Explosive Lage in Chiles Bebengebieten

Aktualisiert am 02.03.2010

Aus Vororten der Stadt Concepción wurden am Montag Schiessereien zwischen bewaffneten Bürgerwehren, Plünderern und dem Militär gemeldet. Die Zahl der Todesopfer steigt unterdessen weiter.

In der Gemeinde San Pedro de la Paz seien zwei Menschen getötet worden, sagte die Journalistik-Dozentin Claudia Lagos der Deutschen Presse-Agentur dpa. Marineinfanteristen versuchten, ein Abgleiten der Grossstadt in die Anarchie zu verhindern, und gaben Schüsse in die Luft ab. Dennoch gingen ein Kaufhaus und ein Grossmarkt nach Plünderungen in Flammen auf. Dabei sollen nach unbestätigten Berichten bis zu 20 Menschen ums Leben gekommen sein.

Viele Bürger sahen sich zu Einbrüchen und Plünderungen von Lebensmittelgeschäften gezwungen: Auch zwei Tage nach dem Beben der Stärke 8,8 waren noch immer kaum Wasser und Lebensmittel in Concepción angekommen - und schon gar nicht in den kleineren Ortschaften des Katastrophengebiets.

Weitere Ausgangssperren verhängt

Unterdessen wurde über drei weitere Städte eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, um so Plünderungen und Gewalt zu verhindern. Betroffen seien die Städte Talca, Cauquenes und Constitucion, teilte das Militär am Montagabend (Ortszeit) mit.

Die Ausgangssperre solle bis Dienstagmorgen gelten, hiess es weiter. Damit gilt nun bereits in vier Städten eine nächtliche Ausgangssperre. Über die besonders schwer vom Erdbeben betroffene Stadt Concepción war bereits am Sonntag eine nächtliche Ausgangssperre verhängt worden.

Zusagen für umfassende Hilfe

Unterdessen stattete Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva als erster Staatschef Chile nach dem Beben einen Besuch ab. Er sagte jede erdenkliche Hilfe zu. Am Dienstag wurde auch US-Aussenministerin Hillary Clinton in Santiago erwartet. Sie wollte sich vor Ort einen Eindruck von dem Ausmass der Katastrophe machen.

Steigende Zahl an Todesopfern

Nach jüngsten Angaben liegt die Zahl der registrierten Todesopfer bei 723. Die Zahl werde jedoch weiter steigen, sagte Innenminister Edmundo Pérez Yoma. «In den Küstenregionen hat ein Tsunami ganze Ortschaften fortgerissen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schlechte Nachrichten werden wir bekommen.»

Vor allem in Maule und Bíobío gelten zahlreiche Menschen noch als vermisst. Die genaue Zahl der Obdachlosen war unbekannt. Die Zahl der zerstörten oder beschädigten Wohnungen wurde mit etwa zwei Millionen angegeben. (raa/sda)

Erstellt: 02.03.2010, 06:37 Uhr

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