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Mensch ohne Auto
Von Simone Meier. Aktualisiert am 17.06.2011 30 Kommentare
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Ich gebe zu, ich habe eine Auto-Legasthenie. Ich kann Autos einfach nicht voneinander unterscheiden, kann mir weder Namen noch Farben noch Grösse merken. Autos sind einfach diese Dinge, in denen man unbesorgter und also viel mehr Gepäck mitnehmen kann als im Zug, mit denen man aber auch endlos viel Zeit vertrödelt, um einen Parkplatz zu suchen, der am Ende immer mindestens eine Tramstation vom Ziel entfernt liegt. Autos sind halt so. Man kann sich zum Glück Eselsbrücken bauen. Ich habe zum Beispiel die Autonummer meiner Eltern auswendig gelernt, damit ich überhaupt eine Chance habe, ihr Auto zu erkennen, wenn sie mich auf einem entlegenen Landbahnhof abholen.
Velo- statt Fahrprüfung
Es versteht sich von selbst: Weder besitze noch fahre ich ein Auto, und eine Fahrprüfung habe ich auch nie gemacht. Eine Veloprüfung schon, so was gab es in unserer Schule, aber Auto fahren kann ich nicht. Weil ich im autofahrreifen Alter sofort in eine Stadt gezogen bin und dann in noch eine und noch eine, und nichts hätte ich dort so wenig brauchen können wie ein Auto. Es hätte meine Nerven und mein Portemonnaie radikal ruiniert. Erstens stelle ich mir Autofahren in der Stadt so vor, wie wenn man sich als Blutkörperchen verzweifelt seinen Weg durch eine verstopfte Arterie bahnen müsste. Beim Losfahren glaubt man noch an die grosse Freiheit – und schon steckt man im stockenden Kolonnenverkehr oder gleich im Stau und kommt sowieso immer und überall zu spät. Zweitens hätte ich es mir bisher schlicht nie leisten können, auf eine Zürcher Stadtmiete noch die monatlichen 170 Franken, die ein fester Garagen- oder Parkplatz im Schnitt kostet, draufzulegen. Vom Benzin und den Unterhaltskosten ganz abgesehen.
Braucht ihr denn nie ein Auto?, höre ich meine ungläubige Verwandtschaft vom Land fragen, die ohne Auto einkaufs- und freizeittechnisch gesehen amputiert wäre. Doch, klar, einmal im Jahr, aber dann fragen wir jemanden, der zwar auch keins besitzt, dafür einen Mobility-Mitgliederausweis, und so fahren wir dann nach Spreitenbach oder an einen anderen nützlichen Ort und tätigen Grosseinkäufe. Das Auto ist dann ein selten und strategisch eingesetztes Nutzfahrzeug, das man in dieser raren Dosierung auch richtig geniessen kann, denn Seltenheit hat ja bekanntlich einen Wert. Den Alltagsbedarf zu Hause erledigt das Velo. Kein Parkhaus, kein Parkgeld, keine Parkbusse und erst noch gesparte Nerven und verbrauchte Kalorien.
Wohnzimmer auf Räder
Kauft euch doch mal eine Eigentumswohnung!, sagt meine Verwandtschaft vom Land, und da sind wir schon bei einer ganz anderen Erklärung: Menschen, die Wohneigentum besitzen, halten sich meist auch ein Auto dazu. Vielleicht, weil ein Haus ohne eine Garage nicht wie ein richtiges Haus aussehen würde. Das Auto ist da gewissermassen ein Stück des eigenen Wohnzimmers auf Rädern, und fürs Auto wird jeder noch so haushaltresistente Familienvater, ganz egal aus welcher Generation, zum Hausmann. Vielleicht haben sie auch einfach weniger Mühe mit der Idee, die flatterhafte Mobilität der Jugend irgendwann zugunsten der Solidität aufzugeben. Und das Mobility-Gefährt gegen ein eigenes Auto einzutauschen. Wer weiss, vielleicht lerne ich das auch noch einmal. Irgendwann. Aber sicher nicht jetzt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.06.2011, 07:55 Uhr
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30 Kommentare
Zum Glück kann man aus Europa auswandern, hier wird in ein paar Jahren das ganze Leben verboten sein. Autos, Fleisch, Alkohol, einfach alles. So verhält sich nur eine degenerierende, sterbenden Gesellschaft. Mehr als Verachtung kann man dafür nicht empfinden. Antworten
...ich liebe einfach den Geruch der Ledersitze, das edle Interieurs und das Dahingleiten meines Citroëns mit seiner Hydropneumatischen Federung; jede Fahrt (inkl. Parkplatzsuche) wird damit zum erholsamen Vergnügen. Ich benutze den ÖV nur im äussersten Notfall und dann auch nur widerwillig (eingepfercht zwischen zuvielen hustenden Menschen, eng, etc)
Man gönnt sich ja sonst nichts....
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