Panorama
Mutter rettet Kind aus Trümmern und stirbt
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 06.04.2009
Das Ausmass der Erdbebenkatastrophe in L'Aquila und Umgebung wird immer klarer. Stündlich werden auch erschütternde menschliche Schicksale bekannt. Viele Menschen haben nichts mehr. Das Erdbeben hat ihnen Angehörige und Freunde, das Dach und das Heim sowie das persönliche Hab und Gut genommen. In einigen Fällen lagen Freud und Leid sehr nah beieinander. In San Gregorio, das Teil der Gemeinde L'Aquila ist, haben die Feuerwehrleute ein zweijähriges Mädchen lebend aus den Trümmern geborgen. Gemäss ersten Erkenntnissen hat das Kleinkind sein Leben der Mutter zu verdanken, wie die Online-Ausgabe der Zeitung «Il Giornale» schreibt. Die Mutter schützte das Mädchen mit ihrem Körper, als das Haus einstürzte. Die Zweijährige wird inzwischen in einem Spital behandelt. Über ihren Gesundheitszustand ist nichts bekannt.
Handy rettet einem Studenten das Leben
Glück im Unglück hatte auch ein 20-jähriger Student, der in einem zur Hälfte eingestürzten Studentenwohnheim in L'Aquila geschlafen hatte, als nach drei Uhr die Erde heftig zu beben begann. Der junge Mann war in den Trümmern eingeklemmt, aber bei vollem Bewusstsein – dank seines Handys konnte er gerettet werden. Dem besorgten Vater gelang es, mit seinem Sohn Kontakt aufzunehmen. Gleichzeitig konnte der Student Informationen liefern, dank denen er von den Feuerwehrleuten lokalisiert werden konnte.
«Ich lag im Bett», berichtete ein anderer Student. «Ich hörte, wie um mich herum Teile des Gebäudes zusammenfielen - es schien nicht enden zu wollen», erzählte der 22-Jährige. Er entkam unter dramatischen Umständen: «Wir mussten uns durch ein kleines Loch in der Treppe winden, als das ganze Stockwerk runterkam.»
92 Tote und 1500 Verletzte
In einem Wettlauf gegen die Zeit durchsuchten Rettungskräfte, aber auch Überlebende die eingestürzten Gebäude. Mit schwerem Gerät und mit blossen Händen suchten sie gemeinsam nach Überlebenden. Bei dem schweren Erdbeben kamen mindestens 92 Menschen ums Leben, wie die italienische Zivilschutzbehörde mitteilt. Rund 1500 Personen wurden verletzt. Die Zahl der Vermissten ist unbekannt. Nach Angaben der Rettungsdienste wurden mehr als 10'000 Häuser beschädigt, mehr als 50'000 Menschen wurden obdachlos. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.04.2009, 17:12 Uhr
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