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Loveparade-Tragödie: Festivalgelände war für maximal 250'000 Menschen ausgelegt
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Nach mehrere Medienberichten sollen unter anderem Polizei und Feuerwehr zum Teil schon Monate vor der Veranstaltung Vorbehalte gegen das Sicherheitskonzept geäussert haben. Eine Sprecherin der Stadt bestätigte unterdessen auf DAPD-Anfrage, dass das Festivalgelände für maximal 250'000 Menschen ausgelegt war. Zur Loveparade vor zwei Jahren in Dortmund waren nach damaligen Veranstalterangaben rund 1,6 Millionen Menschen gekommen, die sich allerdings nicht alle zeitgleich auf dem dortigen Festivalgelände aufgehalten hatten.
Wie der «Kölner Stadt-Anzeiger» berichtet, soll der Direktor der Duisburger Berufsfeuerwehr bereits im Oktober vergangenen Jahres den Oberbürgermeister der Stadt, Adolf Sauerland (CDU), schriftlich davor gewarnt haben, die Veranstaltung auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs stattfinden zu lassen. Sinngemäss habe es geheissen, dass der Platz für die zu erwartenden Besuchermassen nicht ausreiche. Erfahrene Hundertschaftsführer der Polizei hätten zudem kritisiert, dass mit dem späteren Unglückstunnel nur ein Ein- und Ausgang für das Festivalgelände vorgesehen war.
Laut «Spiegel Online» soll ein Sachbearbeiter im Duisburger Amt für Baurecht und Bauberatung die Organisatoren zudem von der Vorschrift befreit haben, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Auch auf Feuerwehrpläne sei verzichtet worden.
Untersuchungskommission gefordert
Angesichts der Geschehnisse erhob Deutschlands führender Konzertveranstalter Marek Lieberberg schwere Vorwürfe gegen die Stadt Duisburg und die Veranstalter der Loveparade. «Befruchtet haben sich die Geltungssucht der Lokalpolitik, die Profitsucht der Veranstalter, auf beiden Seiten gut gedüngt durch totalen Amateurismus. Das ist kein tragisches Unglück, sondern ein Verbrechen», sagte Lieberberg der «Süddeutschen Zeitung».
Ähnlich äusserte sich der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Dem Nachrichtensender N24 sagte er, der übermächtige Wunsch, die Loveparade unbedingt nach Duisburg zu holen, habe möglicherweise dazu geführt, «dass Sicherheitsbedenken eben nicht geäussert oder beiseite gewischt wurden». Der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» sagte der gebürtige Duisburger zudem, er habe schon vor einem Jahr gesagt, dass die Stadt für derartige Grossveranstaltungen zu eng sei. Der Vorsitzende der Deutschen Polizei-Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, Frank Richter, sagte auf WDR 5, Stadt und Veranstalter hätten den Massenansturm unterschätzt.
Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, forderte eine unabhängige Untersuchungskommission aus Fachleuten aus Sicherheitsbehörden und Rettungsdiensten, die nicht aus dem Duisburger Umfeld stammen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verlangte im Deutschlandradio Kultur eine Überprüfung der Sicherheitskonzepte aller Grossveranstaltungen in Deutschland.
Sauerland lässt politische Zukunft offen
Die Stadt Duisburg will unterdessen mit einer Trauerfeier der Opfer gedenken. Oberbürgermeister Sauerland sagte auf WDR 2, zur Vorbereitung würden derzeit Gespräche mit den Duisburger Kirchen geführt. Zudem sollten im Laufe des Tages Kondolenzbücher ausgelegt werden. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) ordnete an den öffentlichen Gebäuden in Nordrhein-Westfalen Trauerbeflaggung an.
Seine politische Zukunft liess Sauerland offen. Er werde sich der Frage nach der Verantwortung stellen, sagte er. Zunächst jedoch müssten die Ereignisse vom Wochenende aufgearbeitet und die «vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild» zusammengefügt werden. Nach dem Unglück bei der Loveparade am Samstag war vielfach der Rücktritt des Duisburger Oberbürgermeisters gefordert worden.
Bei der Massenpanik am Samstag waren nach 19 Menschen getötet und 342 zum Teil schwer verletzt worden. Unter den Toten sind elf Frauen und acht Männer sowie elf Deutsche und acht junge Leute mit ausländischem Pass. (sam/dapd)
Erstellt: 26.07.2010, 14:08 Uhr



















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