Panorama

Experte hält Triebwerkausfall für möglich

Aktualisiert am 25.01.2010

Beim Flugzeugabsturz vor der libanesischen Küste am frühen Montagmorgen sind wahrscheinlich alle 90 Insassen ums Leben gekommen. Die Ursache könnte ein Triebwerksausfall gewesen sein.

1/11 Auch einen Tag nach der Katastrophe konnten nur Leichen geborgen werden.
Bild: Keystone

   

Rettungskräfte finden Wrack



Beim Absturz eines äthiopischen Passagierflugzeugs vor der libanesischen Küste sind vermutlich alle 90 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Die Boeing 737-800 der Ethiopian Airlines fing am Montag kurz nach dem Start Feuer und stürzte ins Mittelmeer. Möglicherweise habe schlechtes Wetter eine Rolle gespielt, hiess es. Der libanesische Präsident Michel Suleiman sagte, es deute nichts auf einen Terroranschlag hin.

Die Maschine, die in die äthiopische Hauptstadt Adis Abeba fliegen sollte, startete gegen 02:30 Uhr Ortszeit (01:30 Uhr MEZ) in Beirut. Wenige Minuten später stürzte sie rund 3,5 Kilometer vor der Küste ins Meer. Den libanesischen Streitkräften zufolge stand das Flugzeug in Flammen.

«Sabotage schliessen wir derzeit aus», erklärte Präsident Suleiman. Seit Sonntag fiel in Beirut starker Regen, und es gab Gewitter. «Zweifellos war das Wetter sehr schlecht», sagte der libanesische Verkehrsminister Ghasi Aridi.

Deutsche Marine an Suche beteiligt

Auch die Bergungsarbeiten wurden durch Sturm und hohen Wellengang behindert. An der Suchaktion beteiligt waren zwei Boote der deutschen Marine, die als Teil des UNIFIL-Verbandes vor der libanesischen Küste im Einsatz sind. Eines davon koordinierte die Rettungsmassnahmen vor Ort. Bis zum Nachmittag wurden 34 Leichen geborgen. Auch Wrackteile wurden gefunden. An der Küste wurden nach dem Unglück unter anderem Passagiersitze, eine Babysandale und ein Feuerlöscher angeschwemmt.

An Bord der Maschine waren nach libanesischen Angaben 83 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder. Ethiopian Airlines sprach von 82 Passagieren und acht Besatzungsmitgliedern. Auf der Passagierliste standen 54 Libanesen, 22 Äthiopier und einzelne Staatsbürger aus dem Irak, Syrien, Kanada, Russland und Grossbritannien. Auch die Frau des französischen Botschafters im Libanon war an Bord. Der libanesische Ministerpräsident Saed Hariri kündigte einen nationalen Trauertag an.

Auf dem Flughafen von Beirut versammelten sich verzweifelte Angehörige. Sie wurden von Mitarbeitern in den VIP-Bereich geführt. Ein Mann erzählte, er habe seinen Bruder angefleht, seine Reise nach Äthiopien wegen des schlechten Wetters zu verschieben. «Aber er hat darauf bestanden zu fliegen, weil er geschäftliche Termine hatte», sagte Andrée Kusayfi.

Nach Angaben der Fluggesellschaft wurde die Unglücksmaschine zuletzt vor einem Monat gewartet. Die Inspektion habe keine Mängel ergeben. Ethiopian Airlines hat im Vergleich zu anderen afrikanischen Fluggesellschaften einen recht guten Ruf.

Experte hält Triebwerksausfall für möglich

Falls es wirklich ein Feuer an Bord gegeben habe, dann deute dies darauf hin, dass die Piloten in relativ niedriger Höhe die Kontrolle verloren hätten, sagte Sidney Dekker, Professor für Flugsicherheit an der Universität von Lund in Schweden und selbst 737-Pilot. Auch schlechte Sicht in Kombination mit starkem Wind könne zu dem Unglück beigetragen haben.

Ein anderer Experte sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass eine heftige Bö ursächlich für den Absturz war. Die Berichte über ein Feuer an Bord sprächen für den Ausfall eines Triebwerks, erklärte Chris Yates, Luftsicherheitsanalyst aus Manchester. Es könne auch sein, dass ein Gegenstand oder ein Vogel in den Sog der Triebwerke geraten sei. Für verlässliche Aussagen zur Unglücksursache sei es aber noch viel zu früh, räumte Yates ein. (tan/sda/ddp)

Erstellt: 25.01.2010, 14:44 Uhr

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