«Ihr werdet morgen von mir hören» – Tim K. kündigte Tat im Web an

Um 2.47 Uhr in der Nacht auf Mittwoch hatte Tim K. in einem Internetforum klar und deutlich vom bevorstehenden Gräuel geschrieben.

An der Pressekonferenz gibt der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech brisante Details zur Amoktat von Winnenden bekannt.

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Debatte über Echtheit von Internet-Eintrag

In einigen Internet-Foren wird angezweifelt, dass es sich bei dem angeblichen Eintrag von Tim K. am Mittwochmorgen um 2.47 Uhr tatsächlich um ein Posting des späteren Attentäters handelt. Einige sind der Meinung, es müsse sich um eine Fälschung handeln. Ein angeblicher Screenshot der Einträge sei erst im Nachhinein erstellt und dann in Umlauf gebracht worden. Auch nach der Pressekonferenz der baden-württembergischen Behörden ist man der Meinung, es handle sich um eine Photoshop-Arbeit. In mehreren Beiträgen amüsierten sich Teilnehmer über die angebliche Dämlichkeit der Massenmedien. Hat die Quelle von des Baden-Württembergischen Innenministers Heribert Rech aber die Wahrheit über die Uhrzeit des Postings gesagt, muss man es wohl ernstnehmen. Letzte Klarheit über die Echtheit der Nachricht wird wohl erst die Auswertung der Server-Daten durch die Ermittler bringen.

Nur Stunden vor der Tat schrieb der 17-jährige Tim K. einem gleichaltrigen Chatpartner aus Bayern: «Ich meine es ernst, ich habe Waffen hier. Ich werde morgen zu meiner Schule gehen. (...) Ihr werdet morgen von mir hören, merkt euch nur den Namen des Ortes Winnenden.» Das sagte Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech an einer Pressekonferenz in Waiblingen.

Laut Rech meldete sich der Vater des 17-Jährigen aus Bayern am Mittwochabend bei der Polizei und berichtete vom Internetchat seines Sohnes, der die Ankündigung nicht ernst genommen habe. Nach der Medienberichterstattung habe er sich dann an seinen Vater gewandt. In den Chatroom sei der Beitrag um 2.47 Uhr eingestellt worden. Darin habe es geheissen: «Scheisse (...) es reicht mir, ich habe dieses Lotterleben satt, immer dasselbe, alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial. Ich meine es ernst, ich habe Waffen hier, ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen. Vielleicht komme ich ja auch davon. Ihr werdet morgen von mir hören, merkt euch nur den Namen des Ortes: Winnenden. Und jetzt keine Meldung an die Polizei, keine Angst, ich trolle nur.»

Depressionen diagnostiziert

Der Chatpartner habe die Ankündigung nicht ernst genommmen, sagte Innenminister Rech weiter. Dann habe er LOL (Laughing out loud - Chatzeichen für Lachen) daruntergeschrieben.

Wie Rech weiter sagte, ergab sich aus einer in Tim K.s Zimmer gefundenen Bescheinigung der Bundeswehr zur Wehrdienstfähigkeit, dass der 17-Jährige seit 2008 wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung war. Er sei zunächst stationär behandelt worden und habe dann seine Behandlung ambulant fortsetzen sollen. Das habe er aber nicht getan.

«Die Eltern haben in ihrer Aussage bestätigt, dass ihnen die Krankheit grob bekannt war. Sie waren von der Tat allerdings sehr überrascht», sagte der Waiblinger Polizeichef Ralf Michelfelder. Sie hätten ihrem Sohn eine solche Tat niemals zugetraut. Auch nicht aufgrund der psychischen Erkrankung. Die Eltern seien während des Verhörs nicht weiter in der Lage gewesen, Auskunft zu erteilen. Das Verhör sei deshalb abgebrochen worden.

Ermittlungen gegen Vater

Der Leiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Siegfried Mahler, sagte, der 17-Jährige habe zuletzt ein Berufskolleg besucht zur Vorbereitung auf einen kaufmännischen Beruf. Auf seinem Computer seien Pornobilder gefunden worden. Er habe sich zudem mit Gewaltspielen beschäftigt. Bei Tim K. habe es vorher keine Hinweise auf eine Amoktat gegeben.

Gegen den Vater wurde bislang kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Hans-Dieter Wagner, Leitender Polizeidirektor von Esslingen, bestätigte, dass Tim K. sich selbst gerichtet habe. Er habe sich mit seiner eigenen Waffe erschossen. (cpm)

Erstellt: 12.03.2009, 15:51 Uhr

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