Panorama

Mein Leben als Lottomillionär

Von Werner Bruni. Aktualisiert am 12.07.2009

Vor 30 Jahren wurde der Spiezer Sanitärinstallateur Werner Bruni erster Schweizer Lottomillionär. Sein Alltag wurde zur Irrfahrt. Jetzt zieht Bruni, 73, die persönliche Bilanz seines Lebens – in seinen eigenen Worten.

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Nüchterner Blick zurück: Werner Bruni heute, 30 Jahre, nachdem 1,7 Millionen gewonnene Franken sein Leben verändert haben.
Bild: Tom Haller

   

«Ich kam am 28. März 1936 um 10.45 Uhr in Heimberg bei Thun zur Welt, als siebtes Kind. Wie meine jüngsten Jahre vergingen, weiss ich nicht mehr genau. Mein Vater war ein sehr guter Maurer-Vorarbeiter, aber das reichte nicht für eine neunköpfige Familie. Deshalb ging meine Mutter arbeiten, in die Milchsiederei in Stalden bei Konolfingen. Als die Firma drei Jahre später Personal abbaute, ging Mutter waschen und putzen bis nach Thun. Während dieser Zeit schaute Frau Kissling zu mir. Sie behütete mich wie ein Adler.

Zu Hause war nicht alles goldig. Vater begann zu trinken, nicht auf der Arbeit, aber nachher, kam erst spät nach Hause oder musste gebracht werden. Wenn Mutter nicht sofort das Essen aufwärmte und auftischte, kam es zum handfesten Krach. Und öfters konnte Mutter nicht zur Arbeit, wegen den Veilchen getraute sie sich nicht unter die Leute. Ich konnte als kleiner Knirps ja nicht eingreifen, er machte auch vor mir nicht Halt, und so ein ‹Chlapf a Grind› war äusserst schmerzhaft.

Weisswein zum Zmorge

Nach meiner Schulzeit, während der ich nebenher als Ausläufer oder Knecht arbeitete, musste ich im Jahr 1952 ins Welschland. Schwester Alice kam mit mir nach Concise am Neuenburgersee. Während der Bahnfahrt brachte sie mir Ja und Nein auf Französisch bei, also Oui et Non, sowie Madame et Monsieur. In Concise angekommen, ‹Bäckerei Roth–Bovete› hiess das grosse Plakat, musste ich feststellen, dass sie Deutsch sprachen.

Der Tagesablauf für mich ging so: Um 5 Uhr Backstube, wehe, wenn ich nicht pünktlich war. Dann musste ich Teig abwägen, immer wieder Holz nachlegen, um 6.30 Uhr musste ich drei Wirtschaften beliefern, mit Gipfeli, Weggli, Brot. Wieder zu Hause, gab es Zmorge. (Ihr glaubt es nicht, aber mein ‹Zmorge› bestand aus einem warmen Weggli und einem Glas Weisswein.) Ehrlich, ich war besoffen, musste kotzen. Hatte doch noch nie Wein getrunken. Jedenfalls nicht auf nüchternen Magen und in der heissen Backstube.

Um 10 Uhr gings auf den Brotkehr. Ab 14 Uhr Holz spalten. Um 18 Uhr Schweine füttern, Backstube putzen, anschliessend Hefe und Wasser im Rührwerk anrühren. Dann Feierabend! Um 22 Uhr musste ich im Zimmer sein. Im Grossen und Ganzen wurde ich schlecht behandelt, und das für lumpige 55 Franken im Monat. Frei hatte ich nie.

Tod in der Aare

In der zweiten Hälfte Dezember erreichte uns die Hiobsbotschaft aus Heimberg durch das Radio, dass unser Vater vermisst sei. Über Weihnachten durfte ich vier Tage nach Hause, aber vom Vater noch keine Spur. Nur das Velo fanden sie, demoliert in einem Gestrüpp am Aarebord.

Ende Januar wurde Vater gefunden, in Bern, im ‹Fischermätteli in der Aare. Unkenntlich nach fast fünf Wochen in der eiskalten Aare, nur anhand der Utensilien, die wir noch bei ihm gefunden hatten, konnten wir ihn identifizieren. Über die Untersuchungen wurden wir nie informiert, nur Tod durch Ertrinken.

