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Deutschland verbietet Modedroge ab sofort – Schweiz bleibt gelassen

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 22.01.2009

Spice, die in den letzten Monaten immer populärer gewordene Kräuterdroge, ist in Deutschland ab sofort verboten. Zu gross sind Suchtgefahr und Gesundheitsrisiken. In der Schweiz scheint ein Verbot gar nicht nötig.

In Deutschland ab sofort verboten: Die Mode-Droge Spice.

In Deutschland ab sofort verboten: Die Mode-Droge Spice. (Bild: Keystone)

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Müde oder stoned

Über die Wirkung von Spice sind sich Kräuter-Raucher uneinig. Es sei stärker als Cannabis und wirke schneller, finden die einen. Es beneble nur wenig und mache vor allem müde, sagen die anderen. «Von Spice wird man nicht wirklich ‹high›, sondern eher ‹stoned›», schreibt ein Spice-Konsument im Internet.

Für einmal passt der Ausdruck Modedroge: In Deutschland lief das Geschäft mit Spice im letzten halben Jahr wie geschmiert. In Läden, wo der Kräutermix als Räuchermischung zum Beduften von Räumen angeboten wird, war er immer öfter ausverkauft. Und auch Webshops hatten seit Monaten Lieferschwierigkeiten. Den deutschen Behörden wurde der Handel mit Spice nun zu bunt: Ab morgen sind Herstellung, Handel und Besitz verboten. «Spice ist nicht harmlos», so Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. «Es musste schnell aus dem Verkehr gezogen werden.»

«Jeder Konsument ist im Prinzip ein Versuchskaninchen»

Nur wenige Tage zuvor hatten deutsche Forscher den Hauptwirkstoff der Kräuterdroge entdeckt. Es handelt sich dabei um ein synthetisches Cannabinoid, das vielfach stärker wirkt als THC, der Hauptwirkstoff der Cannabispflanze. Davor wusste niemand, welche Stoffe in Spice enthalten waren und welche für die berauschende Wirkung sorgten. Nach wie vor ist nicht ganz geklärt, mit welchen Substanzen der Kräutermix jeweils noch gestreckt ist. «Jeder Konsument ist im Prinzip ein Versuchskaninchen», hielten die Forscher fest.

«Spice ist keine harmlose Kräutermischung», erklärte auch das deutsche Bundeskriminalamt, «sondern stärker und unberechenbarer als Haschisch und Marihuana». Die Suchtgefahr erachtet das Amt als hoch. Bereits im vergangenen Dezember hatte auch Österreich den Verkauf von Spice verboten.

Nur Kräuter? Von wegen!

In der Schweiz dürfte ein Verbot jedoch gar nicht nötig sein. «Wir sind nicht unter Zugzwang», sagt Michael Anderegg vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). «Der Umgang mit dem Produkt ist geregelt.» Da Spice als Tabakersatzprodukt gilt, müssten Shops den Verkauf dem BAG melden und nachweisen, dass die Substanzen keine psychotrope Wirkung haben. So wird der öffentliche Verkauf unterbunden. «Das ist eine gute Handhabung», ist Anderegg überzeugt.

Den Vertrieb übers Internet wird man aber nicht verhindern können. Auch würde ein Verbot nicht viel bringen: die nächste, leicht veränderte Kräutermischung wäre schnell auf dem Markt.

Nicht sehr verbreitet

Im Gegensatz zu Deutschland ist der Konsum von Spice hierzulande nicht sehr verbreitet, wie Monique Helfer von der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme erklärt. Dennoch warnt sie vor dem Konsum: «Von wegen nur Kräuter! Da ist Vorsicht geboten.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.01.2009, 06:39 Uhr

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