Panorama
Genfer Buddha-Statue empört die Inder
Aktualisiert am 18.09.2009 26 Kommentare
Anlass für eine Mini-Krise: Buddha-Statue in einem Genfer Laden. (Ausriss: Le Matin)
Unterschiedliche Länder, unterschiedliche Gefühle: Die Idee eines Schuhgeschäfts in Genf, eine Buddha-Statue aufzustellen, ist in Indien gar nicht gut angekommen. Die Statue, die mit Ballerinaschuhen dekoriert war, löste sogar eine diplomatische Minikrise aus, wie die Westschweizer Zeitung «Le Matin» berichtet. Das Departement von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey war während Monaten mit der Aufgabe beschäftigt, die indische Regierung zu besänftigen. Eine mit Tanzschuhen dekorierte Buddha-Statue war in Indien als Verletzung der religiösen Gefühle aufgefasst worden.
Die Geschichte begann im letzten Juni, als indische Touristen die Buddha-Statue in der Genfer Boutique sahen. Die Familie aus Nordindien war derart empört, dass sie sich bei der Heimkehr bei der sehr populären Zeitung «Times of India» meldete. Die Zeitung brachte einen grossen Artikel über die Genfer Buddha-Statue. Darin beklagte sie, dass die Genfer Boutique Buddha beleidigt habe.
Tourismus-Organisation intervenierte
Der Wirbel in Indien erreichte die Genfer Tourismus-Organisation, worauf die kritisierte Boutique die Buddha-Statue aus ihrem Laden entfernte. Die um das Image von Genf besorgte Tourismus-Organisation verfasste umgehend einen Brief zuhanden der indischen Zeitung «Times of India». Das Problem sei gelöst worden.
Gemäss dem Bericht von «Le Matin» waren die Verstimmungen in Indien aber noch nicht beseitigt. Denn in der Zwischenzeit hatten TV- und Radiosender das Thema aufgegriffen und damit die Empörung über Genf akzentuiert. Sogar die Administration der indischen Regierung nahm sich der Genfer Buddha-Statue an. Der Tourismus-Stadt Genf gefiel diese Entwicklung gar nicht.
Kontakte auf diplomatischer Ebene
Jetzt mussten der Schweizer Botschafter in Indien und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in Aktion treten. Laut «Le Matin» gab es rege Kontakte auf diplomatischer Ebene. Während des ganzen Sommers gingen Vertreter des indischen Konsulats und des indischen Uno-Sitzes in Genf bei der Boutique vorbei, um zu sehen, ob die Buddha-Statue tatsächlich entfernt worden war. Es dauerte also mehrere Monate, bis die Verstimmungen zwischen der Schweiz und Indien ausgeräumt waren. (vin)
Erstellt: 18.09.2009, 09:00 Uhr
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26 Kommentare
Ich kann Herrn Hungerbühler nur zustimmen. Wobei noch herauszufinden wäre, ob alle die hier so über der Sache zu stehen scheinen, es ebenso cool nehmen würden, wenn sie auf ihrem nächsten Phuket-Trip ein Schaufenster entdeckten, welches christliche Symbole herablassend darstellt. Antworten
Für Buddhisten sind Schuhe und Fußsohlen unrein, so dass es keinem einfallen würde, einer Buddha-Statue Schuhe um den Hls zu hängen. Auch bei uns ist Buddha momentan "im Trend", aber ich finde es ebenso geschmacklos, wenn Gartencenters neuerdings Buddhafiguren anbieten, welche dann womöglich anstelle von Gartenzwergen unwürdig auf der schmutzigen Erde zu stehen kommen. Antworten
Angesichts der in der westlichen Yuppie-Kultur weit verbreiteten unkritischen Umarmung des vermeintlich so schicken wie unverbindlichen Buddhismus, kann ein derart unsensibler Umgang mit den Gefühlen wirklich religiöser Menschen nicht verwundern. Der Buddha ist zwar nur ein Symbol, genauso wie das Kreuz oder die Kaaba, für deren spirituelle Botschaft hat unsere Konsumgesellschaft aber keine Ohren. Antworten
@ Wolf: Auf die Schweiz wird vor allem auch dann eingedrescht, wenn sie kein eigenes Profil mehr hat. Und religiös hat die Schweiz nur noch auf dem Papier ein Profil. Die Stärke der Schweiz, viele Kulturen, und gar Religionen zu integrieren wird nur dann Erfolg haben, wenn die eigene (religiöse) Indentität nicht gleichzeitig aufgegeben wird. Erst beim Eindreschen zeigt sich, ob wir Rückgrat haben Antworten
