Italien beweint seine Erdbebentoten
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Für das Staatsbegräbnis in L'Aquila waren Holzsärge in vier Reihen auf dem Paradeplatz einer Polizeischule aufgestellt. Fernsehsender brachten den Italienern diese Bilder aus der zerstörten Stadt in die Wohnzimmer. Überall im Land gedachte man der Toten, unter denen auch 20 Kinder sind. Die Fernsehkameras zeigten immer wieder tief gebeugte Menschen. Viele folgten mit geschlossenen Augen und voller Gram in den Gesichtern den Worten des Trostes, die Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone während der Totenmesse zu übermitteln versuchte. Andere blickten mit tränenverschleierten Augen ins Leere.
Weisse Lilien und Orchideen schmückten die 205 Särge - darunter kleine weisse mit Kinderleichen auf den grösseren braunen ihrer toten Mütter. Bleich im Gesicht nach ihren nächtelangen Einsätzen, die Helme unter dem Arm, verfolgten Feuerwehrleute die Zeremonie. Auch Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi und Staatspräsident Giorgio Napolitano waren nach L'Aquila gekommen. Währenddessen gedachte ein Imam der sechs Muslime unter den Opfern.
Tränen und Angst
Neben den Tränen die Angst: Tausendfach hat die Erde in den mittelitalienischen Abruzzen seit der mächtigen nächtlichen Erschütterung vom vergangenen Montag gebebt. Und auch während er Totenmesse rumpelte sie. Über seinen Privatsekretär Georg Gänswein stärkte Papst Benedikt XVI. den Betroffenen den Rücken. In diesen Stunden einer unermesslichen Tragödie würde er Gott inständig darum bitten, «dass alle den Mut haben, weiter zu hoffen und dabei nicht der Verzagtheit zu erliegen».
«L'Aquila ist nicht aufgegeben, weder von Gott noch von den Menschen», sagte der Erzbischof von Chieti, Bruno Forte. Am fünften Tag nach dem Beben ist Italien auch stolz darauf, gemeinsam angepackt und rasch Hilfe geleistet zu haben. Und immer wieder wird in L'Aquila eine bessere Zukunft beschworen. «Vom heutigen Tag muss ein Signal für die Zukunft ausgehen, denn L'Aquila wird wieder auferstehen», sagte Forte. Ohne viel Hoffnung wurde in den Trümmern weiter nach Verschütteten gesucht. Bis zum Ostersonntag wollen die Helfer noch nach Überlebenden graben, dann wird die Aktion eingestellt.
Nachbeben erschüttern die Menschen
Hunderte Nachbeben haben ihre verzweifelte Suche in den vergangenen Tagen erschwert. Eine Mutter und ihre Tochter Tochter kamen bei einem Nachbeben am Donnerstag um. Das Erdbeben der Stärke 5,8-6,2 am Montagfrüh war das verheerendste in Italien sei 1980. Damals kamen im Süden bis zu 3000 Menschen um.
Der Wiederaufbau dürfte angesichts Zehntausender zerstörter Häuser nach Schätzungen der Regierung 1,2 Milliarden Euro kosten. Ganze Orte müssen neu aufgebaut werden. «Ich garantiere, dass wir jetzt alle notwendigen Finanzmittel auftreiben», versprach Berlusconi. Er hatte zunächst ausländische Hilfsangebote abgelehnt, erklärte am Freitag jedoch, dass die EU Wiederaufbauhilfe von bis zu 500 Millionen Euro leisten werde. (vin/oku/sda)
Erstellt: 10.04.2009, 16:32 Uhr
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