Panorama
Nach Autobränden und Festnahmen: Aargauer Richter wird bedroht
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Monatelang lebten die Bewohner des Zelgli-Quartiers in Aarau mit der Angst. Zwischen Mai und November zündeten Unbekannte acht Autos an – abgesehen hatten sie es auf teure Fahrzeuge der Marke Mercedes, BMW oder Range Rover. Zweimal drohte das Feuer auf Wohnhäuser überzugreifen. Am 14. November konnte die Polizei die beiden mutmasslichen Brandstifter fassen: Sie waren offenbar gerade dabei, die Autos eines lokalen SVP-Politikers anzuzünden. Polizisten überwachten das Quartier schon seit Längerem, bis die Falle zuschnappte.
Der Verdacht, die Brände hätten einen politischen Hintergrund, bestätigte sich: Im Oktober stand schon einmal ein Auto eines SVPlers in Flammen. Die Verhafteten gehören der linksautonomen Szene an. Sie sind beide 20 Jahre alt, wohnen im selben Quartier wie die Opfer der Brandstiftungen und kommen aus «gutem Hause». Seit fünf Wochen sitzen sie nun in Aarau in Untersuchungshaft – ihnen soll der Prozess wegen mehrfacher qualifizierter Brandstiftung und Sachbeschädigung gemacht werden. Sie streiten jedoch alles ab.
Demo vor Gefängnis
Die Verhaftung der Verdächtigen hat die linksautonome Szene auf den Plan gebracht. So demonstrierten Aktivisten letzten Samstag vor dem Untersuchungsgefängnis Telli in Aarau und forderten die Freilassung der 20-Jährigen. Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, zündeten die Demonstranten Fackeln an und riefen Parolen. Die Polizei nahm zehn Personen vorübergehend fest. Auf der Internetseite Indymedia.org liessen die Linksautonomen später verlauten: «P. und I., Ihr seid unsere Freunde. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass ihr aus der Haft entlassen werdet!»
Die Sympathisanten der mutmasslichen Brandstifter lassen es jedoch nicht bei «Knastspaziergängen» bewenden. Sie schiessen auch gegen den zuständigen Untersuchungsrichter Dieter Gautschi. Das Mitglied der lokalen SVP sei ein «Hardliner» und «alles andere als eine unbefangene Person». Laut «Aargauer Zeitung» wurde auf einer einschlägigen Seite sogar Gautschis Privatadresse und ein Foto veröffentlicht. Dies für alle, die ihm «mal persönlich etwas mitteilen möchten». Weiter heisst es: «Es gibt viele Möglichkeiten, seiner Wut Ausdruck zu verleihen, benutzt eure Kreativität.» Untersuchungsrichter Gautschi ist informiert. «Wir nehmen das ernst», sagt er gegenüber der Zeitung.
Im Januar wird die Polizei über den Stand der Ermittlungen informieren. (cha)
Erstellt: 22.12.2009, 13:12 Uhr