Am 15.März 1954 sprach ich bei der Baumann AG in Thun vor, wo man mir eine Lehrstelle als Sanitär zugesichert hatte. Jetzt hiess es, eine Sanitärlehrstelle sei doch keine frei, aber ich solle bei ihnen bleiben, ich müsse doch Geld verdienen. Sie sagten mir, ich könne die Lehre im Handlangerlohn machen. Sie offerierten mir 1.60 Franken die Stunde. Nun war ich das geworden, was ich nicht wollte. Handlanger. (Gib mir, häb mir.) In einem Grossbetrieb.

Auf Ende 1959 kündigte ich, und irgend einmal sass ich im ‹Hirschen› Steffisburg am Jassen, als Hauenstein Robert reinkam und sich zu uns setzte. Er fragte mich: Hast du Ferien? Ich sagte: Ja, noch bis Ende Januar, dann suche ich Arbeit. Dann er: Geh zu meinem Bruder, der sucht einen.

Am Tag darauf ging ich zu Walter Hauenstein, und er meinte nur: Wenn du so zackig arbeitest, wie du aufgetreten bist, als du den Bürgerbrief abgeholt hast, dann bist du mein Mann.

Blütezeit als Sanitär

Am 1.Februar fing ich bei Hauenstein an. Wir machten Heizung und Sanitär. So begann eine neue Ära, mit beträchtlich mehr Lohn und einem super Arbeitsklima. Die Belegschaft akzeptierte mich voll, also wollte ich sie nicht enttäuschen und legte mich ins Geschirr, da ich immer mehr Freude bekam an der Arbeit.

So sind Monate, ja Jahre vergangen. Mein Chef sagte eines Tages, so, du machst Sanitär, da sind die Pläne. Und ich mache die Heizung, jeder selbstständig.

Die Heirat mit Rosmarie

Und es kam gut. Nach Einfamilienhäusern kamen Wohnblöcke und andere Grossprojekte. Nach gut zwei Jahren erklärte der Boss an der Versammlung, Herr Bruni ist ab sofort selbstständiger Sanitärmonteur und bekommt ein eigenes neues Werkzeug. Das sass.

Unterdessen war ich schon 15 Jahre bei Hauenstein, die Arbeit machte mir Spass, und ich ging mit Elan an jedes neue Objekt.

Inzwischen hatte ich eine Freundin gefunden, die ich bald darauf heiratete. Rosmarie und ich fanden auch eine Wohnung in Spiez, im neuen Neumatt-Quartier, und am 20.1.1970 zogen wir ein. Nun begann wieder eine neue Epoche. Rosmarie arbeitete im Asyl Gottesgnad und ich weiterhin bei Hauenstein.

Haus um Haus, Block um Block wurden installiert. Ich habe damals den Auftrag bekommen, den Hotelneubau ‹Holiday› zu übernehmen. Die erste grosse Herausforderung. Wenn das nur gut geht, dachte ich, und es kam gut. Es folgten weitere Grossobjekte, wie etwa die Weissenburger AG Därstetten sowie die Arkina SA in Yverdon und der Grossbau Adler in Faulensee. Die Umbauten Seerose und der Neubau Hecht Faulensee.

Der 28.April 1979

Dann schrieben wir das Jahr 1979. Arbeit hatte ich mehr als genug, und am Samstagnachmittag konnte ich mir einen Jass gönnen. Im ‹Bären› Spiezwiler, meistens mit den gleichen Partnern, war immer urgemütlich. So auch am 28.April. Um 6 Uhr ging ich nach Hause, Rosmarie hatte noch einer Hausbewohnerin die Haare frisiert, das war ein Zwischenhobby von ihr. Ich machte es mir gemütlich vor dem Fernseher, ein Bier neben mir, und wartete auf die Lottozahlen. Und da kamen sie, ich schrieb sie auf den Zeitungsrand, dann holte ich meinen Lottoschein und kreuzte an:

11, 40, 29, 2, 33, 15, Zusatz-zahl 31.

