Panorama

Gewaltiger Medienaufmarsch am Kachelmann-Prozess

Heute steht der Wettermoderator Jörg Kachelmann vor Gericht. Er ist wegen Vergewaltigung seiner Ex-Freundin angeklagt. baz.ch/Newsnet berichtet laufend vom Prozess in Mannheim.

1/13 Jörg Kachelmann (Mitte) und seine Anwälte Reinhard Birkenstock (links) und Ralf Höcker sind mit ihrem Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter in Mannheim gescheitert.

   

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So berichtet Tagesanzeiger.ch/Newsnetz über den Prozess gegen Jörg Kachelmann

Heute Montag beginnt in Mannheim der Prozess gegen Jörg Kachelmann. Der Schweizer TV-Moderator ist wegen Vergewaltigung seiner Ex-Freundin angeklagt. Der Prozess dauert voraussichtlich bis am 20. Oktober. Gemäss der neusten Mitteilung tagt das Gericht an zehn Tagen. Der Fall Kachelmann ist in Deutschland der Prozess des Jahres.
Tagesanzeiger.ch/Newsnetz ist mit einem Reporter im Landgericht Mannheim vertreten und berichtet laufend über den Kachelmann-Prozess. Die Berichterstattung in den nächsten Wochen umfasst Prozessberichte, Hintergrundartikel, Videobeiträge und Bilder. Zudem gibt es auf Tagesanzeiger.ch/Newsnetz ein Dossier zum Kachelmann-Prozess. (vin)

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Vor dem Landgericht Mannheim an der Bismarckstrasse stehen etliche TV-Übertragungswagen. Rund 50 Kameraleute und Fotografen warten auf Jörg Kachelmann. Das Medieninteresse am Prozess gegen den Wettermoderator ist riesig. Alle grossen deutschen Medien berichten darüber. Die Boulevardzeitung «Bild» konnte die deutsche Frauenrechtlerin Alice Schwarzer gewinnen. Sie wird die Verhandlungen verfolgen und wöchentlich kommentieren. Rund um das Gerichtsgebäude stehen Motorräder und Kastenwagen der Polizei, gut 20 Beamte stehen im Einsatz. Vor dem Nebeneingang warten die Zuschauer auf Einlass, etwa 50 an der Zahl, meist ältere Leute.

Der Kachelmann-Prozess in Mannheim dreht sich um eine zentrale Frage: Was geschah in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010? Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte Jörg Kachelmann seine Geliebte in deren Wohnung in Schwetzingen mit einem Küchenmesser bedroht und zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Dabei habe er ihr das Messer gegen den Hals gedrückt und sie verletzt. Während und nach der Tat soll er gedroht haben, sie umzubringen. Die 37-jährige Sabine W., so die Anklage weiter, wollte sich nach zwölf Jahren vom TV-Wettermoderator trennen. Der 52-jährige Kachelmann beteuert seine Unschuld. Sie hätten sich friedlich getrennt, dann sei er in ein Hotel gefahren. Fakt ist, dass die Frau eine Strafanzeige einreichte. Dann nahm die Polizei den TV-Mann am 20. März fest. Ende Juli wurde Kachelmann aus der Untersuchungshaft entlassen.

Ist der Gerichtsvorsitzende befangen?

Die Verhandlung am Landgericht Mannheim beginnt heute mit der Befragung von Kachelmann. Zunächst geht es um Angaben zu seiner Person. Dann wird die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift verlesen. Ob Kachelmann zu den Vorwürfen Aussagen macht oder nicht, steht ihm frei. Er kann auch eine Erklärung durch seinen Anwalt verlesen lassen. Die eigentliche Beweisaufnahme beginnt nächste Woche.

Möglicherweise wird die Verteidigung von Kachelmann einen Befangenheitsantrag gegen den Gerichtsvorsitzenden Michael Seidling stellen. Angeblich soll der Richter den Vater des mutmasslichen Opfers kennen. Zudem wohnen sie in der gleichen Region. Im Fall einer Befangenheit müsste der Gerichtsvorsitzende ersetzt werden.

Mehr als zwei Dutzend Zeugen, fünf Gutachter

Für den Prozess sind bisher zehn Sitzungstage geplant. Befragt werden mehr als zwei Dutzend Zeugen, darunter auch mehrere Frauen, mit denen Kachelmann ein Verhältnis gehabt haben soll. Die frühere Freundin des Schweizer Wettermoderators, die den Fall ins Rollen brachte, wird frühestens am 13. Oktober vernommen. Auch fünf Sachverständige, unter anderem Rechtsmediziner und Psychologen, sollen an der Gerichtsverhandlung gehört werden. Das Gericht im Kachelmann-Prozess besteht aus fünf Personen: drei Berufs- und zwei Laienrichter. Für Kachelmann, der vom deutschen Anwalt Reinhard Birkenstock verteidigt wird, würde ein Schuldspruch mindestens fünf Jahre Gefängnis bedeuten. Neben Birkenstock stehen dem angeklagten TV-Moderator vier weitere Anwälte für den Prozess zur Verfügung.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Weil das öffentliche Interesse am Kachelmann-Prozess riesig ist, hat das Gericht entsprechend strenge Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. Die Besucher, die zugelassen werden, müssen einen separaten Nebeneingang benutzen, Durchsuchungen der Taschen und der Einsatz von Metallsonden sind obligatorisch. Handys und Fotoapparate müssen abgegeben werden. Im Gerichtssaal hat es Platz für 86 Besucher.

Streng sind auch die Vorschriften für die 48 Medienschaffenden, die eine Akkreditierung erhalten haben. Sie dürfen weder Laptops noch Handys mit in den Verhandlungssaal nehmen. Nur die deutschen TV-Stationen ZDF und RTL dürfen im Gerichtssaal filmen. Zudem sind zwei Fotografen zugelassen. Ausserhalb des Gerichtsgebäudes wurde das Trottoir gesperrt und ein Sicherheitskorridor eingerichtet. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.09.2010, 06:01 Uhr

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2 Kommentare

Liselotte Weber

06.09.2010, 08:50 Uhr
Melden

die durch medien und gerichte vorverurteilung von kachelmann lässt gar einen "gerechten" prozess zu. ausser den zwei beteiligten weiss niemand, was wirklich geschehen ist. und beide hätten/haben grund nicht die wahrheit zu sagen. zu einer solchen "beziehung braucht es aber immer mind. zwei personen und wenn eine davon etwas nicht wahrhaben will, so kann es es mit leichtigkeit ausblenden Antworten


maja naef

06.09.2010, 07:01 Uhr
Melden

Ich drücke der Wahrheit die Daumen. Antworten



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