Lebensmittel gibts nur noch für Frauen

Bei den Hilfsaktionen für die Opfer des verheerenden Erdbebens in Haiti kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten. Inzwischen entschuldigte sich Präsident René Préval für sein Schweigen.

1/39 Bei der Verteilung von Lebensmitteln gibts chaotische Szenen.
Bild: KEYSTONE/AP

Nach Drängeleien bei der Verteilung von Hilfsgütern will die Uno Lebensmittel in erster Linie nur noch an Frauen abgeben. In Port-au-Prince seien 16 feste Verteilstationen eingerichtet, sagte Marcus Prior, Sprecher des Welternährungsprogramms (WFP), am Samstag.

In den kommenden beiden Wochen sollen auf diese Weise zwei Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Bislang hatte das WFP etwa 600'000 Menschen erreicht. Jede Familie soll unter anderem einen Sack mit 25 Kilo Reis erhalten. Das Welternährungsprogramm will mit der Uno-Mission in Haiti und der US-Armee eng zusammenarbeiten, um Ausschreitungen bei den Verteilungen zu verhindern. Die haitianische Regierung hat das Weiterverkaufen von Lebensmittelhilfe für illegal erklärt.

Streit um Arztkosten

Vermutlich wegen eines Disputs über die Begleichung von Arztkosten ist die Evakuierung von verletzten Erdbebenopfern aus Haiti in die USA vorerst gestoppt worden. Schon seit vergangenem Mittwoch würden keine Haitianer mehr von der US-Luftwaffe ausgeflogen, teilte Hauptmann Kevin Aandahl am Samstag mit und bestätigte damit einen Bericht der «New York Times». Am Dienstag hatte der Gouverneur von Florida, Charlie Crist, die Regierung in Washington aufgefordert, für die medizinische Behandlung der Erdbebenopfer aufzukommen.

Ein Sprecher von Crist erklärte am Sonntag, ihm seien keine Fälle bekannt, in denen Krankenhäuser in Florida Kranke oder Verletzte aus Haiti abgewiesen hätten. Man fühle sich deren medizinischer Versorgung weiterhin verpflichtet. Aandahl zufolge haben sich indes mehrere US-Staaten unwillig gezeigt, für die Behandlungskosten aufzukommen. Deshalb sei ein Transport der Opfer selbst in kritischen Fällen unmöglich geworden. Genannt wurden diese Staaten nicht.

Präsident Préval entschuldigt sich

Der haitianische Präsident René Préval hat sich bei der Bevölkerung für sein langes Schweigen nach dem Erdbeben entschuldigt. «Ein Präsident ist auch nur ein Mensch und der grosse Schmerz ist stumm», sagte er in seinem ersten Interview mit dem einheimischen Sender TVC am Samstag. Er selbst sei dem Erdbeben nur entkommen, weil er den Präsidentenpalast wegen eines Termins früher als sonst verlassen habe. Kurz vor dem Beben hielt er sich in seiner Residenz auf und spielte mit einem seiner Enkelkinder im Hof. «Mein erster Reflex war, das Kind mit meinem Körper zu beschützen.»

Später sei er mit einem Motorrad-Taxi durch die Stadt gefahren, um sich einen Überblick über das Ausmass der Schäden zu verschaffen. «Ich fühlte mich erschlagen und ohnmächtig angesichts der Katastrophe.» Das Erdbeben zerstörte sowohl den Präsidentenpalast als auch die Residenz und fast alle Ministerien. Derzeit hält sich die Regierung in einem Polizeigebäude nahe des Flughafens auf. Die für Ende Februar geplanten Wahlen sollen voraussichtlich um zwei Jahre verschoben werden.

(vin/sda/ddp)

Erstellt: 30.01.2010, 22:53 Uhr

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