Panorama
Papst publiziert in rechtsextremem österreichischem Verlag
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 09.02.2009 23 Kommentare
Artikel zum Thema
Seit Tagen wird der Papst wegen seiner Rehablitierung der Pius-Bruderschaft und des Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson kritisiert. Jetzt wurde ein neues Detail aus der Vergangenheit Josef Ratzingers bekannt, das die Diskussion zusätzlich anheizen dürfte.
Benedikt XVI publizierte noch als Kardinal 1998 einen Text mit dem Titel «Freiheit und Wahrheit» in einem Buch des Aulaverlags in Graz. Der Verlag wird von offizieller Stelle – unter anderem vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) – als rechtsextrem eingestuft. Das berichtet heute die Zeitung «Österreich».
Bücher zur glorreichen deutschen Vergangenheit
Im Online-Buchladen des Verlages werden zur Zeit einschlägige Werke angeboten. So preist «Aula» unter anderem die Bücher «Hitlers letzter Trumpf», «Die Vorgeschichte des deutschen Volks», «Der letzte Mythos – Wer entfesselte den Zweiten Weltkrieg» oder auch ein Puzzle mit Deutschland in seinen Grenzen von 1937 an.
Auf derselben Seite wird auch das Buch «1848 – Erbe und Auftrag» angeboten, indem Ratzinger vor gut zehn Jahren schrieb. Es wird mit den Worten angepriesen: «Ein Sammelband zum Thema 1848er-Revolution. Der Aufruhr Mitte des 19. Jahrhunderts bildete das ideengeschichtliche Wurzelwerk eines jeglichen nationalen Politikansatzes im deutschen Mitteleuropa. In diesem Buch meldet sich auch der jetztige Papst, der damalige Kardinal Josef Ratzinger, mit einem Beitrag zu Wort!»
Herausgeber ist ein Ex-Nazi
Ratzinger argumentiert laut «Österreich» in dem Text, ein Verständnis von Freiheit, das auf immer weiterer Aufläsung von Normen beruhe und sich abstütze auf der «ständigen Ausweitung individueller Freiheit bis hin zur völligen Befreiung von aller Ordnung» sei falsch.
Der Herausgeber des Buches ist ein hochrangiges Verlagsmitglied namens Otto Scrinzi. Scrinzi war einst NSDAP-Mitglied und SA-Sturmführer. Mitherausgeber ist der deutsche Rechtsextremist Jürgen Schwab.
Verbindungen auch zur FPÖ
Der Aula-Verlag gibt neben Büchern auch die Monatszeitschrift «Die Aula» heraus. Deren früherer Chefredakteur Herwig Nachtmann löste einen Skandal aus, als er einen Artikel mit dem Namen «Naturgesetze gelten für Nazis und Antifaschisten» schrieb. Der «Aula» wurden daraufhin Fördermittel gestrichen. Auch Papst-Verleger Scrinzi amtete bei der Zeitschrift einst als Chefredakteur.
Dem Verlag werden auch Verbindungen zur FPÖ des verstorbenen Kärnter Landeshauptmanns von Kärnten Jörg Haider nachgesagt. Tatsächlich war die Zeitschrift «Aula» bis zum Skandal um Chefredakteur Nachtmann das offizielle Presseorgan der Partei. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.02.2009, 19:27 Uhr
WRITE A COMMENT (With E-mail confirmation)
23 Kommentare
Schön, was hier wieder aufgetischt wurde. Merken denn die Leser nicht, dass von gewissen Medienleuten nur Dreck und Unwahrheiten gesucht werden, um gegen die Kirche und gegen den Papst Schlagzeilen zu finden. Nicht Ratzinger war der Autor, er wurde nur zitiert. Doch schreiben kann man alles und mit Unwahrheiten die Meinung machen ist halt sehr schön ... Antworten
Papst Benedikt XVI. hat nie im "rechten" Grazer "Aula"-Verlag publiziert. Vielmehr ist ein bereits 1995 unter dem Titel "Freiheit und Wahrheit" in der Zeitschrift "Communio" erschienener Artikel von Ratzinger 1998 in einer vom Otto Scrinzi herausgegebenen Festschrift zur Revolution von 1848 ("1848 - Erbe und Auftrag") wiedergegeben worden. Im Artikel ist keinerlei "rechtes" Gedankengut enthalten. Antworten
So verwerflich die verharmlosenden Aussagen betreffend Shoa und die rechte Gesinnung einiger Teile des katholischen Klerus auch sind, der Fakt, dass der amtierende Papst Mitglied der HJ war, beweist überhaupt nichts! Der Beitritt zur HJ war bloss ursprünglich freiwillig und wurde später de facto zum Zwang. Antworten
