Loveparade-Veranstalter öffnete Tore zu spät

Aktualisiert am 28.07.2010

Soeben haben Innenminister und Polizeiinspektor von Nordrhein-Westfalen über die bisherigen Erkenntnisse zum Unglück mit 21 Toten informiert. Sie erheben schwere Vorwürfe an den Veranstalter.

Stau vor dem Tunnel: Innenminister Ralf Jäger (links) und Polizeiinspektor Dieter Wehe mit Bildern vom Unglücksort am Mittwoch bei der Pressekonferenz.

Stau vor dem Tunnel: Innenminister Ralf Jäger (links) und Polizeiinspektor Dieter Wehe mit Bildern vom Unglücksort am Mittwoch bei der Pressekonferenz.

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Tragödie an der Loveparade

Tragödie an der Loveparade
Die Loveparade 2010 ist von einer beispiellosen Tragödie überschattet worden: Bei einer Massenpanik rund um das Veranstaltungsgelände gab es am späten Samstagnachmittag 21 Tote und über 300 Verletzte.

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Gleich zu Beginn der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag liess der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger keinen Zweifel an seiner Einstellung aufkommen. Er finde es «unerträglich», so der Minister, «dass Verantwortung auf Seiten des Veranstalters der Loveparade und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird».

Anschliessend machte Jäger gemeinsam mit Polizeiinspektor Dieter Wehe deutlich, wer ihrer Ansicht nach an der Loveparade versagt hat: der Veranstalter – und nicht die Polizei. Die Verantwortung für eine Veranstaltung liege innerhalb des abgesperrten Bereichs alleine beim Veranstalter, so Jäger. Polizeiinspektor Wehe zählte auf, wo aus seiner Sicht gravierende Fehler begangen wurden.

  • Das Veranstaltungsgelände sollte laut Planung gegen 11 Uhr oder bei Bedarf bereits um 10 Uhr geöffnet werden. Tatsächlich sei es erst um 12.04 Uhr geöffnet worden, weil auf dem Gelände noch planiert worden sei. «Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits grosse Rückstaus an den Einlassschleusen gebildet.»
  • Die Sicherheitskräfte hätten es nicht geschafft, die Zuschauer von der Rampe wegzubringen, wo sie den Lovemobilen zugesehen hätten. Die Polizei hatte zuvor auf dieses mögliche Problem hingewiesen. «Der Veranstalter hatte auf seine Erfahrungen aus den zurückliegenden Loveparades verwiesen (...) und zugleich erklärt, dass (...) die Musiksattelschlepper die Teilnehmer in den Veranstaltungsraum mitziehen würden.» Als dies nicht geschehen sei und der Stau immer grösser wurde, habe er um 15.30 Uhr die Polizei um Hilfe gebeten. 2
  • Die Schleusen waren nicht wie abgesprochen geschlossen worden. Um 15.46 Uhr habe der Veranstalter seine Sicherheitskräfte angewiesen, den Tunnel und die Zugangsschleusen zu sperren. Das sei nicht umgesetzt worden. Erst nach dem Hinweis der Polizei seien die entfernten Zaunelemente um 16.40 Uhr wieder eingesetzt worden.

Der Polizeiinspektor und der Innenminister wiesen darauf hin, dass sie lediglich über das Aufgabengebiet der Polizei informieren könnten. Über die Genehmigung der Stadt und die Durchführung der Veranstalter könne man nichts aussagen. Jäger verwies ausserdem auf die laufenden Ermittlungen, die den Informationsfluss einschränkten.

(oku)

Erstellt: 28.07.2010, 16:36 Uhr

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