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Die Gefahr des Tsunamis unterschätzt
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Die Region um Maule
Präsidentin Michelle Bachelet spielte die Gefahr einer zerstörerischen Riesenwelle unmittelbar nach dem Beben zunächst herunter. Denn die chilenische Marine hatte nicht vor einem Tsunami gewarnt. Gemäss Verteidigungsminister Francisco Vidal hätten Hafenkapitäne jedoch in Eigenregie vor der Zerstörung durch die grossen Wellen gewarnt und damit hunderte, wenn nicht tausende Menschen gerettet.
Mehrere Küstengebiete waren am Samstag von Wellen getroffen worden, und eine noch unbekannte Zahl von Menschen fielen ihnen zum Opfer. Die Behörden mussten später einräumen, dass es sich um Tsunamis gehandelt habe. Die Marine hat für solche Fälle einen Notfallplan, der es den lokalen Behörden erlaube, die Bevölkerung zu warnen, auch wenn es dazu keine Anweisung gebe, sagte Vidal. «Dank dieses Systems konnten die Menschen trotz der Fehleinschätzung der Marine alarmiert werden und sich auf Hügel retten.» Zwischen dem Beben und den Tsunami-Wellen verstrichen nur etwa 30 Minuten.
Ausgangssperre über Concepción verhängt
Schlimm traf es vor allem die südwestlich gelegenen Küstengebiete um Maule: Mit 541 kommen die meisten Toten aus der Küstenregion. Nach dem Erdbeben brach am Samstagmorgen eine 2,3 Meter hohe Flutwelle über die 250 Kilometer von Curicó entfernte Hafenstadt Talcahuano herein.
Im näher an Curicó gelegenen Badeort Yloca richtete die Flutwelle verheerende Schäden an. «Der Ozean flutete die Häuser. Die Menschen rannten um ihr Leben in höher gelegene Gebiete», beschreibt Sergio Figueroa vom örtlichen Zivilschutz die Katastrophe. Auf der Pazifik-Insel Robinson Crusoe rissen die Wassermassen mehrere Menschen fort und richteten schwere Zerstörungen an.
Bis zu 2,3 Meter hoch
Die Behörden gaben die Zahl der Toten am Sonntag mit 708 an. Der Grossteil der Opfer lebte in den überfluteten Küstengebieten. Wegen des Bebens der Stärke 8,8 gab die Tsunami-Warnzentrale auf Hawaii einen Alarm für 53 Pazifik-Anrainerstaaten heraus. Allerdings blieben die Auswirkungen ausser in Chile begrenzt und es wurden keine weiteren Opfer aus Australien, Tonga, Japan, Russland oder Hawaii gemeldet.
Um Plünderungen vorzubeugen, ist über die besonders schwer getroffene chilenische Grossstadt Concepción eine Ausgangssperre verhängt worden. Überall in der schwer zerstörten Stadt wurden die Menschen mit Lautsprecher-Durchsagen auf die Ausgangssperre hingewiesen. Bei Verstössen drohten die Behörden mit Festnahmen.
Armeeeinsatz gegen Plünderer
Wie in anderen Städten auch, war es in Concepción am Sonntag zu schweren Plünderungen gekommen. Präsidentin Michelle Bachelet hatte deshalb bereits im Laufe des Tages den Ausnahmezustand über die beiden am stärksten betroffenen Regionen an der Pazifikküste ausgerufen.
Angesichts der massiven Plünderungen in den chilenischen Erdbebengebieten hat sich der künftige Präsident des Landes, Sebastián Piñera, für den Einsatz der Armee ausgesprochen. Noch-Staatschefin Michelle Bachelet solle die Armee in die betroffenen Gebiete schicken, um Verbrechen, Plünderungen und Unruhen zu verhindern, sagte Piñera am Sonntag vor Journalisten. Recht und Ordnung drohten verloren zu gehen. Piñera war im Januar zum neuen Präsident des Landes gewählt worden und soll am 11. März sein Amt antreten.
Wettlauf mit der Zeit
Das Beben, dem zahlreiche schwere Nachbeben folgten, ereignete sich am Samstagmorgen um 3.34 Uhr Ortszeit (7.34 Uhr MEZ). Das Epizentrum lag etwa 325 Kilometer südwestlich von Santiago im Pazifik. Die Verbindung zu der am schwersten betroffenen, etwa 100 Kilometer vom Epizentrum entfernten Küstenregion rings um die 400'000-Einwohner-Stadt Concepción gestaltete sich schwierig.
Dort lieferten sich die Rettungsmannschaften einen Wettlauf mit der Zeit. Bei dem Beben war ein Wohnhaus mit 14 Stockwerken in zwei Teile zerbrochen. Nach einem Bericht der Zeitung «La Tercera» wurden bis zum späten Abend etwa 30 Menschen lebend aus den Trümmern befreit, 60 Menschen seien noch im Komplex gefangen, der jederzeit einstürzen könnte.
(mt/ddp)
Erstellt: 01.03.2010, 13:45 Uhr
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