Jörg Kachelmann will Ruhe nach dem Sturm

Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 21.08.2010

In der Firma des angeklagten Moderators wird aufgeräumt. Der Chef pausiert.

Die Wetterstation von Meteomedia im appenzellischen Gais.

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Bild: Keystone

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Kachelmann ist frei

Kachelmann ist frei
Der TV-Wetterfrosch wurde am 29. Juli 2010 aus der U-Haft in der Justizvollzugsanstalt Mannheim entlassen.

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«Dank treuer Kunden und engagierter Mitarbeiter hat Meteomedia den heftigen Sturm der letzten Monate überstanden.» So beginnt die neueste Medienmitteilung des Wetterdienstleisters aus dem Appenzellischen. Die Meteorologen um Firmengründer Jörg Kachelmann wissen inzwischen aus Sicht von Betroffenen, dass ein heftiger Sturm auch in einem Unternehmen Schäden hinterlässt. Und Opfer. Unklar blieb das Ausmass.

132 Tage hatte Moderator und Unternehmer Kachelmann wegen des von ihm bestrittenen Vergewaltigungsvorwurfs in Untersuchungshaft gesessen. In dieser Zeit tobte in seiner Meteomedia ein Machtkampf. Gestern nun informierten die Sieger die Mitarbeiter über den Ausgang der zum Teil öffentlich geführten Auseinandersetzung, über Konsequenzen in der Chefetage und über den Geschäftsgang.

Geschäftsführung abgesetzt

Im Streit aus dem Verwaltungsrat geschieden ist Frank B. Werner. Der Münchner Verleger hatte dem inhaftierten Kachelmann die Kontrolle über das Unternehmen entreissen wollen – dies, wie er sagt, um einen Imageschaden von der Firma abzuwenden. Doch Kachelmann setzte sich durch, da er mit seinen Aktien sein Lebenswerk kontrolliert. Werner bleibt mit mehr als einem Drittel Anteil zweitgrösster Teilhaber. Abgesetzt wurde – wie beide Konfliktparteien bestätigen – auch die Geschäftsführung des deutschen Meteomedia-Teils mit Lars Quiring und Kristina Schless, die dem Werner-Lager zugerechnet wird.

An den Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten im schweizerisch-deutschen Wetterimperium beteiligt sich die Person, um die sich alles dreht, nur am Rande. «Jörg Kachelmann lässt zurzeit seine Position im Verwaltungsrat ruhen», heisst es, «damit er sich auf den Prozess vorbereiten kann.» Ab 6. September steht er in Mannheim zwei Monate vor Gericht.

Schlechte Zeiten, gute Zahlen

Wichtigster Mann bei Meteomedia ist mindestens bis zum Urteil Finanzchef Norbert Steffen. Als Vizepräsident leitet der Ostschweizer statt Kachelmann den Verwaltungsrat. Neu im Gremium Einsitz nehmen der Zürcher Wirtschaftsanwalt Martin Kurer, der Bruder des Ex-UBS-Präsidenten Peter Kurer, und der 70-jährige deutsche Jurist Dietmar Gamp.

Die erneuerte Unternehmensspitze versuchte gestern vor dem Grossteil der 105 Mitarbeiter die Befürchtungen der Kachelmann-Kritiker zu zerstreuen, dass die schlechten Zeiten für den Firmengründer auch schlechte Zeiten für das Geschäft seien: Stolz vermeldeten sie, dass Meteomedia vergangenes Jahr sowohl die Zahl der Kunden als auch den Umsatz um rund ein Zehntel steigern konnte. Rund die Hälfte des Geschäfts macht die Firma mit TV- und Radiostationen. Wachstum erzielt sie aber vor allem, indem sie vermehrt Wetterdaten an Versicherungen, Energie- oder Transportunternehmen liefert. Auch während Kachelmanns Untersuchungshaft seien neue Kunden aus diesen Bereichen dazugekommen, hiess es an der internen Informationsveranstaltung – und kaum welche abgesprungen.

Verbindung zur Ex-Frau gelöst

Zudem wurden laut Steffen alte Verflechtungen aufgelöst. Beim bekennenden Chaoten Kachelmann hatten sich Persönliches und Geschäftliches oft überlagert. So hatte eine frühere Ehefrau des Meteorologen die Wettergrafiken geliefert. Nun erst hat sie diesen Geschäftsteil Meteomedia verkauft. Die Frau ist seit längerem mit Kachelmanns Widersacher Werner liiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2010, 06:50 Uhr

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