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Lohnt sich Fahrerflucht?

Ob beim Bootsunfall auf dem Bielersee oder möglicherweise am Iron Man in Zürich: Jeder zwanzigste Unfallverursacher flüchtet. Das ist laut Experten egoistisch, aber auch natürlich.

Fahrerfluchten bei Unfällen mit Personenschaden

Fahrerfluchten bei Unfällen mit Personenschaden


Fahrerfluchten

Quelle: bfu


Zwei Arten von Fahrerflucht

Unter Fahrerflucht versteht man die Flucht eines Unfallverursachers nach einem Unfall mit Personenschaden. Das Vergehen kann mit Haft- oder Geldstraffe gebüsst werden. Viel häufiger sind aber Fälle, in denen reine Sachschäden nicht gemeldet werden. Hier ist die Flucht des Fahrers eine Übertretung, die mit bis zu 10'000 Franken gebüsst werden kann. Die meisten Kantone verzeichnen eine Zunahme an Fahrerfluchten, die meisten sind jedoch der Umgehung der Meldepflicht zuzuschreiben.

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Kaum ein Monat vergeht, ohne dass von einem spektakulären Unfall mit Fahrerflucht berichtet wird. Ein Autofahrer verursacht einen Unfall, bei dem eine andere Person verletzt oder gar getötet wird, und fährt – aus Angst vor den Konsequenzen – davon.

In den letzten Wochen wurden sogar zwei äusserst aussergewöhnliche Fälle von Fahrerflucht bekannt: Auf dem Bielersee überfährt ein Motorboot zwei Menschen in einem Gummiboot, eine Frau kommt dabei ums Leben. Am Iron Man in Zürich fährt ein Sportler mit dem Velo eine betagte Frau um und verletzte diese. In beiden Fällen kümmerten sich die Täter nicht um die Opfer, sondern fuhren einfach davon.

Bei einem von zwanzig Unfällen

Und vor vier Jahren gab es einen besonders schlimmen Fall von Fahrerflucht in Bülach: Im Juni 2006 fuhr ein Autofahrer in einen korrekt fahrenden 15-jährigen Radfahrer. Über einen Kilometer lang wurde der Jugendliche mitgeschleift, er verstarb später im Spital. Der Täter fuhr einfach weiter. Er konnte bis heute nicht eruiert werden.

Gesamtschweizerisch kommt bei jedem zwanzigsten Unfall mit Personenschaden eine Fahrerflucht vor. Diese Zahl ist seit Jahren relativ konstant. Gemäss Statistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung waren das im Jahr 2008 1127 Fälle (siehe Grafik).

Dies, obwohl die juristische Sachlage klar ist: «Ergreift ein Fahrzeugführer, der bei einem Verkehrsunfall einen Menschen getötet oder verletzt hat, die Flucht, so wird er mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.» So steht es im Artikel 92 des Strassenverkehrsgesetzes.

Instinktives Verhalten

Warum kommt es dennoch immer wieder vor? Gemäss Verkehrspsychologen können die Unfallverursacher aufgrund der Stresssituation nicht mehr klar denken. Der Täter steht unter Schock – und setzt sein Schicksal in den Vordergrund. Was die Beteiligten als Blackout oder Kopflosigkeit bezeichnen, passiert instinktiv und aus reinem Selbstschutz. «Fahrerflucht ist purer Egoismus», sagt denn auch der bekannte deutsche Verkehrspsychologe Egon Stephan. Es sei die Angst, sich der Verantwortung zu stellen. In der Panik versuche man, sich selbst zu schützen, und folge dem Fluchtimpuls.

Erst einige Zeit nach dem Unfall kann der Unfallverursacher wieder klar denken, er wägt die Vor- und Nachteile ab. Doch je mehr Zeit verstreicht, desto geringer ist die Chance, dass sich der Unfallverursacher doch noch meldet. Es ist ihm «peinlich», sich so spät zu stellen. Und die Hoffnung wächst in ihm, dass er nicht erwischt wird.

