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Die Menschen wurden von den Fluten im Schlaf überrascht

Aktualisiert am 08.07.2012

Im Süden Russlands kam es nach aussergewöhnlich starken Regenfällen zu einer Flutkatastrophe. Über 150 Menschen starben. Nun wird untersucht, ob die Bevölkerung möglicherweise zu spät gewarnt wurde.

1/19 Das Aufräumen beginnt: Ein Mann begutachtet ein Auto, welches in der Innenstadt von Krimsk von den Wassermassen gedreht wurde. (9. Juli 2012)
Bild: Keystone

   

Flutkatastrophe in Russland: Putin fordert Untersuchung. (Video: Reuters )

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Bei schweren Überschwemmungen in Südrussland sind am Wochenende mindestens 171 Menschen ums Leben gekommen. Unklar ist, ob menschliches Versagen Mitschuld an der Katastrophe trug. Russlands Präsident Wladimir Putin kündigte bei einem Blitzbesuch eine Untersuchung an. Ursache der Überschwemmungen in der Ferienregion Krasnodar am Schwarzen Meer waren massive Regenfälle. Den Behörden zufolge fiel in der Nacht auf Samstag innerhalb weniger Stunden so viel Regen wie sonst in zwei Monaten.

Am stärksten betroffen war der Bezirk Krimsk. Hier wurden nach offiziellen Angaben vom Sonntag 139 Leichen geborgen, darunter ein einjähriges und ein zehn Jahre altes Kind. Zwei Tote wurden in der Hafenstadt Noworossijsk am Schwarzen Meer gefunden, neun weitere im Badeort Gelendschik. Die Suche nach weiteren Opfern ging weiter.

Zahlreiche Bewohner der Region waren in der Nacht zum Samstag von den Wassermassen überrascht worden. Die meisten Opfer waren Rentner. Das russische Fernsehen zeigte in dramatischen Bildern, wie Bewohner sich in höhere Stockwerke flüchteten oder mit Schlauchbooten gerettet wurden. Zahlreiche Anwohner harrten auf Dächern oder Bäumen aus. Die Behörden flogen Hunderte Kinder aus einem Ferienlager aus.

Putin fliegt in Krisengebiet

Die örtlichen Behörden sprachen von der schlimmsten Naturkatastrophe in der Region seit Jahrzehnten. Im Bezirk Krimsk, der 60'000 Einwohner hat, waren mehr als 12'000 Menschen und 4000 Wohnungen von dem Unglück betroffen. Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums waren am Sonntag knapp 29'000 Menschen ohne Strom.

Präsident Putin, dessen Sommerresidenz 200 Kilometer südlich der Unglücksregion nahe der Schwarzmeerstadt Sotschi liegt, flog mit einem Helikopter über die Unglücksregion. Er verglich im Fernsehen die Überschwemmungen mit einem «Tsunami».

Putin versprach den Betroffenen neue Häuser sowie finanzielle Unterstützung in Höhe von zwei Millionen Rubel (umgerechnet rund 60'000 Franken) pro betroffener Familie. Putin kündigte eine genaue Untersuchung des Krisenmanagements der Behörden durch die russische Ermittlungskommission an.

Bezirkschef befragt

Der Kreml veröffentlichte im Internet Aufnahmen aus einer Krisensitzung örtlicher Verantwortlicher, an der Putin am Samstagabend teilnahm. Dabei fragte er den Bezirkschef von Krimsk, Wassili Krutko, in strengem Ton, wann die Behörden von der Katastrophe erfahren hätten und wie sie die Bevölkerung informiert hätten.

Krutko berichtete, er habe am Freitagabend um 22 Uhr eine erste Warnung erhalten. Die Bevölkerung sei im Fernsehen gewarnt worden. Bewohner der Unglücksregion berichteten dagegen, sie seien nicht gewarnt worden. Die Überschwemmungen hätten sie zwischen zwei und vier Uhr morgens im Schlaf überrascht.

Viele vermuteten, dass die Öffnung von Sperren an einem Stausee die Katastrophe auslöste, was die örtlichen Behörden zurückwiesen. Im Fernsehen wurde gezeigt, wie Putin den Gouverneur von Krasnodar, Alexander Tkaschew, fragte, wo die Wassermassen herkamen. «Es hat geregnet», antwortete dieser. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verlangte Tkaschew ein Ende der «dummen Gerüchte» über menschliches Versagen.

Wasser wiederholt abgelassen

Ermittler räumten jedoch am Sonntag ein, dass das wiederholte Ablassen von Wasser aus dem Stausee zur Katastrophe beigetragen haben könnte. «Über einen Zeitraum von 13 Stunden wurden wiederholt in automatisierter Form begrenzte Mengen Wasser abgelassen», sagte ein Sprecher der regionalen Ermittler, Iwan Sengerow.

Es habe aber kein gross angelegtes Ablassen von Wasser gegeben. Auch sei unklar, welchen Zusammenhang es mit den Überschwemmungen gebe. (fko/kle/sda/dapd)

Erstellt: 08.07.2012, 20:11 Uhr

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