Räuber und Poli auf Twitter

In den USA nutzen immer mehr Kriminelle das Internet. Jedoch liest auch die Polizei aufmerksam mit.

Da sucht sicherlich niemand: Dieses Photo zeigt ein Röntgenbild eines Häftlings der sein Handy in seinem Rektum versteckte. Die Häftlinge gehen grosse Risiken ein um weiterhin ein Handy zu besitzen.

Da sucht sicherlich niemand: Dieses Photo zeigt ein Röntgenbild eines Häftlings der sein Handy in seinem Rektum versteckte. Die Häftlinge gehen grosse Risiken ein um weiterhin ein Handy zu besitzen.
Bild: Reuters

Da sucht sicherlich niemand: Dieses Photo zeigt ein Röntgenbild eines Häftlings der sein Handy in seinem Rektum versteckte. Die Häftlinge gehen grosse Risiken ein um weiterhin ein Handy zu besitzen.

Da sucht sicherlich niemand: Dieses Photo zeigt ein Röntgenbild eines Häftlings der sein Handy in seinem Rektum versteckte. Die Häftlinge gehen grosse Risiken ein um weiterhin ein Handy zu besitzen. (Bild: Keystone)

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Banden geben in den USA im Internet mit ihren Taten an. Die Polizei liest interessiert mit. Allein die berüchtigte MS-13-Gang in Los Angeles betreibt mehrere Dutzend Facebook-Seiten, gefüllt mit Hetzreden gegen andere Banden und illustriert vergangene Schandtaten mit Fotos oder gar Videos. Auch auf Twitter versuchen Gangs zunehmend, die Gegenseite mit rassistischen Sprüchen zu einem Angriff zu provozieren. Letzte Woche gelang es der Polizei in Riverside, östlich von Los Angeles, über 50 Drogenhändler zu verhaften, nachdem die Latinos eine afroamerikanische Bande bedroht hatten. Gutes Beweismaterial wurde auf Myspace und Youtube sichergestellt.

Tummelplatz für Prahler

Internettreffpunkte wie Facebook und Twitter sind zu einem bevorzugten Tummeplatz von jugendlichen Banden geworden, berichten Polizeibehörden in Los Angeles, San Francisco und New York. «Dank diesen Websites bekommen wir Information über Leute, von denen wir keine Ahnung hatten», erklärte Dean Johnston vom California Bureau of Narcotics Enforcement, «die ausgetauschten Informationen ermöglichen uns, einen ganzen Stammbaum der Banden nachzuzeichnen.» Dabei kommt der Polizei das Machogehabe vieler Täter entgegen. Facebook und Twitter sind ideale Plattformen für Selbstdarsteller, sagte Johnston, und Kriminelle unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht von der übrigen Gesellschaft.

Im Gegenteil: Die Täter sind stolz auf ihre Zugehörigkeit zu einer Bande, prahlen damit und machen Fotos und Videos öffentlich zugänglich. «Diese Leute suchen den Ruhm und die Anerkennung ihrer Kollegen», erklärte David Anguiano, stellvertretender Sheriff von Los Angeles County, nach dem Auffliegen einer Graffiti-Bande. Sie hatte ihren letzten Feldzug über Twitter angekündigt; in der irrigen Meinung, der verwendete Slang und die Decknamen würden sie vor dem Polizeizugriff schützen.

Aufgespürt wurde auch eine Drogenbande im Grossraum San Francisco, die sich auf Twitter darüber zu unterhalten begann, ob einem aus der Haft entlassenen Kollegen noch zu trauen sei, oder ob er sich als Spitzel habe abwerben lassen. Die Polizei verfolgte die Diskussion mehrere Wochen, bevor sie zuschlug. Twitter und Facebook kooperieren mit der Polizei: Wenn ein Durchsuchungsantrag vorliegt, werden Personen- und Kontodaten offengelegt.

Häftling rief aus der Zelle den Senator an

Twitter ist wegen der Kürze der Meldungen beliebt, und dabei kommt den Gangs zugute, dass die meisten der inhaftierten Kollegen mit einem Handy erreichbar sind. Zwar sind Handys in US-Gefängnissen verboten, Razzien zeigen aber, dass praktisch alle Häftlinge ein Smartphone besitzen oder eines unter sich teilen. Besonders zu reden gab vor zwei Jahren der Fall des texanischen Senators John Whitmire. Ein Häftling rief ihn mehrmals aus dem Todestrakt an, um sich zu beschweren. Der Senator glaubte lange Zeit, einen Aufseher am Draht zu haben. Als der zum Tode Verurteilte seine Identität offenlegte, kam es zu einer Razzia; über 400 Handys wurden sichergestellt.

Mehr als die Hälfte aller Bundesstaaten fordert nun, die Gefängnisse mit einem elektronischen Sicherungskäfig zu umgeben, der Telefonsignale abfängt. Doch sind die Aussichten für eine solchen Bann gering. Zu sehr spielen die über Handys betriebenen Facebook- und Twitter-Kontakte auch der Polizei in die Hände. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2010, 14:10 Uhr

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