Ob sich dann doch noch das schlechte Gewissen meldet, oder ob die Person das Geschehene einfach verdrängen und vergessen kann, ist wiederum höchst individuell. Im Normalfall, so Psychologen, wolle ein Täter früher oder später aber darüber sprechen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.07.2010, 13:11 Uhr

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20 Kommentare

Rebecca Hasler

09.08.2010, 11:24 Uhr
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Ein gesellschaftlich-charakterliches Problem ist Fahrerflucht - nicht zu seinen Fehlern zu stehen; zu verdrängen, dass auch der beste Mensch nicht fehlerfrei ist; keine Verantwortung für seine Taten übernehmen zu wollen. Obwohl der Fall ein trauriger ist, doch ein gutes Thema, richtiges Verhalten mit seinen Kindern anzusprechen und einen Beitrag zu leisten, dass "die Gesellschaft" sich verändert. Antworten


Adriano Granello

02.08.2010, 10:03 Uhr
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In den letzten 10 Jahre wurde mein Auto schon drei Mal auf Parkplätzen von Einkaufszentren durch andere Autofahrer beschädigt, der Gesamtschaden bewegt sich um 2'000 Franken. Die Schadenverursacher haben jeweis das Weite gesucht und auch keine Notiz hinterlassen = FAHRERFLUCHT. Bei der Polizei meinte man dazu nur, dass so was ALLTÄGLICH sei und sich eine Anzeige gegen Unbekannt kaum lohne.. Antworten


Cornel Wick

30.07.2010, 15:38 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Ich bin sicher, dass bei jedem Unfall der Gedanke der Flucht einem jeden durch den Sinn geht. Von da an ist die Entscheidung Charaktersache. Es spielen Alkohol und Drogen eine grosse Rolle, speziell bei Unfällen in der Nacht, wie auch beim Bootsunfall. Tatsache ist, dass im Fahrzeugverkehr nirgends soviel Alkohol konsumiert wird, wie auf dem See. Wer Auto fährt, steht mit einem Bein im Gefängnis. Antworten


Reto Barandun

29.07.2010, 12:18 Uhr
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@ Markus Eugster 16.26 h. Das sehe ich auch so! Wenn ich z.B. in einen Unfall verwickelt bin, habe 0,0 Promille kann ich unschuldig sein! Genau gleiche Situation, aber ich habe 0,4 Pro, wird mir sicher eine Teilschuld auferlegt. Nochmals die genau gleiche Situation, aber ich habe 0,8 Pro, bin ich wahrscheinlich der Hauptschuldige! Es wird nach dem Promillewert entschieden, nicht nach der Situation Antworten


Bruno Bänninger

29.07.2010, 09:44 Uhr
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Fahrerflucht ist Flucht vor der eigenen Verantwortung nach Fehlverhalten.Und das wird heute als "natürlich" bezeichnet. Die zu erwartenden Konsequenzen (Bussen, Ausweisentzug, Verurteilung) sollen die wirklichen Gründe sein für Fahrerflucht und deshalb sind solche Charakterlumpen zu bedauern? Wohin bewegt sich unsere Gesellschaft? DAS gibt zu denken! Antworten


Mark Frick

28.07.2010, 22:59 Uhr
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Liebe Gutmenschen Unfälle passieren eben ohne dass irgendwelche Absicht oder Bösartigkeit dahintersteckt. Aber bei dem Theater welches um einen kleinen Unfall gemacht wir, wie Führerscheinentzug etc., ist es nicht verwunderlich, dass die Verursacher teilweise das Weite suchen. Antworten


Marcus Ratz

28.07.2010, 19:44 Uhr
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Heute wird wegen jedem Habakuk sofort ein Strafverfahren eingeleitet. Vielleicht sollte man mal die Mentalität hinterfragen und sowohl Sach- wie auch Personenschäden nur Haftpflichtrechtlich lösen. Die Aussicht, als "Mörder" verurteilt zu werden, zusätzlichh hohe Geld- und/oder Haftstrafen und Ausweisentzüge wundern mich solche Fahrerfluchten nicht, obwohl auch ich diese nicht gutheisse. Antworten


Reto Beer

28.07.2010, 17:45 Uhr
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Zu bedenken ist, dass die Umstände, unter denen ein Unfall geschieht, ebenfalls eine Rolle darin spielen, ob Fahrerflucht begangen wird oder nicht. Wenn es sehr viele Zeugen gibt, man das eigene Fahrzeug bereits zum Stillstand bringen musste, man sich erkannt und nicht mehr anonym fühlt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel geringer. Aber der Fluchtimpuls ist (ansatzweise) immer vorhanden. Antworten


Pankraz Aeschlimann

28.07.2010, 17:10 Uhr
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Feiglinge ! Antworten


Kurt Aegeri

28.07.2010, 16:34 Uhr
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Da soll sich also bei jedem 20-ten Unfallverursacher der Instinkt melden? Und das berechtigt, von einem "normalen" instinktiven Reagieren zu reden? Jessas, wo lebe ich eigentlich? Antworten


