedreht hat Alexandra Pelosi, eine Tochter von Nancy Pelosi, Mehrheitssprecherin der Demokraten im Repräsentantenhaus. Die Regisseurin sagte, sie bedaure es, falls ihr Film Anlass zu der neuen Enthüllung gegeben habe. «Aber so etwas passiert halt, wenn die Dinge nicht von Anfang an richtiggestellt werden. Hätte die Kirche damals alles aufgedeckt, wäre das jetzt kein Thema mehr.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.01.2009, 22:51 Uhr
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7 Kommentare
Als Mensch tut mir dieser Mann leid. Was er aber getan hat ist ein grosses Verbrechen. In seiner Verlogenheit zusammen im unchristlichen Verbund mit seiner "Kirche", hat er viel Leid über andere Menschen gebracht. Hass zu sähen und selber kein Deut besser zu sein, muss bestraft werden. Leider gibt es noch viele dieser Heuchler, vor allem in diesen "sauberen" und konservativen Kreisen. Antworten
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