Panorama

Die vertuschte Ölpest

Von Henrik Bork. Aktualisiert am 25.07.2011 5 Kommentare

Vor der chinesischen Küste schwimmt ein riesiger Ölteppich. Lange wusste niemand davon. China wollte die Katastrophe und ihr Ausmass geheim halten.

Hier leckte es: Bohrplattform im Ölfeld Penglai 19-3.

Hier leckte es: Bohrplattform im Ölfeld Penglai 19-3.
Bild: Keystone

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Der Fischer Tao Naidi aus dem Dorf Beizhuang merkte erstmals am 5. Juli, dass etwas nicht stimmte. Er war mit seinem Boot auf dem «Daheishandao» einem Teil des Gelben Meeres unterwegs, als zwei Fische an einer seiner Leinen anbissen. Als er sie hochzog, waren sie «voll schwarzen Öls». Der Fischer habe die Tiere zurück ins Meer geworfen, berichtete die Zeitung «Xinmin Weekly».

Tao Naidi ist auf die grösste Ölpest gestossen, die jemals vertuscht werden sollte. 4200 Quadratkilometer des Gelben Meeres sind verseucht worden, das entspricht der kombinierten Fläche der Kantone Aargau, Zürich und Thurgau. Das Öl ist unter Bohrinseln des Penglai-Ölfeldes 19-3 ausgelaufen, das von der amerikanischen Firma Conoco Phillips und dem chinesischen Staatsbetrieb National Offshore Oil Corporation gemeinsam ausgebeutet wird. Das erste von zwei Lecks ereignete sich bereits am 4. Juni. Wochenlang hatten weder die zwei Firmen, noch Chinas Marine- und Umweltbehörden die Öffentlichkeit informiert.

Niemand will schuld sein

Für die Firmen praktisch: Der Ölunfall ereignete sich knapp 200 Kilometer vor der Küste. Erst jetzt haben die Ölteppiche mehrere Badestrände der Provinzen Hebei und Liaoning erreicht.

Nun schieben sich die Beteiligten gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Chinesische Sprecher haben versucht, die amerikanische Firma als Hauptverantwortlichen darzustellen, weil diese die eigentlichen Bohrarbeiten ausführe. Doch die in Texas ansässige Conoco Phillips will bereits am Tag des ersten Ölunfalls die chinesische Marinebehörde informiert haben.

Berichte von chinesischen Bloggern kursierten bereits wochenlang im Internet, als die Zeitung «Südliches Wochenende» am 30. Juni erstmals über die Ölpest berichtete. Erst danach, Anfang Juli, sahen sich die beteiligten Unternehmen gezwungen, eine erste Pressekonferenz abzuhalten und die Verseuchung einzuräumen.

Er sei «überrascht», dass sich ein so massives Ölleck so lange vertuschen lasse, sagt der chinesische Umweltschützer Ma Jun vom Institut für Öffentliche und Umweltfragen. Bedroht sind nun grosse Meeresfarmen für Jakobsmuscheln entlang der Küste, wo Millionen von rund vier Quadratzentimeter grossen Ölpartikeln angetrieben werden. Mai und Juni sind dort die Erntezeiten. Zhang Yunping zieht um diese Jahreszeit normalerweise rund 30 Kilo Jakobsmuscheln aus jedem seiner 3000 Zuchtkäfige. Doch jetzt wirft er die Hälfte der Muscheln zurück ins Meer. «Nur zehn Kilo dieses Jahr» pro Käfig, mehr als die Hälfte sei tot, berichtete er «Xinmin Weekly».

Alles unter Kontrolle?

Als die Behörden den Vorfall nicht mehr verheimlichen konnten, begannen sie, ihn herunterzuspielen. «Es gibt noch ein kleines Leck, aber der Ausfluss ist unter Kontrolle und die Reinigungsarbeiten sind fast abgeschlossen», sagte Li Xiaoming, der Leiter des Büros für Umweltschutz bei der chinesischen Marinebehörde, Anfang Juli &endash zwei Wochen bevor die ersten Strände verkleistert wurden.

Auch Georg Storaker, Präsident von Conoco Phillips China, wusste gute Nachrichten zu verbreiten. Zwar sei das Ausmass des Zwischenfalls noch nicht ganz klar, aber auf jeden Fall sei es «nicht vergleichbar» mit der BP-Ölkatastrophe im Golf von Mexico, zitierte ihn die «China Daily». Ausserdem sei niemand verletzt worden, und die Reinigungsarbeiten hätten begonnen. «Jedes Verschütten von Öl ins Wasser ist zu viel», sagte der Manager aber immerhin. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.07.2011, 22:09 Uhr

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5 Kommentare

Ronnie König

23.07.2011, 23:20 Uhr
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China überschätzt sich masslos. Noch mehr wie die USA! Um jeden Preis ganz nach oben. Tibet leidet, der Zug entgleist, das Öl tötet dort und in Afrika, die Bauern darben oder vergiftet und die Erde bebt. Keiner wagt die grosse Schelte, haben wir doch unsere tehnische Seele an den Drachen verhökert. Nun kommen Übel wo wir wenig oder kein Einfluss mehr haben, aber zahlen müssen wir trotzdem. Antworten


Hans Iseli

24.07.2011, 23:55 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Solange China eine Diktatur ist, wird es verlogen, heuchlerisch und aggressiv sein. Wenn Macht in wenigen Händen konzentriert wird, wird sie missbraucht, unabhängig davon, ob es links oder rechts ist, kapitalistisch, sozialistisch oder was auch immer. Wir sollten sehr vorsichtig im Umgang mit dieser Nation sein. Aber wie @Rinaltini sagt: wir wollen nur unseren Schnäppchen-Schrott. Antworten



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