Panorama

Jesuitenpater missbrauchte noch mehr Schüler

Aktualisiert am 02.02.2010

Ein in den Berliner Missbrauchsskandal verwickelte Jesuitenpater hat im Bistum Hildesheim nach Angaben der katholischen Kirche weitere Taten verübt.

Tatort Schule: Im Jesuiten-Gymnasium Canisius-Kolleg in Berlin wurden über Jahre Knaben missbraucht.

Tatort Schule: Im Jesuiten-Gymnasium Canisius-Kolleg in Berlin wurden über Jahre Knaben missbraucht.
Bild: Reuters

Des heurts ont éclaté hier dans le quartier de la Sorbonne, à Paris.  (epa)

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Missbrauchsskandal

Ermittlungen auch im Schwarzwald

Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt auch wegen möglicher Fälle von sexuellen Übergriffen an einem Jesuiten-Kolleg im Südschwarzwald. Die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen nannte am Dienstag als Zweck des Verfahrens, die der Schulleitung bekannten Fälle von Missbrauch aufzudecken. Geprüft werden soll auch, ob eine strafrechtliche Verfolgung überhaupt noch möglich ist. Denn möglicherweise ist der sexuelle Missbrauch von Schülern durch einen Pater bereits verjährt. Der Direktor des Kollegs, Johannes Siebner, hatte bereits am Wochenende darauf hingewiesen, dass einer der beiden Lehrer, die als Täter am Canisius-Kolleg in Berlin genannt worden waren, später (1982 bis 1984) auch Lehrer im Schwarzwald gewesen sei. «Ich muss davon ausgehen und gehe davon aus, dass es durch ihn auch am Kolleg St. Blasien Fälle von sexuellem Missbrauch gegeben hat», erklärte der Schulleiter. (ddp)

Während der Tätigkeit des Paters Peter R. im Bistum Hildesheim in den Jahren 1982 bis 2003 sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen. Mindestens in einem Fall sei das Opfer eine Minderjährige gewesen, teilte das Bistum am Dienstag mit. Man habe die Tragweite der Vorwürfe seinerzeit aber unterschätzt.

Nach Angaben des Bistums informierte im Jahr 1993 eine Mutter den damaligen Hildesheimer Bischof Josef Homeyer darüber, dass der Pater ihre 14-jährige Tochter unsittlich berührt habe. «Daraufhin wurde Peter R. die Jugendarbeit verboten, dieses Verbot aber nicht konsequent durchgehalten.» Im Jahr 1997 seien dem Pater Unregelmässigkeiten in seiner Amtsführung und weitere sexuelle Belästigungen vorgeworfen worden. Daraufhin sei dieser aus seiner damaligen Gemeinde versetzt worden.

Vorwürfe zu wenig ernst genommen

Der emeritierte Hildesheimer Bischof Homeyer bedauerte seine damalige Haltung zutiefst. «Aus heutiger Sicht haben wir die Vorwürfe zu wenig ernst genommen und die Tragweite der weiteren Entwicklungen eindeutig unterschätzt», sagte er.

Der Hildesheimer Domkapitular Heinz-Günter Bongartz betonte, mittlerweile gehe man jedem Verdacht auf sexuellen Missbrauch entschieden nach und setze sich intensiv mit Opfer und Täter auseinander. Bongartz ist Beauftragter für Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum Hildesheim.

2003 in den Ruhestand versetzt

Täter müssten disziplinar-, zivil- und strafrechtliche Konsequenzen fürchten, betonte er. Das Bistum prüfe derzeit, ob R. möglicherweise weitere Personen sexuell missbraucht habe.

Der Jesuitenpater wurde den Angaben zufolge 1982 in die Jesuiten-Niederlassung Göttingen im Bistum Hildesheim versetzt und übernahm dort die Aufgabe eines Jugendseelsorgers. Ab 1989 verwaltete er in Hildesheim die Pfarrei «Guter Hirt». 1995 verliess er den Jesuitenorden und wurde Priester im Bistum Hildesheim. Nach Stationen als Seelsorger in Wolfsburg, Berlin und Hannover wurde er 2003 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt. Anschliessend sei er nach Berlin gezogen, heiss es. (vin/ddp)

Erstellt: 02.02.2010, 16:18 Uhr

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