Panorama
Der härteste Sheriff der USA
Aktualisiert am 09.09.2010 14 Kommentare
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Seit 18 Jahren sorgt Sheriff Joe Arpaio in Maricopa County (Arizona) für Ruhe und Ordnung. Und er tut dies mit unerbittlichen Methoden, die seit Jahren auf die Kritik von Menschenrechtler stossen. Der 78-jährige Mann italienischer Herkunft bezeichnet sich selbst als «America's Toughest Sheriff» («Amerikas härtester Sheriff)» . Möglicherweise ist er nun zu weit gegangen. Laut Medienberichten ermittelt das FBI gegen den Sheriff. Einen solchen Vorgang gab es in den USA seit 30 Jahren nicht mehr.
Der Vorwurf des US-Justizministeriums lautet: Behinderung der Untersuchung wegen des Verdachts der Verletzung von Grundrechten und Antidiskriminierungsgesetzen. Die Gegner des «schlimmsten Sheriffs Amerikas» («New York Times») werfen ihm rassistischen Machtmissbrauch vor, ebenso Folterung von Häftlingen in 50 Grad Hitze und mit verdorbenen Mahlzeiten. In Arpaios Obhut starben mindestens fünf Gefängnisinsassen. Deren Familien erhielten rund 20 Millionen Dollar Schadenersatz. Arpaio führt Razzien durch, die er als «Clean Sweep» («sauber machen») bezeichnet. Gerne geht der Sheriff gegen illegale Einwanderer und «liberale Spinner» vor.
Boxershorts für Häftlinge mit Aufdruck «Go Joe!»
Sheriff Arpaio wehrt sich entschieden gegen die Vorwürfe aus Washington. Er habe sehr wohl mit dem Justizministerium zusammengearbeitet, indem er tausende Dokumente zur Verfügung gestellt habe. Auch den Rassismusvorwurf weist Arpaio zurück. Er und seine rund 880 Leute diskriminierten keinen Menschen, schon gar nicht, wenn er eine dunklere Hautfarbe habe und kein Englisch spreche. Er entstamme einer italienischen Familie, und seine Schwiegertocher sei Latina, hält der Sheriff fest. Und er schiebt einen Satz nach, der zu seinem Gebaren passt: «Ich bin ein Gesetzeshüter, bei dem jeder dieselbe faire Chance hat – eingesperrt zu werden.»
Ein anderer denkwürdiger Satz von ihm lautet: «Mir geht's nur gut, wenn ich die Strasse entlang gehe, und die Leute kommen zu mir und sagen: ‹Danke, Sheriff.›» Sehr typisch war seine erste Amtshandlung nach der Wahl zum Sheriff vor 18 Jahren: Arpaio ordnete rosa Boxershorts für Häftlinge an - mit dem Logo des Sheriffs und dem Aufdruck «Go Joe!». Laut Medienberichten pflegt der selbstverliebte Sheriff auch einen Sprechstil, der an den Westernfilm-Helden John Wayne erinnert.
Büro von Sheriff Arpaio erhält 3,8 Millionen
«Sollen sie doch ruhig schnüffeln», sagt Arpaio zu den laufenden Ermittlungen des FBI. «Schauen Sie meine Beliebtheitskurve an. 69 Prozent. Trend nach oben. Kann Obama damit konkurrieren?» Die Untersuchung könnte dem Sheriff ein paar Millionen Dollar kosten - falls das Ergebnis eine Verletzung des «Civil Rights Act» von 1964 ist. Maricopa County erhält rund fünf Prozent seines Budgets in der Höhe von zwei Milliarden Dollar aus staatlichen Mitteln; das Sheriff-Büro bekommt 3,8 Millionen.
Arpaio hatte als Polizist in Las Vegas und Washington begonnen. Dann arbeitete er als Beamter der US-Anti-Drogenbehörde DEA in der Türkei, Texas und Mexiko-Stadt. Er ging als DEA-Chef von Arizona in Pension und liess sich zum Sheriff wählen. Das war vor 18 Jahren. Sheriff Arpaio, Jahrgang 1932, denkt noch lange nicht ans Aufhören. Medienberichten zufolge will sich der Wildwest-Sheriff 2016 zur Wiederwahl stellen. (vin)
Erstellt: 09.09.2010, 10:39 Uhr
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14 Kommentare
Ich hatte vor einigen Jahren Gelegenheit, Sheriff Arpaio persönlich kennenzulernen. Er führte mich und einen Kollegen eine Stunde lang durch sein Gefängnis. Arpaio verachtet seine Häftlinge, zwingt sie, rosa Kleider anzuziehen, behandelt sie kulinarisch schlechter als Hunde und lässt sie - in Ketten gelegt - die Strassen putzen. Herr Streng, Herr Huber, wollen Sie das im 21. Jh wirklich in Zürich? Antworten
In Angesicht der Tatsache, dass 5 Meschen in Untersuchungshaft gestorben sind finde ich die Kommentare von den Herren Streng und Huber, doch wirklich fehl am Platz. Vielleicht soltlen sie mal nach Arizona reise, aber aufgepasst, sie könnten im Gefängis landen. In den USA brauchts da nicht viel.... Antworten
Als Arizona-Besucher stellte ich fest, dass dort die Hemmschwelle für Verbrecher höher ist, wegen der harten Politik von Joe Arpaio.Gefürchtet wird seine totale Ausnützung der gesetzl.Möglichkeiten beim Strafvollzug und seine Gnadenlosigkeit. Bis zum "laisser faire" der Obama Regierung an der Grenze zu Mexico war die Verbrechensstatistik in Arizona sehr positiv. Nach Nov.10 wird es wieder besser! Antworten
HH Streng und Huber: Sie schwatzen unbedacht und lassen sich von Ihrem Frust leiten. Frust aber ist immer ein schlechter Ratgeber. Seien Sie froh, dass wir in einem weniger wilden Wilden Westen leben als dieser John-Wayne-Verschnitt. Und seien Sie froh, müssen Sie nicht die exorbitanten "Einsperrkosten" der USA in der Schweiz bezahlen. Viel wird man von Ihren Steuern sowieso nicht bezahlen können. Antworten
In dem Artikel erfährt man zu wenige Fakten seines Tuns, um ihn beurteilen zu können. Der Artikel erweckt jedenfalls den Eindruck, dass er nicht seines Amtes waltet der Gerechtigkeit wegen, sondern um übermotiviert seine unendliche Selbstverliebtheit und seinen Sadismus auszuleben. Ob das der Realität entspricht? Mehr Infos wären wünschenswert. Antworten
Fronterfahrung ist halt duch nix zu ersetzen! Allerdings duerfte auch in Arizona nicht der Scheriff, sondern der dafuer allein veraentwortliche Richter ueber Haft und Entlassung befinden. Und der Vollzug von Strafen sollte einer von der Polizei unabhaengigen staatlichen Behoerde (zB einem Departement of Corrections, nie aber privaten Machtgeilen, oder gar "Edel"haeftlingen!) uebertragen sein.... Antworten




Heinrich Schibli
Eine Gefängnisstrafe sollte ja wirklich eine Strafe sein und nicht ein Ferienlager, mit Kabelfernsehen, Computer und Gourmetküche. Die Gefangenen sollen jeden Tag ihrer Haft merken, dass sie etwas "verbrochen" haben. Strassenreinigung in Gefängniskleidung und angekettet aneinander gehört dazu bei 35-40 Grad dry-heat! Darum ist die Rückfallquote gering und der Erfolg von Sheriff Joe Arpaio gross. Antworten