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«Neonazi-Überfall»: Zweifel und Fragen

Von Rinaldo Tibolla. Aktualisiert am 13.02.2009

Wurde die 26-jährige Brasilianerin in Stettbach tatsächlich von Rechtsextremen misshandelt? Die Zürcher Stadtpolizei zweifelt offenbar an den Aussagen und Schilderungen der Frau.

Opfer von Rechtsextremen? Schnittverletzungen auf dem Bauch der Brasilianerin.

Opfer von Rechtsextremen? Schnittverletzungen auf dem Bauch der Brasilianerin.

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Bahnhof Stettbach bald heller

Der unterirdische S-Bahnhof Stettbach an der Grenze zwischen Zürich und Dübendorf ist düster und unfreundlich. Unsicher sei er aber nicht, beteuern die SBB. «Der Bahnhof Stettbach fällt nicht durch mehr Gewalttaten oder Ähnliches auf. Er ist so sicher wie alle anderen Bahnhöfe auch», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. Die Bahnpolizei werde nun aber etwas öfter vorbeischauen.

Die düsteren Zeiten sollen 2010 vorbei sein. SBB, Kanton und Stadt Zürich sowie die Stadt Dübendorf wollen den Bahnhof Stettbach für rund 45 Millionen Franken erneuern. Das Stadtzürcher Parlament hat eine Kostenbeteiligung von 5,5 Millionen Franken bewilligt. In Dübendorf ist ein Kredit von 2,7 Millionen Franken hängig.

Auf Bauch und Beinen der 26-jährigen Brasilianerin sind die Buchstaben «SVP» eingeritzt. Drei Neonazis sollen die mit Zwillingen schwangere Frau beim Bahnhof Stettbach ZH attackiert und die Buchstaben mit einem Teppichmesser in die Haut geritzt haben. Die Peiniger hätten sie mit Fusstritten traktiert, worauf sie in der Bahnhofstoilette eine Fehlgeburt erlitten habe.

Wie das Pendlerblatt NEWS aus gut unterrichteten Behördenkreisen weiss, zweifelt die Polizei an der Schwangerschaft und den Angaben, dass die Frau von Neonazis attackiert worden ist. Die Stapo Zürich wollte auf Anfrage über den Ermittlungsstand aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen keine Auskunft geben.

In mehreren brasilianischen Zeitungen schildert auch der Vater der 26-Jährigen, Rechtsanwalt und Berater eines Abgeordneten, den Angriff: «Mit Fäusten und Füssen schlugen die Neonazis auf meine Tochter ein.» Sie sei im dritten Monat schwanger gewesen und wolle in ein paar Monaten ihren Schweizer Freund. Dieser verstehe es überhaupt nicht, dass die Polizei seine Tochter vor allem befragt habe, ob sie sich nicht selbst Verletzungen zugefügt habe.

«Hundert Prozent wahr»

«Mir und meiner Frau geht es gar nicht gut», sagte der Lebenspartner der Brasilianerin auf Anfrage. Es sei ja nicht verwunderlich, wenn einem die ganze Familie kaputt gehe. Die Zweifel der Polizei könne er nicht verstehen. «Alles ist zu hundert Prozent wahr.»

Doch es bleiben offene Fragen:

  • Wie konnten drei Männer gegen 19.30 Uhr in einem gut frequentierten Bahnhof unbemerkt eine Frau überfallen?

  • Wieso hat die Polizei erst gestern einen Zeugenaufruf gestartet?

  • Ist es möglich, jemandem, der sich wehrt, Buchstaben so klar lesbar einzuritzen? Zudem scheint mindestens ein «S» auf dem Bauch seitenverkehrt .

  • Wieso sind im Quartier bisher keine Neonazis aufgefallen?

Nicht jeder fremdenfeindliche Überfall war einer

In Deutschland sind in den letzten Jahren mehrere Neonazi-Überfälle nur vorgetäuscht worden. So hatte sich eine junge Berlinerin selbst ein Hakenkreuz in den Bauch geritzt. Rechtsmediziner können solche Fälle in der Regel schnell aufklären.

Dr. Stefan Röpke, der in der Berliner Charité täglich mit Fällen von Selbstverletzungen zu tun hat, erklärt im «Blick» von heute: «Meist liegt eine psychische Erkrankung vor.»

Zu den Gründen, einen Überfall zu inszenieren sagt er: «Die Extremsituation bei einer Fehlgeburt kann dazu führen, dass man einen Angriff vortäuscht. Um nicht selbst als schuldig dazustehen.» (NEWS)

Erstellt: 13.02.2009, 10:21 Uhr

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