Gewisse Leserbriefschreiber, ( Atheisten oder Papierchristen) haben schlicht Null Ahnung und richten sich wie die Fahnen mit jedem lauen Lüftchen. Wer von der Lebens-Geschichte des Papstes keine Ahnung hat, soll sich solcher haltloser primitiven Beleidigungen enthalten (Alt - Nazi). Es gibt aber Hoffnung Herr Kramer- seelig sind die geistig Armen. Antworten
Allen Forumsteilnehmern würde ich mal empfehlen, im Internet die Seite OPUS DEI zu besuchen - da werden einige ihr Aha-Erlebnis haben. Bei dieser Erzkonservativen katholischen Brüderschaft erscheinen Namen ausser Ratzinger auch ein Herr Blocher, ein Walliser Namens P. Zurbriggen und so weiter... Sehr informativ, schaut mal rein, ihr werdet staunen! Antworten
Bisher habe ich mich jeweils nur über den Papst lustig gemacht, besonders wegen seiner lächerlichen "Aufmachung" (wir nennen ihn den Nachthemd-Joggeli). Aber jetzt wird es Zeit, über den Ernst der Situation nachzudenken. Millionen von Menschen (z.B. in Brasilien, auf den Philippinen) liegen ihm zu Füssen und würden ihr Leben für ihn geben... Antworten
Wieso erstaunt dies eigentlich überhaupt jemanden?! Päpste u. die kath.Kirche waren immer auf der Seite der Mächtigen, egal was für Schurken gerade an der Macht waren. Wer hier nicht austritt, ist selber schuld und mit-schuldig, denn wer Kirchensteuern bezahlt, stützt das System. Gebt dieses Geld den Armen direkt, es hat genur davon, überall! Nur über das Geld ist diese Macht zu brechen. Antworten
Den Text genau lesen, bzw. was die Journalistin verschweigt: Autor des Buches ist offenbar Schwab Scrinzi und er veröffentlicht in seinem Buch unter anderem einen Beitrag von Ratzinger. Ratzinger ist NICHT der Autor des Buches und hat somit wahrscheinlich auch nicht den Verlag ausgewählt. Offenbar aber genau dies, will uns Journalistin Olivia Kühn wissen machen... Antworten
Da verdichtet sich doch langsamein Bild, das viele Leute schon lange haben. Papa Ratzi wird zu einem gefundenen Fressen für die Paparazzi, indem er es immer wieder schafft, eine Peinlichkeit mit der nächsten zu überbieten, dergestalt dass er sich immerhin diesbezüglich als unfehlbar erweist. Antworten
Die jüngsten Entwicklungen in der katholischen Kirche geben einem sehr zu denken. Tatsache ist, dass die Entscheidungsträger an massivem Realitätsverlust leiden. Sie scheinen die tatsächlichen Probleme unserer heutigen Welt zu ignorieren. Kein Wunder, dass die Kirche mit solchen Statements den eigenen Untergang selbst besiegelt. Holocaust-Leugner zu tolerieren ist schlicht inakzeptabel. Antworten
Ceterum censeo...dass die "Priesterbrüderschaft Pius X." in der Schweiz verboten wird. Und ich möchte hinzufügen: Viele Priester nehmen ihr Amt - in Respekt vor Jesu und im Versuch (es bleibt immer ein Versuch - und eine Versuchung!) Menschen die Frohe Botschaft näher zu bringen - wahr. Es geht mir um die Demaskierung einer abgehobenen, selbstherrlichen, gefährlichen Kaste. Antworten
Die einen schreiben für den falschen Verlag, die anderen interpretieren die "heilige" Schrift (unabhängig der Religion) nach ihrem Gutdünken, andere wiederum tun beides. Das alles geschieht unter dem Deckmantel der Religion, im Namen Gottes. Konsequenterweise müssten nun die Religionen abgeschafft werden. Die westliche Welt ist auf dem besten Weg dies zu tun, das freut wiederum andere... Antworten
Die kath. Kirche hat schon immer Nazis & andere am rechten Rand favorisiert. Selber in einem Zerrbild von Hierarchie und Autoritäten festgefahren, ist der Vatikan auch heute nicht von dieser Welt. Ob Sänfte oder Papamobil, die Sicht des Papstes ist nicht Erde-verbunden. Bei Ratzinger fällt auf, dass er selbst das originelle Bodenküssen seines Vorgängers lässt. Gnädiger Gruss hinauf ans hohe Ross Antworten




Eva Eichenberger
Obwohl die Erzdiözese Wien bereits gestern Vormittag (!) klar gestellt hat, dass Ratzinger nicht in diesem Verlag publiziert hat, sondern sein Beitrag aus dem Jahr 1995 von denen lediglich übernommen wurde, notabene ohne zuvor dazu sein Einverständnis einzuholen, sitzt die Presse dieser neuen 'Ente' nur allzu gerne auf. Sie passt doch so wunderbar in die derzeitige Hetze gegen Benedikt XVI! Antworten