Ich konnte es nicht glauben, aber ich hatte alle sechs richtig. Ich schaute nochmals und nochmals. Dann wartete ich am Telefon, bis die Zahlen endlich durchgegeben wurden, und es hiess: Ein Gewinner mit sechs Richtigen.

Schlotter, zündrote Birne

Jetzt erst kapierte ich langsam, um was es ging, wusste, dass ich über eine Million gewonnen hatte. Eine Unrast nahm mich in Beschlag, ich rotierte herum, ging nach draussen, eine Zigarette rauchen, dann wieder in die Wohnung, auf den Balkon, wieder hinein, den letzten Schluck Bier. Dann kam ich langsam, langsam zur Beruhigung.

Rosmarie war inzwischen mit Frisieren fertig. Beide kamen ins Wohnzimmer, tranken Tee, assen Güezli und palaverten. Auf einmal sagt Rosmarie: Was ist mit dir los, du hast den Schlotter wie ein alter Mann und eine zündrote Birne. Dann weihte ich die zwei ein, unter dem Eid zum Stillschweigen.

Wir genossen dann zu dritt das Abendessen, anschliessend machten wir einen Spaziergang um den Stausee und konnten beim besten Willen nicht am ‹Bären› vorbei. Dort genehmigten wir uns noch eins, bevor wir nach Hause gingen.

Montag ging ich normal zur Arbeit, probierte aber ein paar Mal, meinen Chef telefonisch zu erreichen, ergebnislos. In Spiez genoss ich das Feierabendbier im Restaurant Heimat, da lag auf dem Tisch der ‹Blick›, mit Grossbuchstaben hiess es: ‹Einer nahm alles – 1,7 Millionen›. Mich kümmerte es nicht.

Dienstagmorgen kaufte ich den ‹Blick›, blödsinnig, diese Schlagzeilen. Alle wollten wissen, wer der Lottokönig ist. Dann am späten Nachmittag erreichte ich den Chef, aber nur auf dem Beantworter. Nach Feierabend ging ich nach Spiez, gönnte mir noch ein Bier in der ‹Heimat› und hörte mir die Diskussionen an. Auf einmal stand unser Sanitärzeichner hinter mir und sagte, ich müsse sofort mitkommen. Alle dachten, es sei ein Notfall. Einer sagte noch, Achtung, Werner hat wohl wieder Nachtarbeit.

Banken wollten Geld nicht

Als wir beim Chef ankamen, war schon ein Fotograf da, aber ich wollte nicht fotografiert werden und weigerte mich. Wir fuhren mit dem Lift nach oben, da war auch schon wieder ein Knipser.

Und am Morgen stand gross im ‹Blick›: ‹Der König und sein Chef›. Abgebildet mit Namen. Jetzt war der Teufel los. Für mich war es ein Spiessrutenlauf, jeder wollte mir gratulieren, wollte das wissen, jenes wissen.

Gewonnen hatte ich genau Fr.1696335.90. Von Basel be-kam ich die Abrechnung Fr. 1086325.95 netto mit Check Nr. 086525, und zuletzt verblieben mir Fr.729386, nachdem ich die Steuern bezahlt hatte.

Jetzt kam noch das zweite Dilemma. Die Banken wollten das Geld nicht, sie hatten die Kassen voll, durch meinen Chef konnten wir es unterbringen, zu einem Zins von einem halben Prozent. Nun handelte mein Chef, er verkaufte mir den Neubau im Spiezmoos, ein 12-Familien-Block, den ich kurz vorher fertig installiert hatte, für 1,9 Millionen.

In der Neumatt durfte ich nicht mehr wohnen als Millionär, so musste ich eine Maisonettewohnung kaufen an der Schoneggstrasse, wunderbar mit Seesicht für 68000 Franken. Musste alles neu möblieren. Und im Spiezmoos war der Block nur zur Hälfte vermietet, da die Wohnungen zu teuer waren. Meine Unruhe stieg täglich.

Am TV mit Heidi Abel

Doch zwischendurch hatte ich auch ein paar Höhepunkte. Der Chef hat mich angemeldet für die TV-Sendung ‹Musik und Gäste›, und am 6.Juni 1979 kam es zur Ausstrahlung mit Heidi Abel. Sie war eine wunderbare Frau. Hatte ich Lampenfieber, dass es nicht mehr schön war, so meinte Heidi (wir waren zum Du übergegangen), komm, Werner, wir gehen ins Beizli, muss noch ein paar Notizen machen, dort tranken wir einen halben Roten. Und die Sendung klappte wunderbar, schade, dass Heidi so früh sterben musste. Ich vergesse sie nie.