Daniel Dummermuth

28.07.2010, 16:27 Uhr
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@Peter Gutknecht: Fahrerflucht geschieht wohl kaum aus finanziellen Überlegungen. Sondern es ist ein instinktives Handeln, um das soeben verursachte Problem zu verdrängen. Die Statistik bezieht sich auf die der Polizei gemeldeten Unfälle mit Personenschaden (exkl. Sachschäden). Wie kommen Sie dazu, zu behaupten, die Statistik sei falsch? Antworten


Markus Eugster

28.07.2010, 16:26 Uhr
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Ist doch logisch! Wenn die Schweizer Verkehrsteilnehmer bei ehrlichem Verhalten derart gebüsst und bestraft werden wie heute, dann muss sich niemand wundern, wenn jemand Fahrerflucht begeht. Heutzutage ist es ja "günstiger" jemandem mit der Faust den Kiefer zu brechen, als denselben auch nur leicht anzufahren. Im zweiten Fall droht das gesellschaftliche und finanzielle AUS! Antworten


Henry Mancini

28.07.2010, 16:12 Uhr
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@Herr Gasser: Flucht ist ein menschlicher Urinstinkt, es ist reiner und selbstloser trieb zum erhalt des eigenen Lebens. Unabhängig von Moral usw. Also, warum sollten die Experten daneben liegen? Dass es moralisch verwerflich ist, steht ausser Diskussion. Antworten


Max Grau

28.07.2010, 15:49 Uhr
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@ E. Schilling: dass vom Bootsunfall nichts publik wird, hat einzig taktische Gründe. Menschen sind soziale Wesen und neugierige Plaudertaschen. Nur wer genaue Kenntnisse von diesem Unfall besitzt, kann einen 'Fehler' begehen und zuviel Wissen preisgeben. Nur darauf warten die Ermittler, Ihre persönliche Neugierde zählt in diesem Fall nichts. Antworten


Peter Gutknecht

28.07.2010, 15:42 Uhr
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Die Fahrerflucht müsste zB mit 20% des angerichteten Schadens gebüsst werden, sonst ist Flucht finanziell interessant. Es wird soweit kommen, dass Haftpflichtversicherungen die Prämien senken werden für diejenigen, die nach einem Unfall fliehen. "Bei einem von 20 Unfällen" gebe es Fahrerflucht ?: da ist die Dunkelziffer wohl sehr hoch oder die Statistik falsch: mindestens jeder 5. flieht. Antworten


Mario Monaro

28.07.2010, 15:26 Uhr
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Wir werden von klein auf darauf getrimmt keine Fehler zu machen. Besser wäre es Fehler so zu charakterisieren, dass sie zwar wenn immer möglich zu vermeiden sind, aber nun mal leider zum Leben gehören. Und zu einem Fehler gehört auch, dass man die Konsequenzen auf sich nimmt. Mit einer solchen Geisteshaltung würde es leichter fallen sich richtig zu entscheiden. Antworten


Michel GASSER

28.07.2010, 14:54 Uhr
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Die Experten haben falsch. Fahrerflucht ist alles anders als natürlich, weil nur unehrliche oder perverse Leute nach einem Unfall, in dem sie bewusst beteiligt sind, die Flucht nehmen. Aufrichtige Personen tun das einfach nie und nirgends. Antworten


Peter Keller

28.07.2010, 13:39 Uhr
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Auf CH-Strassen und Gewässer werden leider nach wie vor viel zu viele Verkehrssünder auch im Zusammenhang mit Sportunfällen gedeckt!!! Das ist sehr schlimm... Die Zeit wird aber kommen, wo all diese scheinheiligen Leute das schlechte Gewissen einholt! Nur mit dem Einstehen der Konsequenzen können irgendwann die schlaflosen Nächte wieder aufhören und man kann sich wieder im Spiegel anschauen!!! Antworten


Gerhard Graf

28.07.2010, 13:33 Uhr
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Es mag egoistisch sein und natürlich, instinktiv und sogar verständlich. Aber in erster Linie ist es kriminell und menschenverachtend. Antworten


Emanuel Schillig

28.07.2010, 13:24 Uhr
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Es ist doch sehr eigenartig, dass beim Bielerseeunfall mit dem tödlichen Ausgang keinerlei Informationen erfolgen. In anderen Fällen ist die Presse, wie sie oft betont "dran". Es geht nicht darum, dass Vermutungen im Dutzend angestellt werden, sondern dass doch hin und wieder vom aktuellen Stand der Ermittlungen berichtet wird. Wer hat denn etwas geheimzuhalten? Antworten



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