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Sibirischer Winter stürzt Italien ins Chaos

Aktualisiert am 08.02.2012 23 Kommentare

Italien beklagt bereits 40 Kältetote und tut sich schwer mit dem extremen Winterwetter. In Teilen Italiens ist das öffentliche Leben lahmgelegt. Aber nicht nur, weil der Zivilschutz versagt hat.

1/11 Erschwerte Fortbewegung: Gefrorener Kanal in Venedig. (7. Februar 2012)
Bild: Keystone

   

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Russische Temperaturen in der Schweiz

Russische Temperaturen in der Schweiz
Ein Kältehoch aus Russland beschert der Schweiz diese Woche eisige Temperaturen.

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Die Kältewelle hat Europa fest im Griff. (Quelle: Reuters)

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Der Kältewelle in Italien sind mindestens 40 Menschen zum Opfer gefallen. Allein am Dienstag verloren elf Personen ihr Leben, wie italienische Medien berichten. Zu den neuen Opfern gehörten zwei erfrorene Obdachlose in Monza und Ferrara sowie ein geistig gestörter Mann, der nahe Genua erfroren aufgefunden wurde. Das extreme Winterwetter hat Italien fest im Griff: Im Norden werden Temperaturen von minus 25 Grad Celsius gemessen, Mailand erlebt die kälteste Periode seit 1956, selbst im Süden des Landes schneit es heftig.

Und am Wochenende kommt Prognosen zufolge eine neue Kältewelle auf Italien zu, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet.

Unterschiedliche Wetterprognosen

Die Regierung von Mario Monti hat den Italienerinnen und Italienern versprochen, dass die Behörden diesmal mit grösserer Entschlossenheit die Probleme angehen werden. Das Chaos der letzten Tage, insbesondere am Wochenende in Rom, zeigte, dass Italien Krisensituationen, wie sie die Kältewelle mit den heftigen Schneefällen gebracht hat, nicht meistern kann. Die italienische Zeitung «Repubblica» nennt zehn Gründe, die zum Chaos führten.

Gegenstand der Polemiken, die bei Naturkatastrophen in Italien regelmässig ausgetragen werden, sind zum Beispiel die Wetterprognosen, die teilweise derart unterschiedlich waren, dass sie nicht zur Alarmierung für den Notstand taugten. So haben einige Regionen wie das Piemont oder die Emilia-Romagna eigene meteorologische Anstalten, deren Vorhersagen immer wieder substanziell anders ausfallen als die Prognosen des nationalen Wetterdienstes in Rom.

Späte und ungenügende Reaktion des Zivilschutzes

In der Kritik steht insbesondere der nationale Zivilschutz, der zu spät und mit unzureichenden Mitteln auf den Notstand reagiert haben soll. Der Zivilschutzchef Franco Gabrielli hat inzwischen die Vorwürfe zurückgewiesen. So beklagte er, dass seine Organisation vor einem Jahr vom Parlament praktisch völlig entmachtet worden sei und seither «nicht mehr operativ» tätig sein könne.

Der tatsächliche Grund ist, dass das Zivilschutzamt selbst in Krisensituationen nicht sofort nach eigenem Ermessen auf finanzielle Mittel zurückgreifen kann. Dazu braucht es nämlich die Ermächtigung durch das Wirtschaftsministerium sowie den Rechnungshof. Auch die regionalen und lokalen Behörden brauchten wegen gesetzlicher Behinderungen zu lange, bis sie die Regierung in Rom um Hilfe baten. Inzwischen hat Ministerpräsident Monti gemäss der «Repubblica» dem Zivilschutz mehr Geld und mehr Kompetenzen in Aussicht gestellt.

Zu wenige Streufahrzeuge und Schneepflüge

Probleme wegen der ungewöhnlichen Witterungsbedingungen gibt es zuhauf, und sie betreffen die lebenswichtigen Infrastrukturen des Landes. Behinderungen gibt es zum Beispiel im Strassen- und Eisenbahnnetz überall dort, wo es stark schneite. Auf den Autobahnen stehen Lastwagen in kilometerlangen Staus, gleichzeitig häufen sich Autounfälle. Züge können wegen vereister Weichen nicht verkehren. In Teilen Italiens drohen offenbar Engpässe bei der Strom-, Gas- und Wasserversorgung. Schulen müssen geschlossen werden, das öffentliche Leben ist teilweise lahmgelegt.

Es gibt zu wenige Streufahrzeuge und Schneepflüge, ebenfalls zu wenig Personal, das für Räumungsarbeiten eingesetzt werden kann. In den Städten müssen tausende Plätze für Obdachlose bereitgestellt werden. Gerade Obdachlose gelten neben alten, kranken Menschen zu den Bevölkerungsgruppen, die Opfer der Kälte werden könnten.

Ausgehungerte Wölfe tauchen in Dörfern auf

In Mittelitalien gibt es inzwischen Dörfer, die derart zugeschneit wurden, dass sie praktisch von der Umwelt abgeschottet sind. In der Stadt L'Aquila in den Abruzzen, die 2009 von einem Erdbeben zerstört wurde, fürchteten die eingeschneiten Bewohner eine Lebensmittelknappheit. Zugleich meldeten sie, ausgehungerte Wölfe seien im nahegelegenen Dorf Trasacco aufgetaucht. Und das Unwetter wird noch eine Weile andauern.

Artikel mit Material der Nachrichtenagenturen sda, dapd und afp. (vin)

Erstellt: 08.02.2012, 18:18 Uhr

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23 Kommentare

Peter Brunold

08.02.2012, 19:55 Uhr
Melden 52 Empfehlung

In Italien bricht der Notstand immer dann aus wenn's zuviel Regnet, zuviel Schneit, zuviel Sonne hat oder wie auch immer die Meteo ausfällt. Keiner ist bereit, vor seiner eigener Haustüre den Schnee wegzuschaufeln denn jeder meint, der Staat sei dazu da. Sitzt er in seinem eingeschneiten Auto, wartet er bis der Frühling kommt...ist er bis dahin nicht vorher verfroren. Bella italia, dove vai?? Antworten


Verena Schär

08.02.2012, 19:26 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Übrigens ist es unverständlich, dass die Autobahnen so aussehen. Die Autobahngebühren werden nicht vom Staat erhoben sondern von einer Privatfirma. Es ist nicht der Staat für den Unterhalt zuständig. Also soll doch der Staat die Firma zwingen, die Autobahnen besser zu unterhalten, denn die Millionen/Milliarden sacken die Privaten ein. Antworten



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