Panorama
Ihr Flug in die Aschewolke soll endlich Klarheit bringen
Aschewolke ist löchrig
Die Aschewolke aus Island ist nach Beobachtungen von Forschern löchrig. «Wir können mittlerweile sagen, dass es Zeiträume gibt, die kritischer sind und solche, wo die Luft rein ist», stellte der Atmosphärenforscher Cornelius Schiller am Montag in einer Mitteilung fest.
Die Wissenschaftler messen die Wolke mit einem Laserscanning- System zur optischen Erfassung von Partikeln in der Atmosphäre - Lidar genannt. Die Wolke sei eindeutig erkennbar in einer Höhe von 7,5 bis 10 Kilometern. Damit sei der für den innereuropäischen Flugverkehr wichtigste Höhenbereich «zunächst einmal potenziell belastet», hiess es weiter in der Mitteilung aus dem Forschungszentrum Jülich im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen.
Mit Lidar schicken die Wissenschaftler einen Laserstrahl in den Himmel und analysieren das aus der Atmosphäre zurückgestreute Licht. Die Wissenschaftler können so Partikel bis in eine Höhe von 15 Kilometern aufspüren.
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Am späten Nachmittag, aber spätestens bis 18 Uhr soll die zweistrahlige Falcon 20E vom Flugplatz Oberpfaffenhofen bei München starten. Wieso nicht schon früher? Es gab kein Flugzeug, das entsprechend ausgerüstet war. 50 Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sind seit Freitag daran, Messinstrumente in die Maschine einzubauen. Wichtigstes Gerät ist eine Art Laserkanone namens Lidar.
Professor Ulrich Schumann, Leiter des Instituts für Physik der Atmosphäre des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, erklärt die gefährliche Mission. «Wir fliegen zuerst in eine Richtung, wo die Konzentration niedrig ist. Das heisst, wir fliegen oberhalb der Wolke hoffentlich in sauberer Luft. Dann können wir das von oben beobachten und uns langsam herantasten.»
Messen von oben mit Laser
Durch ein Flugzeugfenster wollen die Forscher Laserlicht im Infrarotbereich nach unten schiessen - bis zum Boden oder bis zu der Aschewolke. Mit einem Teleskop messen sie dann, wie das Licht gestreut wird. Aus der Laufzeit und der Stärke des Signals können sie Entfernung und Konzentration der Ascheteilchen ablesen. Aber auch Partikelzähler und viele weitere Instrumente sind an Bord. «Wir erhoffen uns Wissen über die tatsächliche Verteilung der Vulkanaerosole, aber auch inbesondere über die Größe der Partikel und die Konzentration der Partikel.»
Die Messdaten werden von den Fluggesellschaften dringend erwartet. Sie hatten öffentlich bezweifelt, dass es einen Beweis für die Gefährdung des Luftverkehrs gebe. «Es gibt keine Zweifel, dass es diese Schicht gibt», sagte Schumann. Messflüge mit kleineren Maschinen haben schon stattgefunden. Dieser soll nun eine umfassende Sicht der Lage bringen.
Das zweistrahlige Forschungsflugzeug kann 12'000 Meter hoch und 3000 Kilometer weit fliegen. Die beiden erfahrenen Piloten haben mit der Falcon schon Wolken von Saharastaub durchflogen und auch sehr dünne Wolken von Vulkanasche aus Japan.
Herantasten an die Wolke
Dichte Vulkanasche sei allerdings weit gefährlicher: «Lava kann schmelzen im Triebwerk», erklärte der Professor. «Wie weit wir uns herantasten, entscheidet der Pilot in Absprache mit den Wissenschaftlern. Wir werden nicht direkt hineinfliegen - das wäre ein Hasardeurspiel.»
Neben den beiden Piloten und zwei Mechanikern sollen drei Wissenschaftler mit an Bord gehen - wahrscheinlich auch Schumann selbst. Drei bis vier Stunden werde der Messflug über Deutschland dauern.
Konkrete Daten am Dienstag
Einige Daten werden schon während des Fluges an Kollegen am Boden gefunkt. Erste Ergebnisse seien dann schon einige Stunden später zu erwarten, sagte der Professor. Sobald der Deutsche Wetterdienst verlässliche Daten über die Höhe und Verteilung der Aschewolken bekomme, könne er seine Vorhersage überprüfen. Ganz konkrete Auswertungen der Daten würden aber erst am Dienstag vorliegen. (cpm/ddp)
Erstellt: 19.04.2010, 16:11 Uhr
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