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Nötigung zu Strip-Poker und gemeinsamem Duschen
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«Entschuldige Dich und bitte Deine Opfer um Verzeihung», fordert Fried in einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Fried berichtet in dem Beitrag von alltäglichen sexuellen Grenzüberschreitungen wie etwa Strip-Poker-Runden, zu denen ein Lehrer nötigte, und erzwungenes gemeinsames Duschen.
Der betreffende Lehrer habe sie als «verklemmte schwäbische Spiesserin» bezeichnet, als sie beim Strip-Poker nicht habe mitmachen wollen, schreibt Fried, die die Schule in den 70er Jahren besuchte. «Wie ich mich diesem Druck schliesslich beugte, mich furchtbar schämte und die Erinnerung daran für Jahrzehnte verdrängt habe.» Bei der Erinnerung daran spüre sie «wieder die Scham und das Gefühl, in meiner persönlichen Würde verletzt worden zu sein».
Es habe immer Andeutungen und Witze über die Vorliebe B.s und des Musiklehrers für kleine Jungen gegeben. Immer wieder hätten Sprüche von der «Hand unter der Bettdecke» kursiert, mit der die betroffenen Jungen morgens angeblich geweckt würden.
Man gibt «sich selbst die Schuld»
Fried sieht rückblickend einen einfachen Grund, dass sich keiner von ihnen jemandem anvertraut habe: «Als Kind oder als sehr junger Jugendlicher will man nicht glauben, dass ein Lehrer, der ja ein Vorbild ist und ansonsten auch ein netter Kerl, etwas Unrechtes tut. Lieber gibt man sich selbst die Schuld.»
Als Jugendliche dieser Zeit der «sexuellen Befreiung» seien sie glücklich gewesen, dass sie ihre Sexualität in einem angstfreien, aufgeschlossenen Klima hätten erleben können. «Dass einige dieser Erzieher diese grossartige neue Freiheit als Deckmäntelchen für ihre Übergriffe missbrauchten - das ist der Skandal.»
Sexueller und seelischer Missbrauch
Es gehe aber nicht nur um sexualisierten Missbrauch,so Fried, sondern auch um seelischen und emotionalen Missbrauch, der damit einhergegangen sei. Die Kinder hätten ihren Betreuern vertraut, und es sei sicher kein Zufall, dass vom Missbrauch besonders viele Kinder betroffen gewesen seien, die aus schwierigen Verhältnissen stammten und vom Jugendamt auf die Odenwaldschule geschickt worden seien. Laut Fried Kinder, «die keine Eltern hatten, denen sie sich hätten anvertrauen können, die ihren Nötigern und Vergewaltigern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert waren.»
«Ich wünschte, ich hätte damals etwas geschafft, was keiner meiner Mitschüler und – viel schlimmer– keiner der Lehrer geschafft hat, die heute behaupten, sie hätten von alldem nichts gewusst», schreibt Fried weiter. Sie fordert B., der bisher zu den Vorwürfen schweigt, zu einer Stellungnahme und Entschuldigung auf: «Dann wäre die Odenwaldschule, die für manche die Hölle war und für andere die Rettung, wieder die Schule, auf die wir stolz sein könnten.» (raa/ddp/)
Erstellt: 13.03.2010, 21:53 Uhr




