«Japanische Autos wurden aufs Dach gedreht»

Leserreporter Michael Schiess, Mitarbeiter der Intercontinental Hotel Group in Shenzhen, hat die anti-japanischen Proteste hautnah miterlebt.

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Wie haben Sie die Proteste am Dienstag erlebt?
Hier in Shenzhen haben seit dem Wochenende zwei grosse Demonstrationen stattgefunden, eine am Sonntag und eine am Dienstag. Die Demonstration gestern war die deutlich grössere. Gegen sechs Uhr abends waren bestimmt mehrere Zehntausend Menschen auf den Strassen der Innenstadt. Wie viele es genau waren, ist sehr schwierig abzuschätzen. Die Menschenmengen haben den öffentlichen Verkehr in der Innenstadt komplett lahmgelegt, weder die Metro noch Busse fuhren in der Gegend, wo demonstriert wurde.

Hat sich die Demonstration nur gegen Japan gerichtet, oder gab es auch andere Anliegen?
Soweit ich mitbekommen habe, war es vor allem eine Anti-Japan-Demonstration. Vereinzelt waren auch regierungskritische Slogans zu sehen oder zu hören. Ich kann zwar selber nicht chinesisch lesen, hatte aber einen Übersetzer dabei.

Gab es Ausschreitungen und Festnahmen?
Ich habe die Stimmung nicht so aggressiv erlebt wie an manchen Demonstrationen in Westeuropa. Es gab schon ein gewisses Aggressionspotenzial. Ich habe gesehen, wie Demonstranten ein japanisches Auto auf das Dach gedreht haben. Aber es war nicht so, dass alles klein geschlagen wurde. Die Armee war mit einem Aufgebot von mehreren Tausend Mann vor Ort, um Ausschreitungen zu verhindern. Das war schon eindrücklich. Anscheinend hat die Abschreckung gewirkt.

Gab es sonstige Aggressionen gegen japanische Geschäfte oder Anschläge auf japanische Unternehmen?
Viele japanische Geschäfte, Restaurants und Unternehmen haben sich seit dem Wochenende verbarrikadiert. Rollläden wurden heruntergelassen, Leuchtreklamen und Firmenschilder abgedeckt. Die Behörden warnten, man solle nicht mit japanischen Autos herumfahren. Fabriken oder Firmensitze grosser japanischer Unternehmen gibt es keine in dem Viertel, wo die Demonstration stattfand. Von Anschlägen auf Fabriken ausserhalb der Innenstadt habe ich nichts gehört.

Wie ist die Situation heute?
Ich befinde mich heute in einem anderen Stadtteil, etwa 15 Autominuten von der Innenstadt entfernt. Hier ist es heute völlig ruhig. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.09.2012, 13:40 Uhr

Der Schweizer Michael Schiess lebt seit eineinhalb Jahren in der Wirtschaftsmetropole Shenzhen. (Bild: PD)

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