Da scheint man wieder einmal zu sehen, dass Religion oft nur ein Vorwand ist, sich von Andersdenkenden abzugrenzen und Intoleranz zu ueben. Mit Ethik hat das nichts zu tun. Ansonsten, was genau ist das Kastensystem und das Verbrennen von Frauen der Mitgift wegen? Antworten
Sagt jetzt bitte noch jemand "na ja haben die keine anderen Probleme"? Bitte? Meistens entstehen diese "anderen Probleme" aus eben solchen Problemchen. Die Geschichte ist die Schlagzeile nicht wert, da gebe ich euch recht, aber dieses achselzuckende "haben die denn keine anderen Probleme" zeugt von Ignoranz und kultureller Egozentrik. Etwas mehr interkulturelle Sensitivität scheint mir nötig. Antworten
"Leider so muss man sagen, haben die Inder keine Toleranz wenn es sich um Religion handelt." Herr Schlosser, ich möchte mal das Aufjaulen der Katholiken hören, wenn in Indien eine Jesusfigur mit Ballerina Schühchen im Schaufenster steht. Toleranz und Religion standen schon immer auf Kriegsfuss, das ist nicht nur bei den Buddhisten so. Die Intoleranz beanspruchen alle Weltreligionen für sich . Antworten
Mich nervt langsam, dass sich irgendwelche Touristen über unser Land empören. Das ist hier die Schweiz und wir können hier machen, was wir wollen. Und wenn wir dem Buddha einen Hut anziehen und die Nase grün anmalen. Das geht die überhaupt nichts an! Soll jetzt der Merz nach Dehli und sich entschuldigen, oder wie? Antworten
Es besteht eine gewisse ETHIK, dass religiöse, jagdliche etc. Trophäen und Statuen oder Denkmäler nicht durch Relikte verschandelt werden. Zudem ist es Anstand und ein TABU diese nicht zu verunstalten, zu *versauen*. Doch vermutlich haben die jüngeren Generationen davon keine Kenntnis.Das ist sehr schade, denn dieser Brauch muss geachtet und entsprechend berücksichtigt und weiter gelebt werden. aw Antworten
Ich hoffe, unsere Schweizer Behörden haben darauf hingewiesen, dass keine religionsverletzenden Aussagen mit dem Ausstellungsobjekt verbunden waren und dass in der Schweiz noch eine gewisse Freiheit herrscht. Die Leute hier vermögen sehr wohl zu unterscheiden zwischen ernstzunehmenden Aussagen und blickfangenden Schaufensterauslagen. Antworten
Wenn man religiöse Symbole für Werbung einsetzt, sollte man sich vorher schon etwas mit dieser Religion vertraut machen. Der Fuss und die Schuhe gelten in verschiedenen Religionen als unrein. Vor allem einfache Menschen in Indien sind sehr religös. Unser Verhältnis zur Religion kann hier nicht Masstab sein. Wir fordern schliesslich andere Länder auch auf uns unsere Kultur, Glauben zu respektieren. Antworten
In Indien werden regelmässig Christen umgebracht und Kirchen zerstört. Da macht keiner den Mund auf. Kein Botschafter wird zitiert. Umgekehrt müssen wir verletzte religiöse Gefühle international mit Botschaftspersonal abhandeln. Und die Botschaft rennt hin! Wie tief gehts eigentlich noch? Gibt es in diesem Land irgendjemanden, der diesem Buhlen um Geld und Image ein Ende setzt? Rückgrat zeigen! Antworten
In Indien so glaubt man, dass der Koerper die schlechte Energie an den Fusssohlen absondert. Deswegen dieser Aufstand. Leider so muss man sagen, haben die Inder keine Toleranz wenn es sich um Religion handelt. Die Religion hat stets Priorität, das ganze Leben wird nach Ihr ausgerichtet. Antworten
Tja da werden sicherlich bald noch weitere Länder auf die Schweiz eindreschen. Wenn erstmal diese unsägliche Minarett-Initiative international zum Thema wird, werden wir mal wieder vor Augen geführt bekommen, das wir in der Welt alleine stehen. Danke, liebe ewig Gestrige! Antworten
Tja haben wir denn heute keine grösseren Probleme zu lösen??? Natürlich war es nicht gerade sehr angebracht, eine Budda-Statue als Schaufensterdekoration zu verwenden, aber dass sich da ein Bundesrat einschalten muss! Das geht jetzt doch zu weit. Antworten
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Rolf Stalder
Unklug eine religiöse Götze zu missbrauchen - aber ich frage mich schon, wie weit wir wirklich entwickelt sind, wenn ein solches "Geschiss" um Dinge gemacht wird, die wohl nicht mal existieren! Antworten