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«In den Alpen beginnt es morgen schon wieder zu quellen»
Aktualisiert am 03.07.2012 66 Kommentare
Feuerwehrkommandant Kari Oberholzer über die Auswirkungen der starken Regenfäll im Raum Dübendorf. (Video: Keystone )
Die starken Regenfälle beschäftigen die Rettungskräfte: Feuerwehren im Dauereinsatz. (Video: Jan Derrer)
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Die Schweiz erhält wettermässig eine kleine Verschnaufpause. Die heftigen Niederschläge, die seit dem Wochenende zu angeschwollenen Gewässern, Schlammlawinen und Hagelschäden führten, lassen laut Meteo Schweiz weiter nach. «Das Schlimmste ist vorerst wohl vorbei», sagt Meteorologe Heinz Maurer gegenüber baz.ch/Newsnet.
Doch die Ruhe ist mit Vorsicht zu geniessen: In der aktuellen Situation – sehr feuchte, sehr warme Luft – seien Schauer weiterhin möglich. Ab Donnerstag muss dann wieder mit heftigen Niederschlägen gerechnet werden. «In den Alpen beginnt es morgen schon wieder zu quellen», sagt Maurer. Das heisst: warme, feuchte Luft steigt auf und kühlt sich in der Folge ab.
Von Donnerstagmittag bis Freitag müssen wir laut Maurer dann wieder mit extremen Niederschlägen rechnen. Insbesondere das Wallis, das Tessin und das Berner Oberland dürften nach Einschätzung von Meteo Schweiz betroffen sein.
Pässe wieder offen
Das Berner Oberland wird derzeit auch vom Bundesamt für Umwelt genau beobachtet. Gestern setzten die Behörden den abgeschwollenen Brienzersee auf Gefahrenstufe 4 von 5. Über Nacht ist sein Pegel zwar wieder etwas gesunken, derzeit liegt er auf Stufe 3. Man sei aber auf der Hut, sagt eine Mediensprecherin. Noch sei schwierig zu sagen, was ab Donnerstag geschehe. «Es kann aber sein, dass sogar noch mehr Regen fällt als am Wochenende.»
Seit heute Morgen ist der Grimselpass wieder offen. Das Geröll, das die starken Regenfälle vom Sonntag auf die Strasse geschwemmt hatten, wurde weggeräumt. Auch der Furkapass konnte heute wieder freigegeben werden. Schon seit gestern Nachmittag wieder offen ist der Sustenpass. Weiterhin gesperrt bleibt laut der SDA der Nufenenpass.
«Tendenz zur Zunahme»
Unabhängig von einzelnen Unwettern beobachten Schweizer Forscher eine Abnahme der Niederschläge im Sommer. Diese werden immer trockener und heisser. Das heisst aber nicht, dass es nicht mehr regnet – sondern auf extremere Art und Weise. «Weltweit sehen wir eine klare Zunahme von Hitzewellen, Trockenperioden und starken Niederschlägen, die eindeutig mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel zu tun haben. Das wird sich auch in Zukunft so weiterentwickeln», sagt Reto Knutti, Professor am Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaft der ETH Zürich.
Was für die Welt als gesichert angesehen wird, gilt mit geringerer Evidenz auch für die Schweiz: «Es gibt eine Tendenz zur Zunahme extremer Wetterereignisse», so Knutti. Die Niederschläge vom Wochenende stuft er als relativ extremes Wetterereignis ein. «Doch Vorsicht», sagt Knutti, «man kann ein einzelnes Ereignis nie direkt dem Klimawandel zuordnen. Einzig die Häufigkeit könnte zunehmen.»
Was Hagelgewitter angeht, wie Zürich am Sonntag eines erlebte, sind fundierte Aussagen noch schwieriger. Ein Bericht zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz kommt zum Schluss, dass über eine allfällige Zu- oder Abnahme von Hagel keine verlässlichen Aussagen gemacht werden können.
Normale Regenperiode
«Hagel und Gewitter allgemein sind lokale Phänomene, was generelle Aussagen erschwert», sagt Stephan Bader, Klimatologe bei Meteo Schweiz. Ausserdem gebe es keine Langzeiterhebung dazu. Bader verweist jedoch auf ein Forschungsprogramm aus den 90er Jahren. Damals stellten Wissenschaftler der ETH fest, dass die Bereitschaft der Atmosphäre für Hagel zunehmend gestiegen war. «Das wiederum bedeutet jedoch nicht, dass es auch mehr Niederschlag gibt. Dafür hängt das zu sehr von der aktuellen Wetterlage ab», so Bader.
Ausserdem sei die aktuelle Regenperiode normal: In den letzten Jahrzehnten sei dieses Wetter in der ersten Julihälfte regelmässig zu beobachten gewesen. Bald aber stehe der richtige Sommer an: «Die vier Wochen von Mitte Juli bis Mitte August, die stehen uns zu», so Bader. (ami)
Erstellt: 03.07.2012, 12:55 Uhr
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