Dann Anfang Dezember wurde ich von der Landeslotterie angefragt, ob ich Glücksgott spielen würde, da sie erst einmal einen Millionentreffer hatten. Ich sagte zu, und kurz vor Weihnachten wurde ich abgeholt zur Fernsehsendung ‹Karussell› nach Zürich, 1.Klasse, und dort habe ich das erste Mal eine Million gesehen, im Silberkoffer, bewacht von sechs Mann.

Drohbriefe nach TV-Film

Später kam die Filmerei dazu. Christoph Müller vom Schweizer Fernsehen hatte mich und meinen Chef angefragt, ob er einen Film über uns machen könne. Ein lieber guter Kumpel, hat auch am 28. März Geburtstag, ist aber etwas jünger als ich. Der erste Film hiess (wie konnte es anders sein), ‹Der König und sein Chef›, er mit dem roten Ferrari und ich mit dem Velo, so, dass jeder den Unterschied sah.

Später, als der Film ausgestrahlt wurde, bekam ich Post und noch mal Post, Telefone zu jeder Tages- und Nachtzeit, Positives und Negatives, wobei das Positive Vorrang hatte für mich.

Weniger gut kam mein Chef davon. Er meinte, es gäbe für ihn eine gute Reklame, was aber das Gegenteil bewirkte, es gab Stimmen, dass er mich übers Ohr gehauen hätte und Ähnliches. Ich bekam Drohbriefe, von denen, die mich anbettelten und nichts bekamen. Es gab sogar Morddrohungen

Ich erhielt eine geheime Telefonnummer, die das Schweizer Fernsehen bezahlte für drei Monate, bis sich das Ganze ein wenig beruhigte. Es gab später noch zwei weitere Filme.

Als der Rummel etwas abflachte und ich mich endlich etwas frei bewegen konnte, ohne angerempelt zu werden, konnte ich mich wieder der Arbeit widmen. Für mich war es fast wie vorher, auf dem Bau hatte ich meine Ruhe.

Auf der Intensivstation

Anders war es bei Rosmarie, sie ging immer weniger zur Arbeit, bis man sie entliess. Immer mehr war sie unterwegs mit anderen Leute, die ich nicht kannte. Abends war kein Znacht vorhanden, wenn ich von der Arbeit kam.

Ich stürzte mich in die Arbeit. Ich hatte eine Überbauung an der Länggasse in Thun, 6 Wohnblöcke, und es ging gegen den 1.Mai, Zügeltermin, und ich wusste nicht, wo wehren. Ich war drei Tage und zwei Nächte auf der Baustelle und wurde immer wieder zusammengeschissen von den Leuten. Am dritten Tag ging ich zum Polier. Ich war am Ende.

Er liess mich nach Spiez fahren, wo mich der Notfallarzt sofort ins Spital Thun einwies. Diagnose: schwere Herzkranzlähmung, etwas wie ein Infarkt. Ich wurde ins Inselspital transportiert, dort war ich drei Tage auf der Intensivstation. Nach drei Wochen konnte ich nach Hause.

Nun kam eine langweilige Zeit für mich, ich war zum Nichtstun verurteilt, nutzte das aber, um die Fahrprüfung zu machen.

Nun musste ein Auto her, und ich kaufte auf Drängen vom Fahrlehrer einen Honda Accord, ein sehr guter Wagen. Es gefiel natürlich nicht allen, dass ich jetzt ein Auto hatte, und sie haben mich auch entsprechend boykottiert, indem sie mir Schrauben unter die Hinterräder gelegt haben oder Spiegel abgebrochen, Antennen geknickt. Aber mit der Zeit hatte auch dieses aufgehört.

Im gleichen Jahr hatten wir Geschäftsjubiläum, 30 Jahre Hauenstein. Es gab ein grosses Tamtam und eine einwöchige Reise auf die Kanarischen Inseln mit den Frauen. Rosmarie wollte nicht mitkommen (was mir recht war), denn sie hat sich mit meinem Chef überworfen. Sie wollte unbedingt die Verwaltung unseres Blocks selbst übernehmen. Der Chef hatte mich gewarnt, aber wir verloren die Übersicht. Und im Frühjahr mussten wir Privatkonkurs anmelden. Von nun an ging es rasend schnell bergab.

Alles unter dem Hammer

Jetzt wollten plötzlich alle noch etwas zugute haben von uns. Als erstes wurden mir die zwei Solarien abgeräumt, die ich Rosmarie eingerichtet hatte. Was mich interessierte, war, dass ich die Handwerker bezahlen konnte, was mir auch zum Teil gelang, aber nicht ganz. Die Grosskonzerne konnten von mir aus einen Schuldschein kassieren, das war mir egal, aber die Kleinen brauchten das Geld.

Dann kam die Versteigerung, alles, aber auch alles kam unter den Hammer. Rosmaries Auto, mein Fotoapparat, Schreibmaschine, Einrichtungsgegenstände, alles ging weg, natürlich auch das Haus, das ich im Rohbau gekauft und selber ausgebaut habe (Hunderte von Stunden).

So sass ich wieder einmal da mit kalten Füssen, wieder hat es mich voll getroffen, jetzt wusste ich wirklich nicht mehr weiter. Wir fanden im Güetital/Faulensee ein leer stehenden Einfamilienhaus. Ein Arzt, zu dem mich Rosmarie brachte, verschrieb mir ein paar Wochen Erholung. Obschon mir wirklich nichts fehlte, ich war total fit. Also willigte ich in drei Wochen Erholung in Hasliberg ein – doch Rosmarie fuhr mich nach Meiringen, in die Psychiatrische Klinik. Das also war es, das sie wollten, mich in die Klapsmühle stecken.

Doch ich liess mich nicht unterkriegen, und nach einem Monat konnte ich nach Hause. Obschon: Zu Hause hatte ich ja nichts mehr verloren, im Geschäft dagegen wurde ich mit offenen Armen empfangen.

Der Garten, das Paradies

Aber in unserem Einfamilienhaus war ich allein und suchte deshalb ein kleineres Logis. Im Yacht-Club, wo ich Passivmitglied war, erzählte mir der Segellehrer Hansjörg Baumann, genannt ‹Bubu›, sein Vater habe etwas zu vermieten. 14 Tage später zog ich ins Haus von Werner Baumann, dem Vater von ‹Bubu›.

Zum Haus gehörten ein Riesengarten, Rasen und Bäume aller Art und Spalierreben. Das war nach meinem Geschmack, Baumann Werner war auch nicht mehr der Jüngste, und so konnte ich mich entfalten. Wir verstanden uns wunderbar. Jetzt lebte ich auch wieder auf, vergessen waren die trüben Zeiten.

Unter der Woche war ich auf Montage, Engadin oder Wallis. Samstags arbeitete ich den ganzen Tag im Garten, bis mir Baumann Werner das Kabel auszog und meinte, so, jetzt ist Feierabend. Dann tranken wir ein Glas Wein, und ich konnte mich todmüde auf den Montag konzentrieren. Es waren schöne Zeiten, so Hand in Hand zu arbeiten.

Und dann eines Freitags, als ich von der Montage nach Hause kam, musste ich vernehmen, dass ‹Bubu› gestorben war, im Alter von 46 Jahren und 3 Monaten. Seinen Vater Werner hat es schwer getroffen, denn ‹Bubu› war sein Ein und Alles. Er litt, und nach fast genau zwei Jahren, im 80.Altersjahr, starb auch Werner. Er war nie über den Verlust hinweggekommen, niemand erlebte dies näher als ich.

Werners Tochter Heidi, die in München verheiratet ist, betraute mich damit, zum Haus zu schauen. Dafür sei meine Wohnung nicht kündbar, solange ich lebe und solange das Haus steht.

So. Das wärs, was ich niederschreiben wollte. Ich mache immer noch, was ich kann in der Umgebung, obschon ich selber an Leukämie erkrankt bin.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.07.2009, 06:48 Uhr

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